Es geht um Respekt.



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Gestern musste ich einen erschreckenden Rennbericht von Christina „Rennschnecke“ lesen. Nein kein Unfall oder katastrophales DNF. Schlimmer!

Christina ist eine dieser Hobbysportlerinnen wie man sie sehr oft trifft, mit Spaß bei der Sache aber eben nicht die Schnellste.
Ich kenne sie nicht persönlich, lese aber aus ihren Wettkampfergebnissen raus dass sie schneller, fitter und besser wird. Ein weiteres Urteil kann und will ich mir nicht erlauben.

Die Sache mit dem Urteil bilden ist im Grunde auch schon genau das Problem das sie in ihrem aktuellen Rennbericht beschreibt. Achja und Respekt, oder das Fehlen von Respekt.

Den Rennbericht findet ihr auf http://dierennschnecke.com

Der etwas andere Rennbericht

 

Wie kann es sein dass man etwas fülligere Menschen oft vorhält sie wären nur „so fett“ weil sie keinen Sport machen würden und sie dann wenn sie denn Sport machen dafür auslacht?
Wie kann es sein dass man eine Triathletin, ja das sind die, die 3 Sportarten auf einmal ausüben, bei einem Wettkampf als „fette Sau“ beschimpft und sie auf der Rennstrecke behindert, als Zuschauer wohlgemerkt.
Haben wir alle nicht größtenteils wegen ein paar Pfunden zu viel mit dem Sport angefangen?
Vergessen wir dabei dann später oft, dass wir nicht immer sportlich waren?
Viele Sportler mit etwas mehr Gewicht in meiner Freundesliste oder im Bekanntenkreis sind weitaus sportlicher als viele andere mit einem deutlich niedrigeren BMI. Sie quälen sich genau wie ich bei jedem Wetter und um jede Uhrzeit nach draußen um Sport zu treiben, laufen dabei oft weiter und länger als ich.

Wie um alles in der Welt sollte ich dann auf die Idee kommen diese Sportler zu beschimpfen und nieder zu machen? In ein paar Jahren werden diese ehemals Übergewichtigen dann vielleicht schlanker und vor allem fitter sein als sie es sich jetzt zu träumen wagen. Oder eben auch nicht, total egal.
Gerade wir Sportler, aber eben auch die Zuschauer von Veranstaltungen im Breitensport sollten jeden anderen Sportler dabei unterstützen und ihn motivieren seinen / unseren Sport auszuüben und ihn nicht noch dafür runter machen.

Sportlicher Wettkampf bedeutet neben aller Rivalität auch immer Respekt vor dem „Gegner“. Respekt vor den Leistungen im Wettkampf der Athleten. Respekt vor den ungesehenen Leistungen in der Wettkampfvorbereitung. Respekt vor dem Verzicht den wir alle akzeptieren müssen wenn wir sportlich aktiv sein wollen, denn jede Stunden Sport bedeutet eine Stunde weniger auf der Couch, im Bett, bei Freunden, beim Essen. Das muss man wollen.

Diese Entbehrungen sieht man nicht, aber jeder von uns weiß dass sie nötig sind um im Sport weiter zu kommen. Wie auch immer man dieses Weiterkommen dann für sich auch definieren mag.

Denkt bitte in Zukunft daran, wenn ihr einen übergewichtigeren oder langsameren Läufer seht. Dieser Mensch tut etwas für sich, im Gegensatz zu den meisten anderen. Er opfert investiert viel Zeit in sich und seine Gesundheit. Er unterscheidet sich also nicht vom durchtrainierten, schnellen, athletischen Läufer. Er steht eben nur auf einer anderen Entwicklungsstufe. Respektiert ihn dafür und macht im Mut dran zu bleiben, gönnt ihm die Freude seinen Sport auszuüben. Denkt daran, dass wir die selbe Leidenschaft teilen.

 

Edit:

Carmen hat mich auf Facebook auf einen ihrer Blogposts vom letzten Jahr hingewiesen der das selbe Thema hat. Skinny isn’t fit!

Wieso verurteilt Ihr mich?- Ein Wutpost!

