Trinkblase, Softflask oder Trinkflasche?

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Trinkblase, Softflask oder Trinkflasche? Die Wahl des richtigen Trinksystems nimmt in der Trailrunning-Szene schon fast religiöse Formen an. Ich erkläre dir heute den Unterschied zwischen den drei Systemen und zeige, worauf du beim Kauf achten solltest. Und natürlich, welches Trinksystem ich selbst nutze.

Die Flüssigkeitszufuhr ist elementar für den menschlichen Körper. Der Mensch kann zwar mehrere Wochen ohne Nahrung auskommen, aber schon nach wenigen Tagen ohne Wasser sterben. Die Forschung geht davon aus, dass ein Flüssigkeitsverlust von zehn Prozent der Körpermasse oder mehr tödlich sein kann. Beim Laufen verlierst du je nach Intensität und Temperatur zwischen 0,5 und 2 Litern pro Stunde. Das Trinksystem, das du wählst, entscheidet also darüber, ob du das sauber im Griff hast. Auf das Thema Dehydration auf dem Trail bin ich übrigens schon ausführlicher eingegangen.

Die Trinkblase

Jeder kennt sie, viele schimpfen über sie, und nur wenige lieben sie wirklich.

Trinksystem Trailrunning: Trinkblase von Hydrapak

Volumen: Trinkblasen ermöglichen es, große Mengen Flüssigkeit mitzuführen. Gängige Größen sind 1,5, 2 und 3 Liter. Für Ultraläufe oder lange Bergtouren ohne Verpflegungspunkte ist das der entscheidende Vorteil gegenüber den anderen Varianten dieses Trinksystems.

Gewichtsverteilung: Bauartbedingt sind Trinkblasen flach und länglich. Sie liegen am Rücken an und verteilen das Gewicht gleichmäßig über die gesamte Rückenfläche. Das fühlt sich bei 2 Litern deutlich besser an als zwei Flaschen vorne in den Brusttaschen.

Reinigung: Das ist der wunde Punkt. Viele Hersteller setzen noch immer auf zu enge Öffnungen. Das erschwert sowohl das Befüllen unterwegs als auch die Reinigung danach. Schlauch und Beißventil brauchen spezielle Reinigungsbürsten, und wirklich trocken bekommst du die Blase nur, wenn du sie aufgehängt lüftest. Wer das vernachlässigt, kämpft irgendwann mit Schimmel.

Das nervigste Problem: Sobald Luft in der Blase ist, schwappt der Inhalt beim Laufen. Es gibt aber einen einfachen Trick dagegen.

Drehe die Blase mitsamt Rucksack um und sauge die Luft durch den Schlauch heraus. Dann schwappt nichts mehr.

Noch ein praktisches Problem: Wer eine volle Trinkblase in einem vollgepackten Rucksack nachfüllen musste, weiß, dass das fast unmöglich ist ohne den restlichen Inhalt zu durchnässen. Ist die Blase erst draußen, bekommt man sie nur schwer wieder rein.

Worauf solltest du beim Kauf einer Trinkblase achten?

  • Stelle sicher, dass die Trinkblase BPA-frei ist. BPA ist ein Stoff mit hormonähnlicher Wirkung auf den Körper und hat in einem Trinksystem nichts verloren.
  • Wähle ein Modell mit breiter Öffnung. Das erleichtert sowohl das Befüllen als auch die Reinigung enorm.
  • Achte auf einen Schnellverschluss am Schlauch. Damit kannst du den Schlauch auch von der gefüllten Blase trennen, was beim Befüllen an Verpflegungspunkten sehr praktisch ist.
  • Bevorzuge einen Schiebeverschluss statt Drehverschluss. Eine flexible Blase im Rucksack lässt sich mit einem Drehverschluss nur schwer schließen.
  • Hydrapak-Blasen haben sich in der Praxis bewährt: gute Öffnung, solides Material, kompatible Schläuche.

