Trailrunning Tipps für Laufeinsteiger

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Trailrunning klingt nach Profi-Sport, Bergpässen und Ultramarathons. Ist es aber nicht. Im Kern ist es das simpelste, was man mit Laufschuhen anstellen kann: raus in den Wald, dem nächsten Pfad folgen und schauen, wohin er führt. Kein Asphalt, kein Verkehr, keine gelangweilten Blicke auf die immer gleiche Straße.

Ich laufe seit mehr als zehn Jahren auf Trails, durch Wälder, über Wurzeln und gelegentlich auch mal auf normalen Straßen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ich bin kein Laufcoach und kein Trainer. Aber ich habe in dieser Zeit so ziemlich jeden Fehler gemacht, den man als Einsteiger machen kann, und weiß deswegen genau, worauf es wirklich ankommt.

Dieser Artikel ist kein Hochglanz-Ratgeber mit Trainingsplänen. Er ist eine ehrliche Sammlung von Dingen, die dir den Einstieg leichter machen.

Was ist Trailrunning eigentlich?

Ein Trail ist ein unbefestigter Weg in der Natur. Das kann ein schmaler Waldpfad sein, ein Wanderweg mit Höhenmetern, ein Wiesenstreifen am Bachrand oder ein steiniger Kamm hoch oben. Alles, was nicht asphaltiert oder gepflastert ist, zählt im Grunde dazu.

Trailrunning ist das Laufen auf diesen Wegen. Das klingt banal, aber der Unterschied zum Straßenlauf ist erheblich. Kein Schritt gleicht dem nächsten. Der Boden ist uneben, nass, weich, steinig oder mit Wurzeln gespickt. Das zwingt dich, ständig aufmerksam zu sein und ständig kleine Anpassungen zu machen. Genau das macht es so interessant, und genau das macht es auch körperlich so anspruchsvoll auf eine Art, die du vom Straßenlauf nicht kennst.

Warum Trailrunning für Einsteiger besser ist als sein Ruf

Die meisten denken beim Trailrunning sofort an Extremsport. Das ist ein Missverständnis. Trailrunning hat schlicht mehr Facetten als Straßenlaufen: Du kannst es gemächlich angehen, mitten im Wald um die Ecke von zu Hause, ohne GPS-Uhr und ohne Wettkampfambitionen.

Weicher Untergrund schont deine Gelenke

Wer kennt das nicht: Nach einem längeren Lauf auf Asphalt melden sich Knie, Schienbeine und Hüfte. Harter Untergrund überträgt jeden Aufprall ungefiltert in den Bewegungsapparat. Waldboden federt ab. Das ist kein Mythos, das spürt man. Besonders am Tag danach.

Gleichzeitig bedeutet der unebene Untergrund, dass andere Strukturen mehr gefordert werden: Fußmuskulatur, Sprunggelenke, die kleinen Stabilisatoren rund ums Knie. Wer bisher nur auf der Straße gelaufen ist, wird nach den ersten Trailläufen Muskelkater an Stellen entdecken, die er vorher nicht kannte. Das ist normal und kein schlechtes Zeichen.

Abwechslung hält die Motivation hoch

Wer auf immer denselben Straßen läuft, kennt das Problem: Es wird irgendwann zur Pflicht. Der Trail dagegen ist immer anders. Im Frühjahr steht Wasser in den Senken, im Sommer ist der Boden trocken und fest, im Herbst liegt Laub, das jeden Stein versteckt, und im Winter macht Frost aus einem harmlosen Pfad eine echte Herausforderung.

Dazu kommen die Entdeckungen: ein neuer Abzweig, den du noch nie probiert hast, ein Reh am Waldrand, ein Ausblick, den du vorher nicht kanntest. Trailrunning erinnert an die Streifzüge durch den Wald als Kind. Die Bewegung steht im Mittelpunkt, nicht die Pace.

So bereitest du deinen Körper vor

Starte langsamer als du denkst

Das gilt besonders, wenn du vom Straßenlauf kommst und schon einigermaßen fit bist. Die Versuchung ist groß, dein gewohntes Tempo auch auf dem Trail zu laufen. Das funktioniert nicht. Roots, Steine, Steigungen und weicher Boden bremsen dich, ob du willst oder nicht.

Vergleiche deine Trailläufe nicht mit Straßenläufen. Weder beim Tempo noch bei der Strecke. Ein Trail-Kilometer kostet je nach Gelände deutlich mehr als ein Straßenkilometer. Orientiere dich anfangs nur an der Zeit, die du draußen bist, nicht an Kilometern.