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


27 Antworten auf „Es geht um Respekt.“

  1. Hallo Sascha!
    Deine Worte haben mich gerade sehr berührt, da ich selbst eine dieser übergewichtigen und langsamen Läufer bin. Und Christinas Bericht hat mich sehr erschüttert. Es tut einem weh, wenn man oft mit Blicken, Gesten und Worten derart niedergemacht wird, dass man daran zweifelt, überhaupt das richtige mit diesem Sport zu machen. Ist mir leider auch schon so ergangen. Aber da mir der Spaß und die Freude daran und auch die vielen Freunde und Bekannten, die dich dadurch gefunden habe, viel wichtiger sind, gebe ich nicht auf sondern mache einfach weiter und behalte auch meine persönlichen Ziele im Auge – auch mit Gehpausen dazwischen, die ja keine Schande sind.
    LG Dany

    1. Hi Dany,

      schön dass ich dich mit den Worten berühren konnte. Allerdings gehörst du nicht ganz zur Zielgruppe die ich damit ansprechen wollte, du weißt ja schon wie man sich gegenüber anderen Läufern verhalten sollte 😉

      Solange du Freude an deinem Sport hast, bist du richtig in deinem Sport. So einfach ist die Geschichte eigentlich. Natürlich könntest du mit Sicherheit weitaus mehr leisten als du es jetzt tust, aber darum geht es ja beim Hobby überhaupt nicht. Es geht ja ausschließlich darum dass du einen Ausgleich findest und das tust worauf du Lust hast.
      Laufpausen sind mehr als OK, ich bleibe auch sehr oft einfach stehen bei meinen Läufen und schau mich um oder höre der Natur zu. Wenn ich mal keine Lust mehr habe, dann stoppe ich die Uhr und spaziere heim. Einfach so und fühle mich dabei nicht mal schlecht, im Gegenteil.

      Gruß
      Sascha

  2. Sehr guter Artikel, denn ich bin deunerwartet Meinung jeder km den man läuft, ist ein gewonnener km. Egal in welcher Geschwindigkeit. Und für manche ist das Finishen eines 5 km daß gleiche Erfolgserlebnis wie für den anderen das Finishen eines Ultras. Dafür gebührt jedem meinen Respekt..

    1. Sehe ich genauso, es geht (oder sollte es zumindest) für uns Hobbysportler nur um den Kampf gegen uns selbst. Da spielt die Wettkampfdistanz einer eher untergeordnete Rolle, finde ich.

  3. Für mich immer das beste Beispiel, dass Gewicht und Körperfülle nicht alles ist: Stellt Euch bei einer Langdistanz zwischen 10 und 11 Stunden und zwischen 14 und 15 Stunden in den Zielbereich. Es werden zwischen 10 und 11 Stunden Athleten ins Ziel kommen, die wohl einige Mitmenschen vorher „in eine Schublade gesteckt“ hätten. Denen man diese Leistung niemals zugetraut hätte. Und zwischen 14 und 15 Stunden kommen Athleten ins Ziel, die aussehen, als würden sie 50 Stunden Sport in der Woche betreiben. Das ist so peinlich, was manche Leute sich herausnehmen. Lieber paar Kilo zu viel auf den Rippen und Sport treiben als dünn und nicht sportlich.. Wer lebt gesünder? Naja, wie auch immer. Danke für deine Worte, mich macht das gerade ziemlich sauer. Die arme Rennschnecke.

    1. Skinny isn’t fit!

      Das gilt in jeder Sportart. Ich sehe das ja oft bei den Ultras, wer da auch noch nach vielen Stunden das Ziel erreicht, dem hätte man das nie im Leben zu getraut.
      Ein mir bekannter Läufer aus meiner Umgebung ist eigentlich Kraftsportler, eher so der Massetyp. Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, hab ich natürlich daran gezweifelt ob er die 20 km und knapp 1000 hm mit mir laufen können würde. Aber was soll ich sagen, er kann und zwar sowas von. Er läuft mehr Kilometer und Höhenmeter im Jahr als ich und das mit knapp 110 kg. Klar ist er nicht so „spritzig“ und „wendig“ wie ein Läufer mit 70 kg, aber er beißt und hatte selbst am letzten Anstieg noch genügend Power.

      Die Beleidigungen sind fies und ich kann nicht so wirklich nachfühlen wie man sich dabei fühlt. Aber jeder dieser Sportler hat die Chance es den Zweiflern durch ein Finish zu beweisen. Wenn er denn will, denn eigentlich sollte niemand jemanden etwas bei der Ausübung seiner Hobbies beweisen müssen.