Die Softflask

Die Softflask ist eine Mischung aus Trinkblase und Trinkflasche, und bei vielen Trailrunnerinnen und Trailrunnern längst das bevorzugte Trinksystem.

Softflask als Trinksystem beim Trailrunning

Volumen: Softflasks gibt es von etwa 150 ml bis 700 ml. Die 500-ml-Variante ist der Sweet Spot für die meisten Laufrucksäcke, deren Brusttaschen genau dafür ausgelegt sind.

Gewichtsverteilung: Softflasks wandern in der Regel in die Fronttaschen des Rucksacks. Das hat den großen Vorteil, dass du jederzeit siehst wie viel Wasser noch drin ist, ohne den Rucksack auszuziehen. Alternativ gibt es auch Handheld-Systeme, bei denen die Softflask in einem kleinen Handgurt sitzt.

Reinigung: Hier unterscheidet sich dieses Trinksystem kaum von der Trinkblase. Die Öffnung ist oft zu eng für eine gründliche Reinigung per Hand, und die Spülmaschine ist nicht bei allen Modellen erlaubt. Salomon-Softflasks zum Beispiel sind ausdrücklich nicht spülmaschinenfest, obwohl das eine häufig gestellte Frage ist. Mit einer langen Flaschenbürste kommt man gut ran, ein kleines Gefummel bleibt es aber trotzdem.

Der große Vorteil gegenüber Hartplastik: Die Softflask schrumpft mit dem Inhalt zusammen. Je leerer sie wird, desto kleiner wird sie. Am Ende eines langen Laufs steckt sie als kleine Kugel in der Brusttasche und drückt überhaupt nicht mehr. Und da beim Trinken die Luft mit herausgesaugt wird, schwappt auch nichts.

Nachteil beim Auffüllen: Das weiche Material wird beim Einstecken in die enge Brusttasche schnell zum Problem. Wer kennt das nicht: Flasche raus, schnell auffüllen, und dann passt das Ding nicht mehr rein weil man es beim Drücken verformt hat.

Worauf solltest du beim Kauf einer Softflask achten?

  • Auch hier gilt: BPA-freies, lebensmittelechtes Material ist Pflicht.
  • Achte auf einen möglichst großen Öffnungsdurchmesser. Das macht die Reinigung deutlich einfacher.
  • Das Beißventil sollte einen großen Durchlass haben. Nichts ist nerviger als saugen zu müssen wie ein Blöder weil das Ventil zu eng ist.
  • Prüfe vor dem Kauf, ob das Modell spülmaschinengeeignet ist, wenn dir das wichtig ist. Nicht alle sind es, Salomon gehört zu den Herstellern die das ausdrücklich ausschließen.
  • Achte auf die Kompatibilität mit deinem Rucksack. Die Brusttaschen vieler Rucksäcke sind auf bestimmte Flaschengrößen ausgelegt: 500 ml passt meistens, 700 ml manchmal nicht.

Die Trinkflasche

Der Klassiker. Jeder kennt die Hartplastikflasche vom Radfahren oder vom Fußballplatz, und auch als Trinksystem beim Laufen ist sie längst nicht tot.

Trinkflasche als Trinksystem für Sport und Trailrunning

Volumen: Gängige Größen reichen von 250 bis 750 ml, selten bis zu einem Liter.

Gewichtsverteilung: Je nach Rucksack sitzen die Flaschen in Brusttaschen, seitlich auf der Hüfte, oder bei älteren Modellen zwischen den Schulterblättern auf dem Rücken. Am stabilsten sitzt alles, was vorne oder oben auf dem Rücken transportiert wird. An der Hüfte schwappt das Wasser grundsätzlich, weil sich die Hüfte beim Laufen nun mal dreht.

Reinigung: Das ist der unbestrittene Vorteil dieses Trinksystems. Deckel ab, ab in die Spülmaschine, fertig. Beim Silikonventil kurz von Hand drüberwischen, das reicht.

