2. Trail Römische Weinstraße – Wo ich bin ist hinten.



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Das war er also der TRW! Die Premiere 2013 ist ja dank der unmenschlichen Temperaturen schon fast eine Legende. Da kamen die letzten 8 Läufer nach guten 17 Stunden ins Ziel und der Veranstalter Markus Krempchen entschied spontan die Zielschlußzeit außer Kraft zu setzen um auch wirkliche alle Läufer werten zu können. Das sorgte im Nachhinein für etwas Ärger und Unmut bei Offiziellen und DNF`lern. Da kamen doch tatsächlich einige auf die Idee die weit vor dem Ziel ausgestiegen waren dass sie ohne fixe Zielzeit noch in der Lage gewesen wären den Lauf zu beenden. Das mag im Einzelnen ja noch stimmen, aber man sollte soweit ehrlich zu sich selber sein und einsehen dass wenn man der Meinung ist abbrechen zu müssen man eben fertig ist.
Um genau diesem Ärger aus dem Weg zu gehen gab es in diesem Jahr einen offiziellen Schlussläufer, Martin Joist. Er war einer der letzten 8 aus 2013 und war somit prädestiniert auch wirklich lange auf der Strecke zu bleiben, diesmal aber mit offiziellen Auftrag.

Um mir größeren Stress am Samstag morgen zu ersparen „mietete“ ich mich schon freitags im TRW Camp bei Mel ein. Sie hatte schon im letzten Jahr einigen Läufern Asyl gewährt und war auch dieses Jahr so nett. Bevor ich gegen 22:00 bei Mel ankam fuhr ich noch spontan die Startunterlagen abholen. Dort in Riol am Weinstand traf ich dann auch Martin und wir unterhielten uns kurz. Dort erwähnte er auch dass er Schlussläufer sein würde. Als ich bei Mel ankam, waren alle anderen Gäste schon da und packten teilweise fleißig ihre Rucksäcke und füllten Flaschen für den Lauf. Neben Rolli dem Dealer mit dem ich mir ein Zimmer teilen dürfte waren noch Carola, Betty und Jessi zum Übernachten da. Jessi wollte ebenfalls am Schluss laufen und so kam es dass ich nach einer kurzen Nacht in einer Robbenkolonie um 3:45 schon wieder wach war um mich fertig zu machen. Mel hatte am Abend davor über Halsschmerzen geklagt und sich Salbeitee in den Hals geschüttet. Am nächsten Morgen war es zwar noch nicht zu 100% gut aber wohl zumindest so dass sie starten wollte. Zur Not würde sie eben aussteigen meinte sie.
Als wir dann endlich in Riol am Sportplatz ankamen gab es noch ein kleines Frühstück bevor wir mit 11 Minuten Verspätung auf die Strecke geschickt wurden. Ich gesellte mich gleich zu Anfang zu Jessi und Martin und teilte ihnen mit dass sie mich jetzt an der Backe haben würden. Schon gleich zu Anfang hatten wir eine Teilnehmerin mit Hund vor uns, das Gespann wirkte recht unsicher und der Hündin waren unsere Stöcke nicht ganz geheuer. Wir versuchten etwas das Tempo raus zu nehmen um nicht direkt hinter den beiden zu laufen nur gelang un das nicht so richtig. Immer wieder liefen wir auf die beiden auf. Bonni hatte ich auf Grund der Distanz und des angesagten Wetters daheim gelassen, ich wollte ihr die Strapazen einfach ersparen. Mit einem anderen Hund vor der Nase wären die ersten Kilometer garantiert nicht einfach geworden. Zu Beginn führte uns die Strecke noch flach über Asphalt vom Sportplatz aus in Richtung Riol und am Triolago entlag. Der künstliche See war bzw ist Teil eines Tourismuskonzepts das scheinbar nicht ganz aufgegangen ist. Der See hat massiv Probleme mit der Wasserqualität und die Touristen weichen ins Nahe Trier oder an die Mosel aus. Kurz hinter dem See ging es auch schon das erste Mal steil in den Wald. Dort sollten wir die ersten paar Kilometer kreuz und quer über die Trails laufen. Die Kurzstreckler die knapp 2 Stunden nach uns starten sollten würde hier ihre 25 km ablaufen.
Unserem Hundegespann gelang es leider nur unter größter Anstrengung