  4. Darf ich hier mal eine teilweise andere Meinung vertreten?

    Ich weiß zwar, dass Du es mit dem Artikel gut gemeint hast. Und ich bin auch sehr sicher, dass es gar nicht erst solche Situationen geben sollte, dass man sich über solche Dinge gar „keinen Kopf“ machen sollte. Aber die Gesellschaft ist leider ein Konglomerat aus verschiedensten Bildungs-, Intelligenz- und Vorurteilsniveaus.

    Wenn ich den Artikel der Dame kritisch lese, dann lese ich von zwei Einzelmeinungen. Zwei. Einzelmeinungen.
    „Was ist, das ist. Alles andere ist Interpretation,“ so mein Lieblings-Psychologe Jens Corssen.

    Und was war? Ein Mensch lief ihr in die Bahn. Kennen wir alle. Darüber ärgern wir uns alle. Immer wieder. Und dann kam ihr (wahrscheinlich noch stilistisch geglätteter) Kommentar, dass es sich „noch immer um einen Wettkampf“ handeln würde. Druck erzeugt Gegendruck, der Typ hat dann einen, zugegeben saublöden und diskriminierenden, Satz zurück gegeben. So weit, so gut.

    Aber sind deshalb alle Menschen, die bei einer Sportveranstaltung zusehen „Vollhonks“?
    Es geht um Respekt, ja. Aber es geht auch um Respekt gegenüber den Menschen, die nur zusehen – warum auch immer. Da mögen wirklich welche dabei sein, die sich diesem Bewerb nicht stellen können. Es mag aber auch welche geben, die am Wochenende zuvor einen IM hinter sich gebracht haben. Oder Menschen, deren Behinderung eine Teilnahme unmöglich macht. Es geht sogar um Respekt gegenüber Menschen, die gravierende Fehler machen.

    Was ich damit meine, ist, dass die (zumindest temporäre) Dummheit zweier Menschen diese Dame zu allgemeinen Beschimpfungen gegen alle und jeden veranlasst hat. Ich bin nicht sicher, ob ich das so gut finden soll.

    Ach ja, diese Situation kennen wir doch auch alle: wir sind bei einem Ultrabewerb, irgendwo im Mittelfeld, kurz davor oder wegen mir auch dahinter. Der Führende hat sagen wir fünf Stunden Vorsprung. Und die Leute an der Straße grinsen und rufen lachend: „Den packst Du noch!“
    Und sie tun so, als wäre es eine Schande, nicht vorne mitlaufen zu können.
    Und das sind dann teilweise auch Leute mit einer Kippe im Mund, einer Flasche Bier in der Hand.

    Aber warum lächeln wir dann solch eine Situation nicht einfach weg?
    Warum sich echauffieren und sich über diese, in diesem Punkt irrenden, Menschen erheben?

    Ich wurde beim Lesen des Artikels das Gefühl nicht los, dass man bei ihr einen wunden Punkt getroffen hat, einen Schalter, den man von außen drücken kann und der sie in solch einer Weise reagieren lässt. Sie rechtfertigt sich mit ihrer Gewichtsabnahme und ihren Gewichtszielen, mit ihrer neuen, kleineren, Kleidergröße.
    Es ist aber so, dass sich jeder, den Anderen solch einen Schalter zeigt, von außen steuerbar macht.
    Das schadet ihr mehr als den beiden, die diese törichten Sätze gesagt haben.

    Also wäre mein Tipp an sie: locker bleiben. Angriffe weglächeln und Verständnis zeigen für die Unzulänglichkeiten anderer Menschen. Wir alle machen Fehler und wir alle schämen uns selbst gelegentlich, weil wir uns mal wieder von Vorurteilen und durch die Gesellschaft geprägten Bildern haben leiten lassen, obwohl wir genau das eigentlich nicht tun wollten.
    Aber deshalb sind wir noch lange keine „Vollhonks“, oder?

    1. Hi,
      ich glaube Du hast meinen Text nicht verstanden. Nicht alle Zuschauer sind Vollhonks. Natürlich nicht. Aber diejenigen, die Sportlerb so etwas hinterherbrüllen, sind Vollhonks. Natürlich trifft man bei mir da einen wunden Punkt. Herrje, wer hat den nicht?