Laufe so langsam, dass du es noch freiwillig machst, bevor du es musst.

Stabilität ist wichtiger als Ausdauer

Du brauchst für den Trail keine besonderen Kraftgeräte und kein Fitnessstudio. Aber ein paar gezielte Übungen machen den Einstieg deutlich angenehmer und reduzieren das Verletzungsrisiko spürbar:

  • Einbeinige Kniebeugen (Single-Leg Squats): Trainieren Stabilität im Knie und Sprunggelenk. Schon 3 Sätze à 10 Wiederholungen pro Bein, ein paarmal pro Woche, machen nach wenigen Wochen einen Unterschied.
  • Wadenheben auf unebenem Untergrund: Wer auf einem zusammengerollten Handtuch oder einer Balancematte steht, trainiert genau das, was der Trail fordert.
  • Hüftabduktion (seitliches Beinheben): Die Gesäßmuskulatur ist auf dem Trail permanent gefordert. Wer sie stärkt, schützt sein Knie.
  • Rumpfstabilität: Planks und Seitstütze. Langweilig, aber wirkungsvoll. Ein stabiler Rumpf hält dich aufrecht, wenn du bergauf kämpfst.

Technik: Das ist auf dem Trail anders als auf der Straße

Wohin du schaust, entscheidet alles

Der häufigste Fehler von Einsteigern auf dem Trail: Sie starren auf den Boden direkt vor ihren Füßen. Das klingt sicher, ist aber kontraproduktiv. Du reagierst zu spät auf Hindernisse und verlierst ständig den Rhythmus.

Besser: Scanne den Boden drei bis vier Meter vor dir, nicht direkt vor deinen Zehen. Du erkennst Hindernisse früh genug, um deinen Schritt anzupassen, ohne in Panik zu geraten. Schaue zusätzlich gelegentlich weiter nach vorne, um Steigungen und Kurven rechtzeitig zu erkennen und dein Tempo entsprechend anzupassen.

Kurze, schnelle Schritte statt große Sätze

Auf technischem Gelände, also überall dort, wo Steine, Wurzeln oder steile Hänge ins Spiel kommen, gilt eine einfache Regel: Schritte kürzer, Kadenz höher. Das hat zwei praktische Vorteile:

  • Du reduzierst die Zeit, die dein Fuß auf unsicherem Untergrund steht. Weniger Bodenkontaktzeit bedeutet weniger Rutschgefahr.
  • Du passt schneller auf unerwartete Hindernisse reagieren, weil dein Körperschwerpunkt näher über deinen Füßen bleibt.

Du kannst das auch abseits des Trails üben: Beim normalen Laufen einfach imaginären Wurzeln und Steinen ausweichen oder das klassische Lauf-ABC in die Einheit einbauen. Hohe Knie und Anfersen schulen genau die schnellen Beinbewegungen, die du auf dem Trail brauchst.

Bergauf: Wenn laufen keinen Sinn mehr macht

Flache Anstiege kannst du laufen wie auf der Straße, nur etwas langsamer. Je steiler es wird, desto kürzer die Schritte, desto mehr Tempo rausnehmen. Ab einem gewissen Steilheitsgrad ist flottes Wandern effizienter als langsames Traben. Das ist kein Versagen, das ist Taktik. Selbst Profis bei Ultramarathons gehen steile Abschnitte, weil es schlicht schneller ist.

Nutze dabei deine Arme aktiv. Die Hände leicht zur Faust ballen, Ellenbogen bei etwa 90 Grad, Armbewegung nach vorne und hinten, nicht quer zum Körper. Das treibt dich bergauf, ohne dass du es aktiv merkst.

Bergab: Der Teil, den die meisten unterschätzen

Bergab zu laufen fühlt sich einfach an und kostet keine Puste. Dafür kostet es Kraft in Oberschenkeln und Knie, viel mehr als du denkst. Einsteiger merken das oft erst am nächsten Tag.

Die wichtigsten Punkte beim Bergablaufen:

  • Nicht auf die Bremse treten: Wer bergab bremst, belastet den Quadrizeps maximal. Besser: Kurze Schritte, hohe Kadenz, leicht nach vorne neigen und den Schwung kontrolliert mitnehmen.
  • Arme als Ausgleich nutzen: Breite Arme helfen beim Balancieren. Keine Scheu davor, sie seitlich auszustrecken.
  • Weiche Knie: Das Knie muss federn dürfen, nie durchgestreckt landen.
  • Auf losen Steinen: Lieber ein bisschen bremsen als zu schnell über loses Geröll. Einmal ausgerutscht, und der Spaß ist schnell vorbei.