 die geforderten Pace zu laufen und so brauchten wir für die ersten 6 km knapp 60 Minuten. Da die beiden aber zunehmend abbauten sobald es mal wieder einen Anstieg hinauf ging entschied die Gute nach 12 km Kehrt zu machen und auszusteigen. Da standen wir drei also bei km 14 (meine Fenix zeigte von Beginn an immer mehr km an als die Uhren der beiden anderen) und hatte bereits 2,5 Stunden im Gelände verbracht. Gute 10 Sekunden drüber pro Km und die liefen wir nun wieder raus laufen mussten. Nicht so einfach bei dem Profil aber wir waren ja noch recht erholt und hatte noch massig Körner. Wir machten Späße und Jessi und ich philosophierten darüber wie toll das Laufen als Schlussläufer doch sein, total entspannt immer knapp am Cutoff. Dass man aber immens Zeit verliert und nicht wirklich in den eigenen Rhythmus kommt haben wir dabei nicht bedacht. So genossen wir weiter die Landschaft und die Trails die mit einigen Kletterpartien auf uns warteten. Ich glaube wir waren auf 2 oder 3 Klettersteigen unterwegs an dem Tag, der letzte kam bei km 70. Ganz fies wenn die Knochen schon etwas steif und müde sind. Zu allem Überfluss begann es da auch das erste und einzige Mal zu regnen was für nasse und rutschige Steine sorgte. Jessi hatten wir bei km 61 leider gegen einen Luxemburger getauscht da sie da freiwillig ausgestiegen ist. Zu langsam konnten wir ja in Martin Begleitung offiziell nicht sein. So bleiben Martin und ich also alleine auf der Strecke, mittlerweile etwas müde und ganz arttypisch (Mann eben) wurde der Redefluß etwas weniger. An den 4 VPs gab es meiner Meinung nach immer ausreichend Verpflegung in Form von Riegeln, Orangen, Bananen, TUC Kekse (sehr geil) und Wasser so wie Isostar. Das Isostar hatte es mir besonders angetan und stand in 0,5 Liter Flaschen auf den Tischen. Wenn vorhanden füllte ich immer eine davon in eine der drei Trinkflaschen die ich in meinem Orange Mud Vest Pack rum trug und trank eine Weitere plus etwas Wasser. So kam ich an den VPs auf etwas über 500 ml Flüssigkeit und hatte so trotz der teilweise echt hohen Temperaturen keine Probleme mit Dehydration. Der Urinometer war immer im grünen Bereich 😉
Bei km 61 hatten wir wie gesagt dann einen Luxemburger vor uns der Martins Sprüchlein auch zu hören bekam. „Wir sind die Letzten, hinter uns läuft keiner mehr, entweder du steigst hier aus oder läufst unser Tempo. Wer mit uns rein kommt wird gewertet, wen wir überholen der wird aus dem Rennen genommen“. Da der Kerl aber unbedingt sein Finishershirt haben wollte lies er uns am VP einfach stehen und vergrößerte den Abstand. Wir ließen ihn ziehen, wir hatten bis zu dem Zeitpunkt schon 3 oder 4 Läufer aus dem Rennen nehmen müssen da sie unser Tempo nicht laufen konnten. Kurz vor dem Kombi VP 54/61 km bei ca. km 50 waren wir auf Mel und Betty aufgelaufen. Mel hatte es bis hier hin geschafft, trotzdem Halsschmerzen und die beiden waren grundsätzlich guter Laune. Aber auch hier war das Tempo das Problem uns so steigen die beiden gut gelaunt bei km 54 aus. Mel schien sich über ihren ersten DNF sogar zu freuen, so hat sie den wenigstens hinter sich und über 50 km bei dem Wetter durch die Weinberge zu laufen ist immerhin auch eine klasse Leistung. Soll jetzt hier aber nicht nach Mitleid oder so klingen sonder ist absolut ehrlich gemeint. Als wir bei km 54 ankamen war der Sieger des TRW schon seit knapp 60 Minuten im Ziel und vermutlich schon satt und geduscht. Klasse Leistung von Martin Schedler der die offiziellen 85 km und 3000 HM in 08:12:07 absolvierte. Wie man so schnell sein kann ist mir jedesmal aufs neue unbegreiflich. 
Der Luxemburger war mittlerweile ein gutes Stück vor uns als wir kurz hinter dem VP bei km 61 auf einen Lieferwagen trafen der bremste, zurück setzte und sich erkundigte ob er uns ein Stück mit nehmen solle. Wir lehnten selbstverständlich dankend ab, kamen aber trotzdem ins Gespräch. Der Fahrer des Lieferwagens war sichtlich beeindruckt als er erfuhr wie lange wie schon unterwegs waren und wie weit wir es noch haben würden bis wir im Ziel waren. Martin und ich hatten uns unter anderem unterwegs über die Öffentlichkeitsarbeit und die Schwierigkeiten mit den Einheimischen unterhalten. Dieses Exemplar war definitiv ein uns positiv gesinnter Stakeholder des TRW.