      Mich haben total nette und aufbauende Kommentare erreicht, wofür ich sehr dankbar bin. Aber hör doch bitte auf, so viel unnötiges da rein zu interpretieren, gerade wenn man mich nicht persönlich kennt. Ich würde verletzt und habe Dampf abgelassen. Ich kann doch nicht jedes negative Gefühl so sehr auseinander pflücken. Wenn ich mich einfach freue, mach ich das doch auch nicht.
      Gruß
      Christina

      1. Schön, Christina, dass Du das mit den „Vollhonks“ so schreibst.

        Dennoch denke ich – und das trifft einige Kommentatoren hier – dass Du Dir keinen Gefallen damit tust, Deinen „wunden Punkt“ so offen zu zeigen.
        Das Resultat kann sein, dass Du damit genau denjenigen Macht über Dich und Dein Verhalten gibst, die es nicht verdienen.

        Mir ging es im Wesentlichen einfach nur darum, aufzuzeigen, dass es zumindest die Möglichkeit gibt, dass die Reihenfolge Ei – Henne auch andersrum gesehen werden kann.

        Das mit dem „wunden Punkt“ ist Deiner, nur Deiner. Und ja, jeder hat solch einen wunden Punkt. Auch ich. Aber ich versuche, nicht zuzulassen, dass den jemand erkennt und, falls gefunden, darauf spielen kann.

        Ob Du ein „Hungerhaken“ bist, „zu klein“, „ein Riese“, „eine fette Sau“ oder was weiß ich … es sind doch nur Worte. Erst die Aufnahme durch Dich macht daraus etwas.

        Wie hättest Du reagiert, wenn diese Menschen Dir nachgebrüllt hätten, dass Du vollkommen unmodern gekleidet wärst? Oder dass Du nich kochen kannst? All das hätte Dich nicht (so) getroffen, weil es nicht Dein Schalter gewesen wäre.

        Also noch einmal: solche Sätze sagen etwas über den Menschen aus, der so etwas artikuliert. Nicht über Dich.
        Und solche Menschen versuche ich, eher zu bedauern als da „gegenzuhalten“. Aber sich öffentlich darüber auskotzen führt nur zu einer Polarisierung. Keine/r Deiner Leser/innen wird Dir widersprechen. Aber keiner kannte auch die Situation. Und manche erinnern sich an ähnliche Begebenheiten, klar.
        Na und?

        In den Augen „der Welt“ sind wir alle nicht perfekt. Unsere Frisur, Haut, Größe, Ansichten, Ernährungsgewohnheiten, Liebesleben … um mal ein anderes Feld zu betreten:
        Ob Du Aufreißer bist oder Chorknabe, ob Du Flittchen bist oder chronisch untervögelt – „die Welt“ kann nicht entscheiden, wie viel wovon richtig ist oder falsch, zu viel oder zu wenig.

        Ich denke, auf dieser Ebene könnten wir uns treffen, oder

        Gruß

        TOM

        PS: Nett, uns mal auf diesem Weg unterhalten zu haben.

        1. Hi,
          ich verstehe, was Du meinst. Ich denke aber auch, dass so unterschiedlich wir Menschen körperlich sind, so unterschiedlich sind unsere Emotionen und deren Ausschläge, so unterschiedlich sind unsere Herangehensweisen an verschiedene Situationen.
          Mein Blog hatte bisher nicht annähernd so viele Aufrufe wie bisher und bei allem Positiven bin ich ja auch etwas überfordert, denn ja, auch da hast Du recht, ich bin da schon etwas „All in“ gegangen. Und hätte ich gewusst, wie sich das entwickelt, wären auch einige Formulierungen anders ausgefallen. Naja, ich nenne sie mal „emotionale Stilmittel“ 😉

          Ich mag mich als Mensch gerne, auch wenn manche (emotionale) Reaktionen von mir anderen etwas heftiger vorkommen mögen. So ist das halt.

          Meine Mutter, eine ganz wichtige Ratgeberin für mich, hat mir etwas ganz ähnliches gesagt wir Du: Diese Menschen disqualifizieren sich, nicht mich.

          Gruß
          Christina

    2. Hallo Tom,

      selbstverständlich darfst du das.