Höhenmeter: Am Anfang weniger ist mehr

Anstiege gehören zum Trailrunning, auch wenn du flaches Gelände auswählst. Irgendwo geht es immer ein bisschen rauf und wieder runter. Das ist gut so, denn Höhenmeter sind der schnellste Weg, um neue Reize zu setzen und Kraft aufzubauen.

Starte auf einfachen, flachen Trails und steigere die Höhenmeter über Wochen. 100 bis 150 Höhenmeter auf einer Anfängerrunde sind genug. Wer sofort in hügeliges Gelände geht und die Muskeln nicht daran gewöhnt hat, riskiert überlastete Sehnen und lange Zwangspausen.

Sicherheit auf dem Trail: Was du wissen musst

Trails führen oft in Gebiete, wo du alleine bist und kein Handyempfang hast. Das gehört zum Charme. Es bedeutet aber auch, dass du ein bisschen vorausdenken solltest.

  • Sag jemandem Bescheid: Wo du läufst und wann du ungefähr wieder zurück bist. Klingt übertrieben, ist es nicht, vor allem bei neuen Strecken.
  • Live-Tracking: Die meisten Fitness-Apps bieten eine Funktion, mit der jemand deine Position in Echtzeit verfolgen kann. Praktisch in Gegenden ohne Empfang, weil zumindest der letzte bekannte Standort gespeichert bleibt.
  • Wetter im Blick behalten: Auf dem Rückweg ein Gewitter zu bekommen ist unangenehm. Mitten im Wald ohne Schutzmöglichkeit ist es gefährlicher. Prüfe die Vorhersage, bevor du losfährst.
  • Etwas zu trinken dabei haben: Selbst auf kurzen Runden. Trailrunning fordert mehr als Straßenlaufen, und mitten im Wald gibt es keine Tankstelle.
  • Handy aufladen: Ein leerer Akku im abgelegenen Waldstück ist kein Drama, wenn alles gut geht. Wenn nicht, schon.

Ausrüstung: Was du wirklich brauchst (und was warten kann)

Spoiler: Du brauchst am Anfang deutlich weniger als dir der Fachhandel einreden möchte. Hier ist eine ehrliche Priorisierung.

Trailrunning Schuhe: Das erste, worüber du nachdenken solltest

Auf trockenen, einfachen Waldwegen im Sommer kannst du grundsätzlich mit einem normalen Straßenlaufschuh starten. Sobald es aber technischer, nasser oder matschiger wird, brauchst du einen echten Trailschuh.

Was einen Trailschuh ausmacht:

  • Profilierte Sohle: Stollen oder Noppen geben Halt auf weichem, rutschigem Boden. Der wichtigste Unterschied zum Straßenschuh. Jeder Hersteller hat seine eigene Gummimischung und sein eigenes Profildesign, was die Wahl nicht leichter macht, aber im Grunde funktionieren alle anständigen Modelle auf dem typischen Mittelgebirgsuntergrund.
  • Flacher Aufbau: Die meisten Trailschuhe haben wenig Sprengung, also wenig Höhenunterschied zwischen Ferse und Zehen. Das verbessert das Bodengefühl und reduziert das Umknickrisiko auf unebenem Untergrund. Gleichzeitig bedeutet es weniger Dämpfung als beim Straßenschuh.
  • Verstärkte Zehenkappe: Weil man früher oder später gegen einen Stein tritt. Immer. Auch wenn man aufpasst.
  • Rockplate: Eine harte Einlage in der Zwischensohle schützt vor durchstechenden Steinen. Gut bei steinigem Gelände, kostet aber Gefühl für den Boden.
  • Keine Pronationsstütze: Straßenschuhe haben das, Trailschuhe nicht. Auf unebenem Untergrund kann ein Schuh nicht pauschal korrigieren, weil jeder Schritt anders ist. Das machen auf dem Trail die Muskeln.

Wenn du dir unsicher bist, geh in einen guten Laufladen, lass dich beraten und probiere mehrere Modelle. Ein schlecht sitzender Trailschuh ist auf unebenen Pfaden ein echtes Problem.

