Wer wie ich oft und gerne im Wald läuft, kennt das: Gewitter im Wald überrascht einen schneller als man denkt. Lange habe ich mich gefragt wie ich mich denn nun korrekt verhalten soll wenn ich mitten zwischen hohen Bäumen stehe. Es gibt zum Teil widersprüchliche Aussagen und Bauernregeln, hier ist was wirklich stimmt.
Gerade jetzt im Sommer kann es auch in den Mittelgebirgen innerhalb kürzester Zeit zu heftigen Unwettern mit Blitzschlag kommen. Sommerzeit ist Gewitterzeit. Wer beim Laufen oder Joggen von einem Gewitter überrascht wird, steht oft mitten im Wald ohne schnellen Ausweg. So willkommen die Abkühlung grundsätzlich sein mag, können wir das selten wirklich brauchen.
5 Verhaltensregeln bei Gewitter im Wald
1. Stelle dich nie unter einen Baum
Entgegen der landläufigen Meinung schlagen Blitze nicht immer in den höchsten Punkt der Umgebung ein. Wenn sie aber irgendwo einschlagen, dann am höchsten Punkt. Ein Blitz wird tendenziell eher in der Baumkrone einschlagen als unten am Stamm, oder aber in den Wanderer der 50 Meter neben dem Baum steht. Merke dir: Auch die Anwesenheit eines hohen Baumes in der Nähe schützt dich nicht davor, selbst getroffen zu werden. Denn auch du bist unter Umständen schnell der höchste Punkt im Gelände.
Die Bauernregel „Buchen sollst du suchen, vor Eichen weichen“ stimmt nicht. Dem Blitz ist es egal wo er einschlägt. Beide Bäume meiden.
Eine weitere Gefahr unter Bäumen: herabfallende Äste.
2. Suche Schutz in einer Hütte
Auf vielen Wanderwegen in den Mittelgebirgen findet man Schutz- oder Grillhütten, in den Alpen sowieso. Laufe aufmerksam und versuche dir zu merken wo die nächste Hütte steht, damit du im Notfall abschätzen kannst ob du noch rechtzeitig zurückkommst. Sollte keine Hütte erreichbar sein, gilt der nächste Punkt.

3. Suche Schutz in Senken und Gruben
Prio 1 bei Gewitter im Wald mit Blitzschlag: möglichst nah an den Boden kommen. Hocke dich mit eng stehenden Füßen ab und halte die Arme dicht am Körper, so reduzierst du die Angriffsfläche. Nach Möglichkeit hockst du dich auf eine Gummiunterlage, die Gummisohlen deiner Laufschuhe tun es auch. Gummi isoliert.
Achte darauf dass die Mulde nicht zu klein ist: Meide enge Wassergräben oder Traktorspuren. Blitze verteilen sich nach dem Einschlag nahe der Bodenoberfläche. An Höhleneingängen und engen Mulden können sie dieser Oberfläche nicht folgen und es springt ein Sekundärblitz über, der dich treffen kann.
4. Vermeide Aufenthalte auf Höhenzügen und Gipfeln
Wer auf seinem Lauf überrascht wird, kann daran kurzfristig nichts mehr ändern. Aber: Vermeide es bei instabilem Wetter auf Höhenzügen und Gipfeln unterwegs zu sein und suche bei aufziehendem Gewitter den nächsten Unterstand auf. Hütten sind ideal, Fahrzeuge mit geschlossener Karosserie auch. Stichwort Faradayscher Käfig. Ein Motorrad zählt übrigens nicht.
5. Beobachte das Wetter
Im Wald ist das nicht immer einfach, denn durch das dichte Laubdach sieht man den Himmel oft kaum. Nutze jede Gelegenheit den Himmel zu beobachten und achte auf Gewitterwolken und Donnergrollen. Nutze vor dem Lauf den Wetterdienst und erkundige dich wie hoch das Gewitterrisiko für deine Gegend ist. Im Zweifelsfall fällt halt mal ein Lauf aus.
Die Entfernung des Gewitters schätzt du so ab: Zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Die Schallgeschwindigkeit beträgt etwa 340 m/s, also etwa 1 km pro 3 Sekunden. Durch wiederholtes Zählen siehst du ob sich das Gewitter nähert oder entfernt. Bei weniger als 3 Sekunden zwischen Blitz und Donner bist du etwa 1 km vom Einschlag entfernt und solltest sofort Schutz suchen.