      Natürlich schildert Christinas Beitrag nur ihr Erlebnis an diesem Tag und natürlich ist es eine einseitige, emotionale Sicht. Mag sein dass sie, rein auf diese Situation bezogen überreagiert hat als ihr jemand in die Bahn gelaufen ist. Wenn ich davon ausgehe wie ich reagiere wenn mir ein Zuschauer bei einem Wettkampf im Weg steht und ich wegen ihm bremsen, ausweichen und extra Meter machen muss, dann denke ich wird sie auch nicht sonderlich freundlich gewesen sein. Ich wäre es jedenfalls nicht gewesen. Das ein maulende Sportler bei einem Zuschauer dann eben auch mal eine beleidigende Reaktion hervorruft, ist „normal“ bzw. kommt eben oft vor. Der Sportler ist adrenalingeladen, läuft oder fährt eventuell am Limit und da setzt eben die gute Erziehung auch mal aus. Geschenkt! Kommt vor, ständig.

      Die Kommentare auf meinen FB Post und im Originalartikel bei Christina zeigen aber, dass solche Situationen nicht ganz so selten zu sein scheinen. Wir als Männer sind denke ich eher weniger die klassischen „Opfertypen“. Im Gegensatz zu einer fülligeren Frau (und das sehe ich bei Christina noch nicht mal so) wirkt ein Mann mit 10 oder 20 kg Übergewicht eben immer noch bedrohlicher, was die Hemmschwelle ihn zu beleidigen doch höher setzt. Ich weiß nicht was die beiden Personen dazu bewogen hat so beleidigend zu sein, vielleicht hatten sie einfach einen schlechten Tag. Vielleicht waren es aber auch einfach nur Idioten. Wer weiß das schon?

      Dass „wir“ bei Ultras auch schon mal komische Sprüche bekommen wenn wir am hinteren Ende des Feldes laufen sehe ich nicht als so tragisch an, weder du noch ich müssen / wollen anderen etwas beweisen und kontern dann eben entsprechend oder ignorieren das Geschwätz. Ein unbeteiligter Zuschauer ist auch nicht in der Lage meine Gefühlssituation bei km 89 zu beurteilen und weiß eben nicht wie so ein Spruch ala „du schaffst das noch“ wirkt. Für ihn ist es ein aufmunternder Spruch, für mich in dem Moment eher Hohn.

      Du weißt was du kannst und hast das schon oft genug gezeigt, du stehst mit beiden Beinen im Leben und bist in einem Alter in dem man sich eh nicht mehr großartig von außen bzw. Fremden beeinflussen lässt.
      Bei mir ist es da ähnlich und es kommt noch dazu dass mich Meinungen Fremder eh noch nie großartig interessiert haben, ich bin da recht ignorant.
      Diese Eigenschaften hat aber nun mal nicht jeder und gerade wenn man vielleicht sein halbe Leben etwas mehr auf die Waage gebracht hat und gehänselt wurde, ist irgendwann eben das Mass voll, schätze ich.

      Ihre Aussage bezüglich der Vollhonks hat sie ja schon relativiert bzw. ich war eh nicht der Meinung dass damit alle Zuschauer gemeint sind.

      @Christina

      Tom meint seinen Kommentar mit Sicherheit nicht böse, auch wenn du das jetzt vielleicht so interpretierst. Ich habe selten einen so lieben Menschen getroffen wie Tom einer ist. Wenn einer immer ein Lächeln, egal bei welchen Strapazen, auf den Lippen hat dann ist das Tom 🙂

      1. Hi Sascha,

        alles gut. Ich hab das Gefühl, dass Tom einer ist, mit dem man reden kann.

        Meine gute Erziehung hatte ich aufm Radl übrigens auch noch, ich habe dem Menschen nichts anderes gesagt als das, wovon ich im Beitrag berichte. „Das hier ist immer noch ein Wettkampf!“. Wie das aufgenommen wurde, als wie harsch das im Eifer des Gefechts rüber kam spielt da auch immer noch mit rein, natürlich.

        Ich bin an meinem Übergewicht übrigens selbst schuld – ich habe vor ein paar Jahren einfach angefangen, zu viel zu essen, mich zu wenig zu bewegen. Vorher war ich ein dünnes Kind, ein dünner Teenie und bis Mitte 20 auch sportlich schlank. Manchmal kommt es mir vor, als würde ich meinen Körper auch immer noch in der Form empfinden, wie er den größten Teil meines Lebens war…

        Danke nochmal für deinen Beitrag und deine Unterstützung! Ich hatte es schon unter Toms Kommentar geschrieben: ich hätte nie mit so viel Resonanz gerechnet.