Bekleidung: Was du schon hast, reicht erstmal

Was in deinem Schrank als Laufsachen hängt, funktioniert auch auf dem Trail. Es gibt nichts, was du zwingend neu kaufen musst, außer vielleicht einem Punkt:

Eine vernünftige Regenjacke. Auf der Straße kann man bei Regen einfach früher umkehren. Auf einem Trail mitten im Wald ist das nicht immer möglich. Eine leichte, packbare Regenjacke, die du in der Tasche oder einem kleinen Rucksack dabei hast, kann einen unangenehmen Lauf in einen erträglichen verwandeln.

Gamaschen sind kein Muss, aber eine feine Sache. Sie halten Steinchen, Dreck und Stöckchen aus den Schuhen fern. Wer das Problem nicht kennt, braucht keine. Wer’s kennt, kauft sie schnell.

Laufweste oder Trinkrucksack: Ab wann macht das Sinn?

Auf kurzen Läufen bis etwa 60 bis 90 Minuten kommst du ohne aus, wenn du vorher trinkst und danach trinkst. Sobald du längere Runden drehst, wird das anders. Wasser, eine Notfalljacke, vielleicht ein Riegel: Irgendwo muss das hin.

Laufwesten sind körpernah geschnitten und wackeln kaum. Laufrucksäcke haben mehr Volumen und fühlen sich klassischer an. Für den Einstieg reicht eine kleine Weste mit 500 ml bis 1 Liter Flüssigkeitskapazität. Wer Tagestouren plant, braucht entsprechend mehr Volumen. Die Auswahl ist mittlerweile riesig und für jeden Bedarf gibt es etwas.

GPS-Uhr: Nützlich, aber kein Muss am Anfang

Eine GPS-Uhr ist praktisch für die Aufzeichnung und bietet meistens auch eine brauchbare Navigation. Viele haben sie schon. Wenn nicht: Starte erst ohne. Dein Smartphone und eine Lauf-App tun es im Wald genauso. Erst wenn du merkst, dass du regelmäßig neue Strecken erkundest und navigieren möchtest, lohnt eine Uhr mit ordentlicher Kartenfunktion wirklich.

Trailrunning-Stöcke: Für später

Wer alpine Strecken läuft oder sehr viele Höhenmeter in einer Runde hat, dem können Stöcke echte Erleichterung bringen. Bergauf entlasten sie die Beine, bergab stabilisieren sie. Ob man sie mag, ist reine Geschmackssache. Es gibt Topläufer mit und ohne Stöcke. Für die ersten Trailläufe sind sie nicht nötig.

Wo findest du deinen ersten Trail?

Du brauchst keine Berge und kein spektakuläres Mittelgebirge. Ein Waldstück am Stadtrand reicht. Wanderwegenetze sind in Deutschland flächendeckend vorhanden und fast überall als Trailrunning-Einstieg geeignet.

Nützliche Quellen für die Routenplanung:

  • Komoot: Hervorragend für Trailrunning, zeigt Untergrund, Höhenprofil und Schwierigkeitsgrad. Du kannst Routen anderer Läufer aus deiner Region entdecken.
  • Strava: Die Heatmap zeigt dir, wo andere aktiv sind. Viel Traffic bedeutet meistens gute Wege.
  • Lokale Wanderkarten: Die offline-fähigen Apps der Landesvermessungsämter zeigen Wege, die in digitalen Karten oft fehlen.
  • Einfach losfahren: In vielen Wäldern gibt es Wanderwege, die du schlicht noch nie abgelaufen bist. Ein freier Nachmittag und ein bisschen Neugier sind oft der beste Anfang.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Langsamer starten als gewohnt. Der Trail bremst dich sowieso.
  • Vergleiche Trailläufe nicht mit Straßenläufen. Weder beim Tempo noch bei der Distanz.
  • Scanne den Boden drei bis vier Meter vor dir, nicht direkt vor den Füßen.
  • Kurze, schnelle Schritte auf technischem Gelände. Weniger Bodenkontaktzeit, mehr Kontrolle.
  • Bergauf gehen ist keine Schande. Ab einem gewissen Steilheitsgrad ist es sogar schneller.
  • Sag jemandem, wo du läufst. Auch auf kurzen Runden.
  • Ein guter Trailschuh ist die wichtigste Investition. Den Rest kannst du nach und nach ergänzen.
  • Genieße es. Der Wald ist schön. Das ist der eigentliche Punkt.

