Im Sommer 2018 wurden die ersten Exemplare der Zeckenart Hyalomma marginatum in Deutschland entdeckt. Seitdem hat sich einiges getan. Was 2018 noch eine Rarität war, ist 2025 ein zunehmend beobachtetes Phänomen – auch wenn von einer festen Population in Deutschland noch keine Rede ist.
Wer mehr zum Thema Zecken allgemein wissen will, findet im Artikel Was tun bei Zeckenstich? alle wichtigen Informationen zur Entfernung und Borreliose-Vorbeugung.
Was ist Hyalomma marginatum?

Die Hyalomma marginatum stammt ursprünglich aus den subtropischen Regionen Asiens und Afrikas. Die Geschlechtstiere befallen vor allem Huftiere, Funde an Menschen sind möglich aber seltener. Jungtiere sind häufiger an Vögeln zu finden – und genau das ist das Problem: Zugvögel bringen die Zecken nach Europa.
Wie erkenne ich die Riesenzecke?
Der Name ist Programm. Die Hyalomma marginatum ist mit 5 bis 6 Millimeter im nüchternen Zustand deutlich größer als der gemeine Holzbock, der es auf 2,5 bis 4,5 Millimeter bringt. Vollgesaugt kann die Riesenzecke bis zu zwei Zentimeter erreichen. Weitere Erkennungsmerkmale:
- Einfarbig brauner Schild mit unregelmäßig verteilten weißen Flecken
- Rauhe, matte Schildstruktur
- Beine deutlich heller als der Körper, oft geringelt
- Sie hat Augen und verfolgt ihre Beute aktiv über viele Meter
Der letzte Punkt ist ungewohnt: Im Gegensatz zum Holzbock der passiv auf einem Grashalm wartet, jagt die Hyalomma aktiv. Sie nimmt Warmblüter aus bis zu zehn Metern Entfernung wahr und läuft auf sie zu. Das macht sie trotz ihrer Größe nicht zwingend leichter zu vermeiden.
Die Hochsaison liegt zwischen März und November. Anders als der Holzbock bevorzugt die Hyalomma offene, sonnige Flächen mit Steinen und kurzen Gräsern – also weniger dichten Wald, eher Lichtungen, Böschungen und Wegränder.

Wie ist die Lage in Deutschland 2025?
Von 2019 bis 2023 wurden insgesamt 212 Hyalomma-Zecken in Deutschland erfasst, davon 132 H. marginatum. Die meisten Exemplare wurden an Pferden gefunden, einige an anderen Tieren oder Menschen. Forschende der Uni Hohenheim gehen aktuell davon aus, dass es sich dabei fast ausschließlich um per Zugvogel eingeschleppte Einzeltiere handelt und noch keine feste Population in Deutschland existiert.
In Norditalien, konkret in der Provinz Triest, hat sich die Hyalomma inzwischen jedoch dauerhaft angesiedelt. Die Klimaerwärmung hat die Winter dort so weit verkürzt dass das möglich wurde. Portugal, Spanien, Südfrankreich, Kroatien und Griechenland sind ebenfalls betroffen. Die Richtung ist klar.
Wie gefährlich ist die Riesenzecke?
Hyalomma marginatum gilt als Vektor für das Krim-Kongo-Fieber und Fleckfieber. In den 2019 bis 2023 in Deutschland untersuchten Exemplaren wurde das Krim-Kongo-Virus nicht nachgewiesen. Allerdings wurden in 44% der untersuchten Zecken Rickettsia-Bakterien gefunden, darunter die Art Rickettsia aeschlimannii die beim Menschen Fleckfieber verursachen kann.
Das Risiko sich in Deutschland über einen Hyalomma-Biss mit dem Krim-Kongo-Virus zu infizieren gilt aktuell als sehr gering. Das kann sich mit einer möglichen Etablierung der Art ändern.
Was tun wenn mein Hund eine Riesenzecke hat?
Ab zum Tierarzt, damit dieser die Art sicher bestimmen lassen kann. Das ist wichtig um eine mögliche Verbreitung und Etablierung in Deutschland zu dokumentieren. Hyalomma-Funde können auch dem zuständigen Gesundheitsamt oder dem Robert-Koch-Institut gemeldet werden.
Fazit
Panik ist fehl am Platz. Wer aber regelmäßig auf dem Trail unterwegs ist, sollte die Hyalomma kennen und wissen wie sie aussieht. Die gute Nachricht: sie ist durch ihre Größe und die geringelten Beine deutlich leichter zu erkennen als der Holzbock. Die schlechte: sie kommt auf dich zu statt zu warten.
Wie immer gilt: nach dem Lauf gründlich absuchen, Zecken zeitnah und richtig entfernen. Alles dazu im Artikel Was tun bei Zeckenstich?
Quellen
- Quarks: Was wir wirklich über die Riesenzecke wissen
- Hyalomma marginatum auf Wikipedia
- Utopia: Riesenzecke Hyalomma – wie gefährlich ist sie?
- Chitimia-Dobler et al. (2024): Molting incidents of Hyalomma spp. carrying human pathogens in Germany. Parasites & Vectors.