        Gruß
        Christina

        1. Hi Christina,

          erstmal gern geschehen.

          Ja das Echo auf den Post war und ist auch hier im Blog recht groß. Ich sehe auch was alleine von hier zu dir geleitet wurde 🙂

          Ich hoffe zum Einen dass es tatsächlich ein Einzelfall war was dir widerfahren ist und zum Anderen dass du ein dickeres Fell bekommst. Egal wie du aussiehst, wie schwer oder langsam du bist, du bist immer noch schneller und sportlicher als jeder der sich erst gar nicht an diese Aufgabe ran traut. Das solltest du immer im Kopf haben.

          Gruß
          Sascha

  5. Danke für Deinen Bericht zum Thema Respekt! Ich habe Christina’s Bericht mit Tränen in den Augen gelesen und konnte einiges so gut nachvollziehen. Zum Glück musste ich mich noch nie derartigen Beleidigungen aussetzen, aber ich habe dennoch schon viele leidige Erfahrungen machen müssen und – ja! – man ist mit mehr Pfunden auf den Rippen einfach in vielerlei Hinsicht gearscht! Ich spreche sicher auch für viele andere, wenn ich nur bestätigen kann, dass man stets die doppelte Zeit „als normal“ investieren muss. Man freut sich über jedes Finish, aber es kotzt einen an, seinen Namen immer ganz unten auf der Ergebnisliste zu finden. Man ackert sich durch Marathons, Halbmarathons, Stadtläufe etc. und fast immer gibt’s am Ende so gut wie keine Versorgung und Motivation mehr, weil schon abgebaut wird und die Zuschauer, Trommler oder wer auch immer einfach keine Lust mehr haben, so lange zu warten. Und gerade auf den letzten Kilometern eines Marathons beispielsweise wäre es so wichtig, etwas Mut zugesprochen zu bekommen, statt der mitleidigen oder abschätzenden Blicke, mit denen die fülligeren Proportionen noch flüchtig taxiert werden. Man ist immer viel eher in der Rechtfertigungsposition als Schlanke und bekommt damit prinzipiell mehr Druck, als ohnehin schon da ist, weil man ja auch langsam ist.
    Ich bin in den letzten Monaten dabei, mich aus so einem Sumpf herauszuarbeiten, der aus selbst auferlegtem Erfolgsdruck und der Verzweiflung des einfach nicht weniger werdenden Gewichts besteht. Und ich sage Euch: Das ist nochmal ein ganz schön schweres Paket, sich selbst dahin zu bringen, die Leistungen – so wie sie eben sind – anzuerkennen und sich darauf zu konzentrieren, einfach den Spaß am Laufen wiederzufinden und zu behalten!
    In wenigen Wochen laufe ich meinen ersten Ultra über 50 km. Aber einen, wo ich keinen Zeitdruck habe. Marathons suche ich mir nur noch da aus, wo „Party bis zum letzten Läufer“ gemacht wird. Und Halbmarathons, wo 1/2 Stunde vor dem Cut-Off schon Straßensperrungen aufgehoben werden, meide ich künftig gänzlich.
    Ich wünsche Christina von ganzem Herzen, dass sie sich ihre Wunden leckt und dann wieder zu ihrer gewohnten Kraft findet. Und dass sie solchen respektlosen und hirnlosen Widerlingen die Stirn bietet und nie wieder solche schlimmen Erlebnisse haben wird.
    Außerdem hoffe ich, dass mit dieser Welle des Zuspruchs die Akzeptanz für gewichtigere und langsame Sportler spürbar steigt. Denn keiner sollte vergessen, dass wir doch letztendlich alle „nur“ Hobbysportler sind.