Hast du Fragen oder eigene Erfahrungen als Einsteiger gemacht, die hier fehlen? Schreib mir gerne eine Mail an info@trailrunnersdog.de. Ich freue mich über jeden Erfahrungsbericht.

Kommentare

8 Kommentare zu „Trailrunning Tipps für Laufeinsteiger“

  1. Avatar von Norbert Beck

    Ein paar Punkte fehlen mir noch… kennst mich ja… auch wenn ich so Läufe nicht so häufig mache…

    1.
    Befass Dich vorher mit der Strecke. Was für Untergründe sind evtl. zu erwarten… such dir passendes Schuhwerk aus. Ein Lauf im Gelände wird die Fußgelenke vielleicht nicht unbedingt mehr belasten, als wenn man mit einem Affenzahn Runden auf dem Sportplatz dreht, aber anders und der ein oder andere Läufer – ich gestehe ich gehöre dazu – braucht bei solchen Läufen mehr Unterstützung und Halt von den Schuhen.

    2.
    Lass den MP3-Player zuhause. Laufen mit Musik mag ja schön sein, der andere findet es entspannend, der Dritte powert sich mehr Leistung an. Auf dem schmalen Pfad am Berg, auf dem Waldweg usw. ist das eher fehl am Platz. Es kann sein, muss aber nicht, das man anderen Platz machen sollte, die hört man aber nicht wenn einem AC-DC den Kopf zu hämmern. Bedrohlicher wird es wenn man evtl. das Wildschwein, den brünftigen Hirschen oder einen Greifvogel der sein Nest oder Horst beschützt, überhört. Deren Angriffe kommen eher selten bis gar nicht plötzlich, sprich man nimmt sich selbst die Chance sich in Sicherheit zu bringen. Und nicht zuletzt, hat der Wald meist seine eigene Musik und wer sich auf die Musik konzentriert läuft meist unaufmerksamer, bekommt entweder Stolperfallen oder das Schöne was um ihm rum ist, gar nicht wirklich mit.

    3.
    Wo ich schon von Tieren gesprochen habe… meist gibt es vorab die ersten Signale, wenn ein Tier sich gestört fühlt. Dann heißt es spätestens aufmerksam sein und/oder den diskreten Rückzug zu suchen. Im Zweifel hat das Tier recht… es folgt nur seinen Instinkten. Außerdem vergesst nicht, das ihr in seinem Wohnzimmer zu Gast

    4.
    Ein Tipp von mir persönlich: Spiel nicht den Helden! Wenn dir eine Wegpassage zu unwegig, zu steil ist, ist es selten ein guter Rat es auf Gewalt doch zu probieren, besonders nicht wenn man alleine ist. Meist ist es so, wenn man schon im Hinterkopf hat „ich schaff das nicht“, „das kann ich nicht“, „ich werde mich bei der Bergabpassage sowas von auf die Fresse legen…“ das dann auch irgendwas passiert. Selbsterfüllende Prophezeiung nennt man sowas. Und es nutzt Dir nix, wenn Du allein mit kaputten Haxen und evtl. ohne Handyempfang irgendwo auf einem wilden Waldweg liegst und bei schlechten Wetter endloslange auf Hilfe wartest. Taste Dich vorsichtig heran, stepp by stepp schwierigere Aufgaben, dann kannst Du vielleicht auch irgendwann die „Die schaffe ich nicht“-Passagen bewältigen. Hier gilt auch mein erster Punkt… befass Dich mit der Strecke… ggf. gibt es Alternativrouten wo man zu schwere Passagen umgehen kann und doch zum Ziel kommt.

    5.
    Ich sehe immer Läufer mit soviel Techoschnickschnack rumlaufen. Laufuhr, Stirnleuchte, Schuhwärmer (so einen Quatsch gibt es wirklich), MP3-Player… fehlt nur noch das die sich zur Stromversorgung ein Solarpaneel auf dem Rücken pappen. Das wichtigste liegt aber oft zuhause: das Handy. „Ich will mir mein teueres IPhone (Galaxy oder wie auch immer das Handy heißt) nicht kaputt machen.“ OK, dann last das teuere Handy zuhause. Kauft Euch ein billiges bei dem es nicht schade ist wenn es einen Kratzer gibt, nehmt das Vorgängermodell des aktuellen Handys oder holt Euch ein Handy was Gelände brauchbar ist (ja auch sowas gibt es was beim fallen in die Pfütze oder dem Bach nicht gleich kaputt geht) und nehmt es mit. Man geht ja immer davon aus das alles gut geht. Und wenn man in Ortsnähe läuft ist auf den Wegen in Parks bei Sehenswürdigkeiten auch oft noch jemand anderes unterwegs. Aber im Wald kann es schonmal sein, das man längere Zeit keine Menschenseele trifft, insbesondere wenn schlechtes Wetter ist. Mit Handy hast Du immerhin die Chance … vorausgesetzt Du hast Empfang… Hilfe zu holen. Nebenbei kannst Du auch das ein oder andere Foto machen. Nix macht stolzer, als im strömenden Regen einen beschissenen Weg trotzdem zu bewältigen… hört sich verrückt an? Ne, isses nicht. Glaubt mir ich weiß wovon ich rede.