Neben dem Einsammeln der Läufer war eine von Martins Aufgaben auch das Einsammeln der Streckenmarkierungen. aus diesem Grund trug er die ganze Zeit über einen orangenen Turnbeutel mit sich rum was immer wieder für Spot sorgte 🙂 Meistens von meiner Seite. Im Vorjahr kamen wohl Beschwerden auf dass die Strecke nicht ausreichend markiert gewesen sei. Das war 2014 definitiv nicht der Fall denn der Beutel war an den VPs als wir ihn abgaben jedesmal prall gefüllt mit Papierschildern, Flatterband und einlaminierten Schildern. Mitunter ganz schön lästig. Ebenfalls lästig war es die Markierungen erstmal aus den Büschen und Bäumen zu bekommen, da hatte Markus ganz Arbeit geleistet. Wir mussten teilweise einige Meter von der Strecke abweichen um alle Markierungen zu entfernen, was gegen Ende der Strecke auch mal mühsam wurde. Aber was tut man nicht alles um Letzter sein zu dürfen und das auch noch ohne schlechtes Gewissen.
Bei Km 76 erwischte es dann den Luxemburger doch und er stieg erschöpft aus. Wir, oder speziell ich hatte ihn immer wieder die Downhills runter gescheucht da diese mir auch zu später Stunden noch recht leicht fielen und vor allem Spaß machten. Ich wollte ihn nicht gezielt aus dem Rennen treiben, aber Martin und ich merkten dass wir uns ganz schön sputen mussten da wir einiges an Zeit verloren hatten zwischendurch. Mal war es eine zu lange Pause an den VPs, mal ein langsamer Läufer den wir ja immer bis zum nächsten VP begleiten mussten damit er aussteigen konnte. Markierungen gab es ja hinter uns keine mehr. Die meiste Zeit kostete aber das Einsammeln der Schilder und die Tatsache dass wir immer wieder aus dem Rhythmus gerissen wurden.
Wir unterhielten uns ab und an mit dem Luxemburger und ich fragte ihn ob das sein erster 80er sei was er bejahte. Gut dachte ich mir, aber einen langen Lauf bzw. Ultra wird er ja wohl schon gelaufen sein. Denkste, der Kerl hatte sich nach ein paar 30ern einfach mal beim TRW gemeldet und kam dort bis 8 km vor dem Ziel auch garnicht mal so schlecht durch. Die Cutoffzeiten sind beim TRW meiner Meinung nach grade für die hinten im Feld schon recht happig gewesen. Beim Fidelitas Nachtlauf hatte man für 80 flache km mit nur 1000 Hm ganze 16 Stunden und somit 60 Minuten länger Zeit. So gesehen war der TRW ein gutes Stück härter.
Ein paar Kilometer vor dem letzten VP waren wir auf den ältesten Teilnehmer aufgelaufen und schoben ihn vor uns her. Er hatte sich in den Weinbergen zwischen den Reben etwas verfranzt und dort bei praller Sonne einiges an Zeit und Kraft gelassen. Er und Jean-Luc (so nannte ich den Luxemburger) hingen teilweise an den Anstiegen ein gutes Stück zurück so dass wir eigentlich beide aus dem Rennen nehmen wollten. Rudolf, so hieß der einzige Starter in der Klasse M60 war aber wild entschlossen sich nicht aus dem Rennen nehmen zu lassen und tankte beim letzten VP wieder Kraft so dass er und kurz danach auch schon davon lief. Er kam eine knappe viertel Stunde vor uns ins Ziel und hatte also noch etwas Zeit raus gelaufen.
Die letzten Kilometer teilten Martin und ich uns eine / meine Stirnlampe. Ich hatte bein packen noch irgendwie Mels Worte im Ohr „diesmal nehme ich aber eine Lampe mit…“ und hatte eine kleine Mammut eingepackt. Nur zur Sicherheit. Zum Glück sonst wären wir beide ziemlich im Dunklen gestanden. 
Nach 16:33:22 kamen wir dann also ins Ziel wo wir von ein paar Hartgesottenden bejubelt wurden. Markus hatte beim Start versprochen dass er auf den letzten Läufer warten würde und er hielt Wort!
Nach einem kurzen Smalltalk und einem Finisherbier gab es dann auch noch das Finishershirt.
Martin fuhr heim und ich ich begab mich unter die (kalte) Dusche bevor ich die knapp 120 km Richtung Heimat fuhr.