    Viele Grüße,
    Rosalie Corazza

    1. Hallo Rosalie und danke für deinen Kommentar,

      ich denke bei den Ultras wirst du dich wohler fühlen als bei regulären Straßenläufen. Meist sind die CutOffs weniger strikt, grade wenn es ins Gelände geht und die Läufer an sich sind meiner Erfahrung nach auch deutlich toleranter als die verbissenen Straßenläufer. Ich habe bisher noch keinen Ultralauf kennengelernt, bei dem grade hinten im Feld keine gute Stimmung und Laune vorhanden war. Auf 50 oder mehr Kilometer ist es eben auch keine Schande wenn man entweder langsam läuft oder sogar mal wandert und stehen bleibt. Genuss steht dort bei vielen an erster Stelle.

      Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem ersten 50er, wo planst du denn zu laufen?

      Gruß
      Sascha

  6. Hallo Sascha, 🙂

    Vielen Dank für dein tolles Statement. Dazu ist mir ein- bzw. aufgefallen, dass ich bisher ziemlich viel Glück hatte. Mir ist sowas zum Glück noch nicht passiert. Ich bin mit Adipositas angefangen zu laufen und hatte aus der Läuferszene (auch von Profis) bisher immer nur positives Feedback und Unterstützung erfahren. Ich fühlte mich sozusagen sofort angenommen und unterstützt. Es ist ja irgendwie bezeichnend, dass in dem Rennbericht die Arschgeigen (sorry… kann ja zensiert werden *g*) am Rand stehen und selber nicht in der Lage sind etwas zu leisten. Und sie scheinen es wohl auch zu wissen. Wer so verletzend handelt, hat vor allem eines: „Einen tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex.“ Und wenn dann eine Christina (oder auch ich) daher läuft und schlicht und ergreifend wesentlich mehr auf die Reihe bekommt, wird der Spiegel der Realität mit Wucht ins Gesicht geschlagen. Auf niedrigsten Niveau wird dann ausgeteilt, weil Empathie und Selbstreflexion einfach nicht vorhanden sind. Weil sie nie gelernt haben mit sowas umzugehen. Nun gut… das können die nicht. Christina kann übrigens einen Halbmarathon laufen bzw. an einem Triathlon teilnehmen. Das können die aber auch nicht!? Anderen Erfolg gönnen? Auch nicht… Am Rande stehen, nichts können und große, dumme Reden schwingen klappt immerhin so mäßig. Wenn auch nur einer von denen selber etwas könnte, hätte er Respekt, weil er weiß wie viel Arbeit dahintersteckt.

    Dein Statement finde ich sehr gut und wichtig. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum mit dem Laufen beschäftigt, stolpert man auch unweigerlich über deinen Blog. Eine Stimme von einem erfahrenen Läufer ist enorm motivierend für Menschen wie Christina und mich, denn du weißt wie viel Arbeit und Anstrengung es uns gekostet hat.

    Viele Grüße vom dicken Sascha, der auch so manchen Spargeltarzan davonrennt. 🙂

    1. Hallo Sascha 🙂

      freut mich wenn dir mein Statement gefällt und du unweigerlich über meinen Blog gestolpert bist 🙂

      Das was Christina da beschreibt ist mit Sicherheit eine Ausnahme, ich hoffe es zumindest. Wenn man die Kommentare liest, fühlt es sich zwar in der Tat an als wäre so ein Verhalten an der Tagesordnung aber das liegt ja in der Natur der Dinge. Es werden sich kaum LäuferInnen zu Wort melden denen es nicht so geht wie ihr. Trotzdem fand ich es eben wichtig darauf hinzuweisen.

      Wenn es dann noch deiner / eurer Motivation dienst, umso besser. Dann kann ich wenigstens etwas zurück geben, denn selbtverständlich habe auch ich mit dem einen oder anderen Kilo zuviel auf den Rippen angefangen mich schnaufend über den Radweg zu schleppen. Ich denke die wenigstens Hobbyläufer die man so liest haben eine Vergangenheit in der Leichtathletik, die ich im Übrigen immer gehasst habe 🙂

      Gruß
      Sascha

      P.S. wenn ich mir so deine FB Bilder anschaue, kommst du mir echt gar nicht so dick vor. Ist aber eben auch immer Ansichtssache und vor allem eine Sache wie man sich damit fühlt 😉

  7. Herzliche Dank an dich Sascha und natürlich an Christina

    Ich (110 Kg) selber habe dies zum Glück so noch nie direkt erlebt, sondern erfahre oft Respekt, insbesondere von den anderen Sportlerinnen und Sportler.