Der beste Vorteil an Verpflegungspunkten: Ich sage immer, jeder kann eine Trinkflasche bedienen. An einem VP drücke ich dem Helfer die Flasche in die Hand, er dreht den Deckel auf, hält sie unter den Wasserkanister, dreht zu, gibt sie zurück. Fertig. Keine Erklärung, kein Schiebeverschluss der sich nicht bedienen lässt, keine Softflask die sich beim Eindrücken verformt. Gerade bei Nachtläufen oder langen Ultras, wo die Helfer selbst seit Stunden auf den Beinen stehen, ist das ein echter Vorteil für alle Beteiligten.

Außerdem kann man eine Trinkflasche abstellen. Klingt banal, ist es aber nicht: Softflask und Trinkblase fallen um. Wenn du an einem VP stehst und Pulver einrührst, willst du die Flasche kurz irgendwo hinstellen können.

Nachteil: Formstabilität ist hier Fluch und Segen zugleich. Die Flasche bleibt immer gleich groß, egal wie viel noch drin ist. Bei 200 ml Restinhalt drückt die leere Flasche genauso gegen den Körper wie bei 500 ml. Hartplastikflaschen sind außerdem in der Regel schwerer als Softflasks gleicher Größe.

Worauf solltest du beim Kauf einer Trinkflasche achten?

  • Finger weg von BPA und anderen Weichmachern. Die meisten Hersteller haben das inzwischen im Griff, aber ein kurzer Blick auf die Produktbeschreibung lohnt sich.
  • Prüfe, ob die Flasche spülmaschinengeeignet ist. Das ist der Hauptvorteil dieses Trinksystems gegenüber Softflask und Trinkblase, den du nicht durch ein ungeeignetes Modell verschenken solltest.
  • Achte auf ein grobgängiges Gewinde. Ein feines Gewinde überdreht schneller, vor allem wenn man in Hektik oder mit kalten Fingern den Deckel nicht ganz gerade aufsetzt.
  • Das Beißventil entscheidet darüber, wie schnell du trinkst und ob du dir beim Drücken die Zähne einschlägst. Qualität lohnt sich hier.

Wer sollte welches Trinksystem nehmen?

Kurze Läufe bis 90 Minuten, du weißt wo du Wasser bekommst: Eine oder zwei Softflasks vorne im Rucksack reichen vollkommen. Kein Aufwand, kein Gewicht.

Laufen mit Hund und Canicross: Hier empfehle ich eine Trinkflasche oder Softflask die sich mit einer Hand bedienen lässt. Du willst nicht mit einer Hand am Schlauch der Trinkblase kauen und gleichzeitig die Leine halten. Eine Softflask in der Brusttasche, kurz drücken, fertig.

Ultraläufe und lange Bergläufe mit Verpflegungspunkten: Kombination aus Softflask oder Trinkflasche vorne und einer Trinkblase hinten als Reserve. Ich laufe es meistens so: Primär trinke ich aus den Brusttaschen, die Trinkblase mit Wasser auf dem Rücken ist das Backup zwischen zwei VPs.

Einsteiger mit erstem Laufrucksack: Fangt mit zwei 500-ml-Softflasks an. Die passen in die meisten Rucksäcke, sind günstig, und ihr müsst euch nicht mit Schläuchen und Ventilreinigung herumschlagen. Das Trinksystem lässt sich später noch ausbauen.

Fazit

Es gibt kein objektiv bestes Trinksystem. Jedes hat seine Stärken und jedes nervt in bestimmten Situationen. Ich nutze alle drei, je nach Lauf und Streckenlänge. Wenn ich aber für einen einzigen Typ votieren müsste, wären es Softflasks: flexibel, leicht, und in fast jeden Rucksack passend.

Was mich aber wirklich interessiert: Was nutzt du? Und warum? Schreib es in die Kommentare.

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