Leinenpflicht? – Was muss ich als Hundebesitzer beachten?



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Das leidige Thema „Leinenpflicht“. Gerne wird mit eben dieser argumentiert, wenn es mal wieder um das Thema Hunde (und Läufer) geht, aber kaum einer scheint sich die Mühe zu machen, diese angebliche und generelle Pflicht in Deutschland zur hinterfragen.

Als Hundehalter, Läufer und jemand der es gewohnt ist sich Informationen im Internet zu holen )und diese dann auch zu überprüfen) stellen sich mir jedes Mal die Nackenhaare wenn, meist Menschen ohne Hunde wie selbstverständlich auf diese vermeintliche Pflicht eines jeden Hundehalters beharren.

Ich will dieses Thema heute mal etwas aufbereiten und in einem Blogbeitrag fixieren, auch aus purem Selbstzweck. Ich bin es nämlich leid mich immer wiederholen zu „müssen“.

Grundsätzlich gibt es keine generelle Leinenpflicht für Hunde in der Bundesrepublik Deutschland!

Etwaige Vorgaben und Beschränkungen werden im jeweiligen Landesrecht der Bundesländer geregelt. Somit liegt es auf der Hand, dass nur weil bei euch im Bundesland möglicherweise eine Leinenpflicht besteht, dass einen Kilometer weiter, im nächsten Bundesland nicht so sein muss.

Schlimmer noch, denn im Details darf jede Kommune / Gemeinde das für sich selbst regeln. Es lebe der Förderalismus!

Ob es eine Leinenpflicht gibt und wann und wo sie gilt, steht im LHundG, dem Landeshundegesetz des jeweiligen Bundeslandes.

 

Details zur Leinenpflicht

 

Rheinland Pfalz:

In „meinem“ Bundesland gibt es selbst in Wäldern keine generelle Leinenpflicht, Ausnahmen können hier Naturschutzgebiete bilden.

Jäger dürfen wildernde Hunde erschießen, allerdings muss es eindeutig sein, dass der Hunde dem Wild nachstellt.

Nordrhein-Westfalen:

Hunde ab einer Widerristhöhe von 40 cm oder mindestens 20 kg, sind außerhalb eines befriedeten Besitztums und innerhalb von zusammenhängenden Bebauungen (das dürften dann Ortschaften sein) auf öffentlichem Grund an der Leine zu führen.

Hunde die kleiner sind, sind immer dann an einer Leine zu führen, wenn man sich mit ihnen beispielsweise in einer Fußgängerzone oder einem Park befindet.

Baden-Württemberg :

Es besteht keine generelle Leinenpflicht!

In Wäldern gilt änhliches wie in RLP, bekommt ein Jäger mit, dass der Hunde offensichtlich dem Wild nachstellt, darf er ihn erlegen. Der Hundehalter muss also jederzeit auf seinen Hund einwirken können. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Hund an der Leine sein muss!

An Kindergärten, Schulen und Spielwiesen, sprich überall wo der Hund Menschen  bei der Erholung stören könnte, drohen Bußgelder wenn man seinen Hund ohne Leine laufen lässt.

Bayern:

Auch in Bayern gibt es keine generelle Leinenpflicht!

Obacht im Wald, denn dort dürfen die Jäger rigoros auf den Vierbeiner schießen wenn dieser alleine im Wald umher streunt.

Berlin, Brandenburg und Hamburg.

Hier sind die Regelungen recht kompliziert. Hier wird zum Teil sogar die Leinenlänge vorgeschrieben oder die maximal Anzahl der gleichzeitig ausgeführten Hunde. In Verwaltungsgebäuden kann es vorgeschrieben werden, dass der Hund einen Beißkorb trägt.

Bremen:

Keine generelle Leinenpflicht.

In öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufszentren und Menschenansammlungen müssen Hunde an der Leine geführt werden.

In der Brut- und Setzzeit vom 15. März bis 15. Juli, dürfen Hunde auch nicht ohne Leine durch Wälder, Wiesen und Felder streifen. Jäger dürfen den Hund hier ohne Anzeichen eines Wilderns töten.

Hessen:

Eine generelle Leinenpflicht besteht hier auf Volksfesten, auf Märkten und überall dort wo Menschenansammlungen sind.

Hunde müssen hier immer unter Aufsicht sein, das versteht sich aber eigentlich von selbst.

In Naturschutzgebieten und -parks, müssen Hunde an die Leine, in „regulären“ Wäldern müssen Vierbeiner abrufbar und unter Aufsicht sein.

