Für die meisten Hundebesitzer ist die Antwort eigentlich ganz klar: respekt- und rücksichtsvoll. Jeder weiß das. Leider halten sich die wenigsten daran und so kommt es oft zu ärgerlichen Zusammenstößen zwischen Hundehaltern und anderen Menschen.
Bist du Läufer und möchtest wissen, wie du dich am besten gegenüber einem fremden Hund verhalten solltest? Dann schau dir meine Verhaltenstipps für Läufer an.
Aber zurück zu den Hundebesitzern. Hier ein paar Dinge die es aus meiner Sicht in einer typischen Läufer-trifft-Hund Situation zu beachten gilt – und was absoluter Humbug ist, auch wenn es teilweise in Hunderatgebern steht.
1. Der Weg gehört nicht dir und deinem Hund!
Auch wenn jeder der dir entgegen kommt respektvoll zur Seite weicht, gehört der Weg nicht dir. Nimm deinen Hund an die Leine oder halte ihn wenigstens fest und gehe zur Seite. Nicht jeder hat Lust darauf 30 cm von der Hundeschnauze entfernt vorbeizulaufen – und wenn dein Vierbeiner meint einen Satz nach vorne machen zu müssen, bist du garantiert zu träge um zu reagieren. Egal ob 50 oder nur 10 kg an der Leine zerren. Übrigens: Wo genau die Leinenpflicht für Hunde gilt, findest du hier.
Der sogenannte Beschwichtigungsbogen ist ein natürliches und deeskalierendes Verhalten unter Hunden. Sich fremde Hunde gehen im Gegensatz zu uns Menschen niemals direkt aufeinander zu, sondern gehen bogenförmig aneinander vorbei.
2. Andere anbellen an der Leine ist nicht ok!
Ja, Hunde bellen. Das ist soweit normal. Was aber überhaupt nicht geht ist dass ein Hund an einer Leine zerrt und meint den Dicken spielen zu müssen. Wenn Hund und Herrchen zusammen spazieren gehen, dann gibt das Herrchen an wann es gefährlich wird. Es kann nicht sein dass das Herrchen lächelnd und beschwichtigend am einen Ende der Leine zerrt und dadurch seinen Hund nur noch bestätigt, während diesem der Geifer aus der Schnauze läuft.
Weiß das Herrchen dass der Vierbeiner eh nicht auf ihn hört, dann sollte er ihn ablenken. Dreh dich mit deinem Hund von der potentiellen Gefahr weg und gib ihm ein Leckerli oder halte ihm seinen Ball vor die Schnauze. Hunde sind da recht schnell abzulenken. Auf jeden Fall aber solltest du dich zwischen deinen wütenden Vierbeiner und mich stellen – das beschwichtigt deinen Hund.
3. „Der will nur spielen, der tut nix.“
Mag sein. Das will ich in dem Moment aber überhaupt nicht ausprobieren. Ich als Passant entscheide letztendlich welcher Zwei- oder Vierbeiner sich mir und meinen Hunden nähert. Jeder Hund der sich mir ohne meine Einwilligung nähert hat damit zu rechnen einen kräftigen Tritt zu bekommen – der arme Hund kann da zwar nichts für, aber besser das als ein Beißknäuel mitten auf dem Radweg.
4. „Meiner braucht keine Leine, der tut nix.“
Ähnlich wie Punkt 3, nur etwas verschärft. Bonni läuft im Grunde immer an der Leine. Es gibt dabei nur zwei Ausnahmen: ich kann die Strecke weit einsehen und Passanten rechtzeitig ausmachen, oder ich laufe in einer Gruppe mit der Bonni verträglich ist.
Sollte ich euch also mit Bonni an der Leine entgegen kommen, dann hat das wenig damit zu tun dass Bonni nicht auf mich hört oder ich ihr keinen Auslauf gönnen will. Ich will euch und euren Hund schützen. Euer Hund mag nicht mit der Absicht kommen etwas zu tun – Bonni wird ihn aber zu 99,9% stellen und versuchen mich zu beschützen. Dass ich im Laufschritt dann nicht immer passend reagieren kann, sollte klar sein. Wie ich das Laufen mit Hund angehe und was ich dabei beachte, habe ich in den Fragen und Antworten zum Laufen mit Hund zusammengefasst.
5. „Lass sie doch, die machen das schon unter sich aus.“
Kurz und bündig: stimmt manchmal. Aber ich habe keine Lust einen blutenden Hund nach Hause zu schleppen.
Hunde machen bei weitem nicht alles unter sich aus. Als Hundehalter aka Familienoberhaupt sollte man konfliktreiche Situationen früh erkennen und gegensteuern. Hunde die sich versteifen und fixieren werden wohl eher keine Freunde. In diesem Fall sollte man sich aus dem Weg gehen – schon wieder der Beschwichtigungsbogen. Hunde gehen sich im Grunde fast immer aus dem Weg, Wölfe übrigens auch.
6. „Dein Hund ist total asozial weil er nicht mit anderen spielt.“
Nein. Kein Hund der Welt muss sich mit jedem anderen Hund verstehen und beste Freunde sein. Hunde sind soziale Tiere, allerdings eben nur dann wenn es sich um das eigene Rudel handelt. Und da gehörst du mit deinem Kläffer garantiert nicht rein. Ergo wird mein Hund auch nicht zwingend nett zu euch sein. Und das ist auch gut so.
7. Einen fremden Hund streicheln macht man einfach nicht.
Davon würde ich dir bei nahezu jedem fremden Hund abraten. Nur weil du einen immer-gut-gelaunten Mischling an deiner Leine hast, dessen Körpersprache du nicht im Ansatz verstehst, hast du noch lange keine Ahnung von Hunden – geschweige denn von meinem.
Es gibt zwei Ausnahmen: Der Besitzer erlaubt es dir – er sollte wissen ob sein Hund das toleriert oder sogar mag. Oder ein Hund kommt ganz offensichtlich freudig auf dich zu und fordert Streicheleinheiten. Das heißt aber nicht dass du deinen Hund auf jeden zu laufen lassen sollst. Siehe Punkte 3 bis 5.
8. Nimm deinen Hund nicht auf den Arm wenn es Streit gibt.
Das sieht man recht häufig, gerade in der Kombination Frau und kleiner Hund. Aus menschlicher Sicht absolut verständlich, denn wir wollen unseren Freund beschützen. Ich halte das aber für das falsche Verhalten, denn oft sieht man dann wie der Kleine auf dem Arm anfängt den Dicken zu spielen.
Besser wäre es sich zwischen seinen und den fremden Hund zu stellen und in einem Bogen um den anderen Hund herum zu gehen oder einfach umzudrehen. Wenn ihr euren Hund sozialisieren wollt, dann geht in die Hundeschule oder übt es mit befreundeten Hunden von denen ihr wisst dass sie nicht aggressiv sind. Ihr würdet euer Kind ja auch nicht zu fremden Jugendlichen vor denen es Angst hat zum Spielen schicken. Wer seinen Hund gezielt ans gemeinsame Laufen gewöhnen will, findet bei Canicross einen guten Einstieg.
Unterm Strich: Geht mir aus dem Weg so gut es geht, ich versuche das ebenfalls. Wenn ich der Meinung bin du und mein Hund sollten Freunde werden, dann sag ich dir das.