Bonus: Die richtige Hockstellung bei Blitzgefahr
Wenn du keine Hütte oder kein Fahrzeug erreichst, ist die Blitzschutzposition deine beste Option. Stelle die Füße eng zusammen, stelle dich auf die Zehenspitzen und hocke dich so klein wie möglich zusammen. Arme um die Knie schlingen, Kopf senken. Kein Kontakt zum Boden mit den Händen. Auf keinen Fall hinlegen: Liegend bietest du dem Erdstrom nach einem Blitzeinschlag eine viel größere Angriffsfläche. Halte außerdem mindestens drei Meter Abstand zu anderen Personen, damit ein Überschlag ausgeschlossen ist.
Bonus: Die richtige Vorbereitung vor dem Lauf
Das beste Mittel gegen Gewitter im Wald ist die Vorbereitung daheim. Die App WarnWetter des Deutschen Wetterdienstes zeigt dir nicht nur aktuelle Warnungen sondern auch Blitzradar in Echtzeit. Wer regelmäßig in den Mittelgebirgen unterwegs ist, sollte sie kennen. Plane deine Runde so, dass du bei aufziehendem Gewitter immer eine Abkürzung zurück zum Auto oder zur nächsten Hütte hast. Lange Schleifen weit weg vom Ausgangspunkt sind bei instabiler Wetterlage keine gute Idee.
Weitere Gefahren bei Gewitter im Wald
Bei Gewitter im Wald geht die Gefahr nicht nur von Blitzeinschlägen aus, sondern auch von herabfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen. Suche dir Waldbestände mit möglichst jungen und gesunden Bäumen, dort ist das Risiko geringer. Laubbäume haben in der Regel mehr dürre und starre Äste als Nadelbäume, die Wahrscheinlichkeit dass einer davon herunterfällt ist höher. Dafür fallen Nadelbäume leichter durch Windschlag. Wie dem auch sei: Der Wald ist bei Unwettern generell kein sicherer Aufenthaltsort.
Eine weitere Gefahr stellen große Wassermassen dar, die Erdrutsche oder Überschwemmungen auslösen können. Wasser kann in Höhlen schnell zur Falle werden und den Ausgang versperren. An Hängen können sich Matsch- und Schuttlawinen bilden.
Häufige Fragen: Gewitter im Wald
Was tun bei Gewitter im Wald?
Sofort Schutz suchen. Beste Option: eine Schutzhütte oder ein geschlossenes Fahrzeug. Wenn das nicht erreichbar ist: Auf Zehenspitzen hocken, Füße eng zusammen, Arme um die Knie, Kopf senken. Nicht unter Bäume stellen, nicht hinlegen, mindestens drei Meter Abstand zu anderen Personen halten.
Wie gefährlich ist Gewitter im Wald?
Gewitter im Wald ist gefährlicher als im Freien, weil Bäume Blitze anziehen und herabfallende Äste oder umstürzende Bäume eine zusätzliche Gefahr darstellen. Wer sich unter Bäumen aufhält, ist nicht geschützt, sondern gefährdet. Dazu kommen Erdrutsche und Überschwemmungen bei Starkregen.
Wie berechne ich die Entfernung eines Gewitters?
Zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Die Schallgeschwindigkeit beträgt etwa 340 m/s, also ungefähr 1 km pro 3 Sekunden. Bei weniger als 3 Sekunden Abstand zwischen Blitz und Donner ist das Gewitter nur noch etwa 1 km entfernt und du solltest sofort Schutz suchen.
Darf man sich bei Gewitter unter einen Baum stellen?
Nein. Die Bauernregel ‚Buchen sollst du suchen, vor Eichen weichen‘ stimmt nicht. Dem Blitz ist es egal wo er einschlägt. Kein Baum bietet Schutz. Außerdem drohen herabfallende Äste. Vom nächsten Baum mindestens so weit Abstand halten wie er hoch ist.
Wohin bei Gewitter im Wald, wenn es keine Hütte gibt?
In eine flache Senke hocken, Blitzschutzposition einnehmen: Füße eng zusammen, auf Zehenspitzen, Arme um die Knie, Kopf senken. Kein Kontakt zum Boden mit den Händen, nicht hinlegen. Enge Gräben und Wasserlöcher meiden, da sich dort Sekundärblitze bilden können.
Wohin bei Gewitter im Wald?
Erste Wahl ist eine Schutzhütte oder ein geschlossenes Fahrzeug. Wenn beides nicht erreichbar ist: In eine flache Senke, Blitzschutzposition einnehmen, Abstand zu Bäumen halten.
Ich hoffe ihr behaltet diese Tipps im Kopf wenn ihr das nächste Mal im Wald steht und es anfängt zu grollen.

Schreibe einen Kommentar