Mein Fazit zum TRW fällt jetzt im Nachhinein betrachtet vollständig positiv aus. Es war ein harter Lauf der auf einer schönen Strecke stattfand. Es gab wie bei jedem Lauf der erst das zweite Mal organisiert wird natürlich den einen oder anderen Kritikpunkt der mit Sicherheit bei der dritten Ausgabe abgestellt sein wird. Da man es aber natürlich nicht jedem Recht machen kann wird es so Punkte immer geben.

Komme ich 2015 wieder? Stand jetzt JA, sehr gerne.

Persönliches Fazit:

Ja ich hätte „etwas“ mehr trainieren können, was mich etwas erschreckt ist dass ich trotz des suboptimalen Trainings doch in der Lage war 16,5 Stunden unterwegs zu sein. Bisher lag meine Grenze bei knapp 12 Stunden.
Laut meiner Fenix haben wir keine 85 sondern ganze 93,4 km zurückgelegt was somit auch ein neuer Distanzrekord für mich wäre. Inwieweit die Zahlen valide sind weiß ich nicht genau, im Ziel wurden aber Stimmen laut dass es wohl eher 88 als 85 km gewesen seien. Auch Martins Uhr bzw. das Dakota zeigte deutlich mehr km an.
Ich bin froh meine Stöcke dabei gehabt zu haben da im späteren Rennverlauf sowohl mein linkes Knie als auch beiden Fußsohlen anfingen zu mucken. Bei den Schmerzen im Knie handelte es sich wohl wieder um einen Anflug von ITBS der aber schon einen Tag danach wieder verschwunden war. An den Fußsohlen hatte ich dicke Blasen die mich während dem Lauf etwas einschränkten und es mir erschwerten vernünftig abzurollen. Von der zeitlichen Abfolge schmerzten die Fußsohlen vor dem Knie so dass ich davon ausgehe dass die Schmerzen im Knie von der Schonhaltung kamen. Danke den Stöcken konnte ich beides etwas entlasten.
Mit dem Vest Pack von Orange Mud habe ich an dem Tag absolut nichts falsch gemacht. Um des erforderliche Volumen von 1,5 Liter zu erreichen bin ich mit drei Flaschen gestartet von denen ich aber nur zwei genutzt habe und die an den VPs alle 20 km wieder aufgefüllt habe.
Sehr nützlich waren die Thr33ky Armlinge in weiß die mir später als Sonnenschutz dienten.
Die Pearl Izumi Trail N2 waren wohl nicht die beste Wahl wie man an den Blasen sieht, andererseits hatte ich bei den etwas kürzeren Läufen im Vorfeld mit den Schuhen nie Probleme. Wer weiß was da wieder alles zusammen kam.

kurze Rast nach dem Weinberg…






Himmelsleiter trifft es ganz gut…




Martin Beutlin


einmal kurz Schuhe gebunden und weg waren die Beiden…


schlecht markiert ist anders…





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


4 Antworten auf „2. Trail Römische Weinstraße – Wo ich bin ist hinten.“

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