    Es gibt sicherlich Zuschauer die sich vielleicht so etwas denken, aber mit denen kann ich nur Mitleid haben, so wie es Tom schreibt. Wahrscheinlich handeln die nur aus purem Frust, da sie selber NIIIE zu einer solchen Leistung fähig wären. Man konnte die Respektlosigkeit gewisser Menschen ja aktuell an den Olympischen Spielen mitverfolgen. Da wir der Äthiopischer Schwimmer Robel Habte als Wal betitelt und belächelt, nur weil er mit Bauchansatz die 100m Krawl absolviert. Dass er dies in 65 Sekunden absolviert – eine Zeit die 99,9% aller Lästerer nie erreichen würde und die selbst für regelmässige Schwimmer schwer zu erreichen ist – wurde völlig ausgeblendet.

    Wir entsprechen halt nicht dem Zeitgeist und Schönheitswahn der Werbeindustrie. Dies beginnt bereits mit den Veranstaltern der Wettkämpfe. Wie oft habe ich mich schon über Teilnehmer- oder Finisher T-Shirts geärgert welche nur bis zum „L“ erhältlich waren. „Sorry, mit XL oder XXL -Läufer rechnen wir halt nicht“ heisst es dann, „die Laufen doch nicht Halbmarathons“. Dabei, verdammt nochmal, bezahle ich doch auch mein Startgeld und hätte anrecht auf ein passendes Shirt!

    Meine Frau hat dafür jetzt ganze Laufgarnituren von Läufen und Wettkämpfen, an denen sie gar nicht teilgenommen hat.

    In diesem Sinne Christine: Deine Mutter hat recht, Du musst den Fehler nicht bei Dir suchen, sondern bei den beiden Zuschauern! Habe Mitleid mit denen, die müssen ein verkorktes Leben haben, wenn sie so etwas nötig haben. Also seine wir glücklich, dass wir es schöner haben und mit Freunden bei einem guten Glas Wein auf den nächsten Wettkampf anstossen können.

    1. Hallo Markus,

      danke für deinen Kommentar.

      Warum manche Leute so handeln und Sportler beleidigen ist mir ein Rätsel wenn ich ehrlich bin. Der Grund interessiert mich persönlich aber auch überhaupt nicht. Nur wer Leistung bringt, und zwar vergleichbar darf meiner Meinung nach auch den jeweilig anderen kritisieren. Meistens tun aber genau die, die wissen wie viel Aufwand in einem Training steckt s eben grade nicht. Wobei Kritik ja immer willkommen sein sollte, Beleidigungen dagegen eben nicht.

      Ich wünsche dir weiter viel Spaß beim Laufen, vielleicht passen ja irgendwann mal die L Shirts oder die Veranstalter denken eben um. Keine Ahnung 🙂

      Gruß
      Sascha

  8. Tja, was soll an da spekulieren?
    Man muss nicht übergewichtig sein, um in der Kritik zu stehen und löde Bemekungen zu kassieren.
    Es langt, sich bei der Nationalhymne nicht durchs Mitsingen auszuzeichnen, bei der Siegerehrung nicht devot stramm zu stehen, lächelnd und händchenhaltend über die Ziellinie zu laufen …
    Es ist wohl ziemlich gleichgültig, was man ¨flsch¨ macht, Hauptsache ist doch, dass man Dritten die Möglichkeit gibt, zu lästen.

    Lästern und neiden sind für uns Deutsche hochwillkommene Errungenschaften, Alleinstellungsmerkmale gar.
    Wie sollten un diese Privilegien nicht nehmen lassen.
    Es wäre doch schade, wenn wir plötzlich als sympathisches Völkchen in der Welt wahrgenommen würden …

  9. Körpergewicht hat eher wenig was mit der Fitness eines Menschen zu tun. Es gibt Freizeitsportler mit leichtem Übergewicht, die fitter sind als manch schlanke Freizeitsportler. Die Fitness hängt von der Regelmäßigkeit des Trainings, von der Ernährung und anderen Faktoren ab.

    1. Das stimmt. Ich kenne einen Läufer der ist etwas kleiner als ich, wiegt aber um die 110 oder 120 kg. Dieser Kerl läuft aber täglich um die 10 km mit vielen, vielen Höhenmetern und ist echt nur sehr schwer kaputt zu bekommen auf dem Trail. Der Kerl ist definitiv verdammt fit!

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