Auch hier darf ein Jäger schießen, allerdings nur als ultima ratio.

Mecklenburg-Vorpommern:

Außerhalb von befriedeten Besitztümern ist es hier verboten seinen Hund ohne Aufsicht frei laufen zu lassen.

Wie fast üblich gilt auch in Meck-Pomm, dass man seinen Hunde in der Öffentlichkeit an der Leine zu führen hat. In Wäldern MUSS der Hund immer an der Leine sein.

Saarland:

Keine generelle Leinenpflicht!

In der Öffentlichkeit muss der Hund an die Leine. In Wäldern gilt zwischen dem 01.03. und dem 30.06. ebenfalls Leinenpflicht auf Grund der Brut- und Setzzeit.  Eine Besonderheit im Saarland ist, dass Hunde die zuverlässig auf dem Weg und beim Halter bleiben nicht an die Leine müssen.

Niedersachsen:

Keine generelle Leinenpflicht!

In der Zeit vom 01.04 – 15.07 gilt hier in der Brut- und Setzzeit eine Leinenpflicht in der freien Landschaft, sprich Wälder, Wiesen, Felder und Gewässern. Dies gilt dann auch innerhalb Ortschaften mit Parkanlagen etc.

Jäger dürfen zum Schutze des Wildes auf euren Hund schießen.

Sachsen:

Keine generelle Leinenpflicht!

Jäger dürfen Hunde nur auf Anordnung der Jagdbehörde töten.

Sachsen-Anhalt:

Keine generelle Leinenpflicht!

Im Zeitraum zwischen dem 01.03. und dem 15.07. herrscht Leinenzwang. Generell verboten ist es seinen Hund ohne Aufsicht laufen zu lassen. Jäger dürfen schießen, wenn sich der Hund nicht innerhalb der Einwirkung des Halters befindet.

Schleswig-Holstein:

Grob gesagt, in der Öffentlichkeit muss der Hund an der Leine sein. Zwischen dem 01.04. und dem 30.09. dürfen Hunde nicht mit an Badestrände am Meer mitgenommen werden.  Es gibt allerdings spezielle Hundestrände.

In Wäldern gilt eine generelle Leinenpflicht!

Thüringen:

In Wäldern gilt ganzjährig der Leinenzwang. Jäger dürfen grundsätzlich auf Hunde schießen, es sei denn es ist erkennbar, dass der Hunde sich nur zeitweise nicht im Wirkungsbereich des Halters befindet.

 

Was bleibt, was ist die Erkenntnis?

Da das hier nur ein grober Abriss werden soll und sich die Regelungen auch ändern können, solltet ihr euch regelmäßig auf den neusten Stand bringen was in eurem Bundesland erlaub ist oder nicht.

Eine generelle Leinenpflicht gibt es also in den allermeisten Bundesländer nicht. Ein Hundehalter darf seinen Hund außerhalb geschlossener Ortschaften und meistens auch in Wäldern (Naturschutzgebiete, Brutzeiten und lokale Verbote beachten) frei laufen lassen. Er muss ihn dabei beaufsichtigen, sprich ein Auge auf den Hund haben und bei Bedarf auf ihn einwirken können.

Ich darf also mit Bonni (in RLP) auch ohne Leine durch den Wald laufen. Kommt mir jemand entgegen, muss ich auf Bonni einwirken (sprich sie ran rufen und ggf. festhalten) bis wir wieder alleine sind.

Erkennt ihr die Tücke der Situation? Richtig, ich muss die Person die sich uns nähert rechtzeitig erkennen um handeln zu können. Kommt sie von vorne, sprich ist Bonni zwischen mir und der Person rufe ich Bonni zu mir und sie entfernt sich von ihm. Kommt diese Person aber von hinten und überholt mich, dann rufe ich Bonni zwar aber sie nähert sich der Person dadurch. Ich denke ihr erkennt, dass es als Person ohne Hund wichtig ist der Person mit Hund ausreichend Zeit zu lassen, den Hund zu sich zu rufen. Anders kann es nicht funktionieren!

Wie bei eigentlich allem im Leben, heißt auch hier das Zauberwort „Rücksicht“. Von beiden Seiten, versteht sich.

 

 

Da ich nicht jedes Hundegesetz lesen wollte, das für Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat mir schon gereicht, habe ich die folgende Quelle für meine Zusammenfassung genutzt:

Leinenpflicht in Deutschland

Das hat den Vorteil, dass man davon ausgehen kann, dass eine Anwaltskanzlei die geltenden Gesetze korrekt liest und auslegt.





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


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