Sportmythen halten sich erstaunlich hartnäckig. Besonders im Laufsport kursieren Aussagen die so oft wiederholt werden, dass sie irgendwann als Wahrheit gelten. Hier sind fünf davon, die ich regelmäßig höre – und was wirklich dahintersteckt.
Wer schnell werden will, muss immer schnell laufen.
Das ist wahrscheinlich der verbreitetste Mythos überhaupt. Die meisten Hobbyläufer trainieren dauerhaft zu intensiv und wundern sich dann warum sie nicht besser werden oder sich ständig verletzen.
Was Profis machen sieht auf Strava oft anders aus als es tatsächlich ist. Der Großteil ihres Trainings läuft im ruhigen GA1-Bereich ab. 60 bis 70 Prozent der Wochenkilometer im aeroben Bereich ist keine Ausnahme bei Spitzenläufern, es ist die Regel. Dazu kommen gezielte Intervall- und Tempoeinheiten, aber eben dosiert.
Ob du 4 oder 9 Minuten pro Kilometer läufst spielt dabei keine Rolle. Was zählt ist wo du im Verhältnis zu deiner individuellen Leistungsfähigkeit trainierst. Wie du deinen richtigen Bereich findest, erklärt der Artikel Laufen nach Puls.
Krafttraining ist nichts für Läufer.
Doch. Gerade für Trailrunner ist Krafttraining sinnvoll. Auf unebenem Untergrund, bei langen Abstiegen und in der Späthälfte eines Ultras entscheidet oft die Stabilität ob du sauber läufst oder anfängst zu stolpern.
Die Angst vor zu viel Muskelmasse ist unbegründet. Wer als Ausdauerläufer zweimal die Woche Krafttraining macht wird kein Bodybuilder. Er wird stabiler, verletzungsresistenter und auf langen Läufen effizienter. Kniebeugen, Ausfallschritte, einbeinige Übungen und Core-Arbeit sind dabei sinnvoller als Maschinen im Fitnessstudio.
Muskelkater zeigt, dass das Training gewirkt hat.
Muskelkater entsteht durch kleine Mikrorisse in der Muskulatur nach ungewohnter Belastung. Er ist kein Qualitätsmerkmal eines guten Trainings, sondern ein Signal dass der Körper überfordert wurde oder mit einem neuen Reiz konfrontiert war.
Wer regelmäßig trainiert hat seltener Muskelkater, weil der Körper angepasst ist. Das bedeutet nicht dass das Training schlechter war. Im Gegenteil. Wenn du nach einem langen Trail immer noch tagelang kaum die Treppe runterkommst, stimmt etwas mit der Dosierung nicht.
Was wirklich hilft: ausreichend Schlaf, leichte Bewegung am Folgetag und Zeit. Eiskalte Duschen oder Massagen können die Symptome kurzfristig lindern, beschleunigen den Heilungsprozess aber kaum nachweisbar.
Fettverbrennung beginnt erst nach 30 Minuten.
Der Körper verbrennt von der ersten Minute an sowohl Fett als auch Kohlenhydrate. Das Verhältnis verschiebt sich mit zunehmender Dauer und sinkender Intensität in Richtung Fett, aber es gibt keinen magischen Schalter der nach 30 Minuten umgelegt wird.
Für Trailrunner die lange unterwegs sind ist das ohnehin weniger relevant als oft angenommen. Wer 6 Stunden auf dem Trail verbringt verbrennt garantiert Fett. Viel wichtiger ist die Frage wie du auf diesem langen Weg gut versorgt bleibst und wann du anfängst zu essen bevor du leer bist.
Vor dem Sport muss man dehnen.
Statisches Dehnen vor dem Laufen ist nicht sinnvoll und kann die Leistung kurzfristig sogar verschlechtern. Das zeigt die Forschung ziemlich eindeutig. Ein Muskel der lang gehalten und gedehnt wurde ist danach nicht wacher, sondern eher träger.
Was vor dem Laufen wirklich hilft ist dynamisches Einlaufen und Mobilisieren: Beine schwingen, Hüftkreisen, ein paar Kniehebe. Der Körper braucht Bewegung zum Aufwärmen, keine Dehnung.
Auch nach dem Laufen ist statisches Dehnen weniger hilfreich als oft angenommen. Wer mehr darüber wissen will hört sich am besten die Episode PhysioTalk: Mythos Dehnen an, in der Dennis alias Medical Dude das Thema mit Studienbelegen auseinandernimmt.
Welche Mythen begegnen dir regelmäßig? Schreib gerne einen Kommentar.

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