    6.
    Erwarte nicht immer zwischen Start A und Ziel B, der Weg der Weg ist. Nicht immer halten sich Wege daran, was sie versprechen: das sie da sind. Nicht in allen Gebieten, wird die Begehbarkeit der Wege permanent geprüft oder alles in Schuss gehalten. Wenn Du Pech hast, kann der Weg auch mal zugewachsen sein oder der markierte Weg verschwindet auf einmal mitten im Wald oder in einem Feld und geht nicht mehr weiter. Oder es hat Störfälle gegeben… der Hang ist beim Regen weggerutscht. Verlass Dich auch nicht immer darauf, das an jeder Weggabelung Markierungen sind. Es kann daher Sinnvoll sein ggf. eine Streckenkarte, einen Plan im Rucksack oder ggf. auf dem Handy zu haben. Beim Handy bitte dran denken: die permanente GPS-Nutzung frisst Strom… nicht das im Notfall dann das Handy plötzlich sagt: Akku leer.

    Ansonsten kann ich nur raten: Lass Dich auf dem Weg ein. Und bitte bitte… wie Sascha geschrieben hat: Nehmt Euern Müll wieder mit. Wer den Müll nicht mit heim nehmen will, sollte immer dran denken das bei den meisten Regenschutzhütten und Parkplätze auch Mülltonnen sind. Da ist das Zeug besser aufgehoben, als wenn ein Wildtier in Eueren Müll rumstöbert, dieses ggf. sogar frisst oder schluckt und elendig daran krepiert. Ich freu mich immer wenn ich im Wald Rehe oder Eulen – und wenn auch nur meistens vom fernen – sehe.

    1. Avatar von Sascha

      Wow Danke Norbert 🙂 Dem habe ich quasi nix hinzuzufügen 🙂

  2. Avatar von schnellebeine

    Huhu Sascha,

    schon über dieses Trailrunning zu lesen macht Bock darauf sich ins Gelände zu stürzen, unter Einhaltung deiner Tipps wird das nicht nur für „Anfänger“ zum Erlebnis. Als Flachlandtiroler schaue ich immer etwas neidisch auf die, die wundervolle Trails vor Tür haben. Ich darf mich im Wald mit recht wenig Anspruch vergnügen, mache mir da aber immer so viel Trail wie möglich draus. Jetzt, barfuß wird auch das schon zur Herausforderung. Deine Tipps werde ich mir aber auch da vor Augen führen. Man lernt nie aus. 🙂 Danke

    Viele Grüße, Eric 🙂

    1. Avatar von Sascha

      Huhu Eric,

      wundervolle Trails findet man aber doch auch im Flachland ohne nennenswerte Höhenmeter, nicht neidisch auf andere Trails schauen! Den eigenen genießen 🙂

      1. Avatar von schnellebeine
        schnellebeine

        Damit hast du natürlich recht, aber man möchte doch immer das was man nicht haben kann. 😉

  3. Avatar von Günter
    Günter

    Gerade wenn es in die Berge geht sollte man nicht vergessen eine Regenjacke einzupacken ,bei längeren Trail, s nehme ich auch immer etwas Kleingeld mit es kann schon mal passieren das man im nächsten Tal landet und mit dem Öffi, s nach Hause fahren muss.

    1. Avatar von Sascha

      Hi Günter,
      du hast natürlich Recht eine Regenjacke habe ich eigentlich immer dabei wenn es ins Gelände geht. Ok im Hochsommer eher nicht, ich bin allerdings auch nur im Mittelgebirge hier.
      Ich wollte in den Tipps aber auch bewusst auf Ausrüstungstipps verzichten, Trailschuhe habe ich ja auch nicht erwähnt.

      Grüße
      Sascha

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