Titelbild: Hendrik Morkel / Unsplash
Als ich diesen Artikel 2019 zum ersten Mal geschrieben habe, wurde Trail Running in jedem zweiten Laufmagazin als die neue große Sache gefeiert. Alternativtraining für Straßenläufer, Winteralternative, der nächste große Hype. Inzwischen ist Trail Running einfach Sport. Kein Hype mehr, kein Trendbegriff, einfach eine Art zu laufen, die es schon immer gab. Und jetzt? Jetzt ist das nächste Ding da.
Was ist Trail Running überhaupt?
Eine wasserdichte Definition gibt es nicht, das war 2019 so und hat sich nicht geändert. Der Begriff Trail bedeutet Pfad oder Spur und wird in den USA auch für Wanderwege verwendet. Als kleinster gemeinsamer Nenner gilt: Trail Running findet abseits befestigter Wege statt. Waldweg, Feldweg, Schotterweg, Bergweg, alles dabei. Du läufst deine Waldrunde? Trail Run. Du umrundest den See auf dem Trampelpfad? Trail Run. Höhenmeter sind kein Pflichtprogramm, auch wenn sie das Ganze natürlich interessanter machen.
Urban Trail Running – ein Marketingbegriff
Sportartikelhersteller haben irgendwann den Begriff Urban Trail Running erfunden, um Stadtläufer anzusprechen, die keinen Wald vor der Tür haben. Die Idee: auch in grauen Großstädten gibt es Pfade und Parks, also ist der Parkläufer jetzt auch ein Trail Runner. Meine Meinung dazu ist gespalten, das war sie 2019 und das ist sie heute noch. Trail Running bedeutet für mich raus aus der Stadt, rein in die Natur. Ein Stadtpark reicht mir nicht. Aber ich verstehe, dass nicht jeder das Glück hat, direkt am Waldrand zu wohnen. Für die ist Urban Trail Running vielleicht das Beste, was geht. Wichtig ist am Ende sowieso nur, dass man läuft.
Trail Running ohne Höhenmeter?
Ja, geht. Rügen beweist es seit Jahren. Es müssen nicht immer 1000 Höhenmeter sein.
Gibt es die reine Lehre?
Nein. Wer anfängt zu rechnen, ab wie viel Prozent Offroad ein Lauf zum Trail Run wird, hat zu viel Zeit. Jeder Lauf der dich auf unbefestigte Wege führt, ist Trail Running. Fertig.
Warum sollte man Trail Running ausprobieren?
Weil es Spaß macht. Das wäre Antwort genug, aber es gibt auch handfeste Gründe. Im Gelände gleicht kein Schritt dem anderen, das trainiert Muskeln die auf der Straße kaum beansprucht werden und beugt Überlastungsschäden vor. Bergauf, bergab, unterschiedliche Untergründe, Sprünge, manchmal kleine Kletterpassagen. Das ist kein Marketing, das ist einfach so. Und die Ruhe im Wald ist durch nichts zu ersetzen.
2026: der nächste Hype
Während Trail Running längst im Alltag angekommen ist, dreht sich das Hype-Karussell weiter. Backyard Ultra und seine Ableger boomen, und mit Formaten wie 99 Laps ist ein neues Influencer-Ding entstanden, das gerade durch die Sozialen Medien geistert. Runden drehen, Kameras dabei, große Inszenierung.
Ich bin ehrlich: das ist nicht meins. Erstens bin ich schlicht zu langsam für diese Formate. Zweitens mochte ich am Ultralaufen genau das, was dort fehlt: die lange Zeit auf den Beinen, die Stille, die Natur. Kein Livestream, kein Crewbereich mit Neonlichtern, keine Attitüde. Einfach laufen, bis man nicht mehr kann, irgendwo draußen.
Ob 99 Laps der nächste echte Sport wird oder in drei Jahren niemanden mehr interessiert, weiß ich nicht. Was ich weiß: Trail Running hat den Hype überlebt. Vielleicht ist das die beste Antwort auf die Frage, ob es eine Trendsportart war.

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