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Fidelitas Nachtlauf 2017 – Blogpost



Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten, 50 Sekunden



Mit dem Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe verbindet mich ja bekanntlich eine Menge, bin ich doch gebürtiger Karlsruher, der bis zum Wechsel in die 3 Klasse in Rüppurr gewohnt hat bevor er nach Ettlingen umgezogen ist. Ich hatte Freunde und Schulkameraden in Langensteinbach und Marxzell, kurz gesagt gibt es zu fast jedem Punkt der Strecke Erinnerungen aus meiner Kindheit und Jugend.

Das war auch der Grund warum ich mich 2014 zum ersten Mal für den Nachtlauf über 80 km angemeldet hatte und dann mit einem Jahr Pause 2016 wieder dort startete. Mit nur etwas mehr als zwei Stunden Anfahrt und einem Start um 17:00 ist auch die Anreise bisher immer recht entspannt gewesen, auf dem Heimweg bietet es sich immer an Freunde und Familie zu besuchen. Es gibt also wenig Gründe für mich nicht in Karlsruhe zu starten.

Im vergangenen Jahr hatte ich Philipp an meiner Seite und wir gingen gemeinsam durch die Nacht. In diesem Jahr stand ich wieder solo am Start.

Am Start

Im Gegensatz zu 2016 waren fast keine Wolken am Himmel als ich so gegen 16:00 in der Nähe des FC Südstern auf Parkplatzsuche ging. Die Parkplätze direkt vor dem Vereinsheim waren (glücklicherweise) alle belegt, so dass ich etwas abseits an den Tennisplätzen, zwischen FC Südstern K’he und dem Post Südstern K’he auf dem Grünstreifen parken konnte. Auch nicht weiter zu laufen als an der Straße und deutlich ruhiger und abgelegener. Da ich nach dem Zieleinlauf wieder im Auto schlafen wollte, nicht die schlechteste Wahl.

Ich fing an meine Ausrüstung zu richten und holte meine Startunterlagen ab, mit der Nummer 35 war ich wohl ziemlich zügig mit der Anmeldung. Nachdem ich also meine Startnummer am Band befestigt und die Transponder an den Schuhen befestigt hatte trödelte ich noch ein wenig am Auto herum und kontrollierte noch mal den Dropbag und meine Zieltasche.

Im Start- und Zielbereich drängten sich Läufer und Offizielle bevor wir gegen kurz vor 17:00 dann an die Startlinie gebeten wurden. Die Sonne knallte und ich sehnte mir den Regen aus dem letzen Jahr herbei, erinnerte mich aber wieder daran wie schwül es beim Start damals war und gab mich zufrieden. Wir sollten ja relativ zügig in den Oberwald laufen und dort ausreichend Schatten haben.

Der Startschuss,

fiel pünktlich und die Schar setzte sich in Bewegung. Die Favoriten gaben gleich ordentlich Gas und hatten die Stadionrunde schon beendet bevor ich an der Seitenlinie des Fußballfeldes ankam. Ich versuchte mein Tempo zu finden und achtete dabei auf meinen Puls, denn mein Plan war es bewusst langsam anzugehen, da ich ja um meine nicht ganz optimale Vorbereitung wusste. Ich weiß, dass das nach dem üblichen Blabla vor einem Lauf anhört, aber mein letzter langer lauf über 30 km war tatsächlich im März.

Die erste Hälfte

Die ersten Kilometer führten uns durch den nahen Oberwald. Wie es am Anfang so üblich ist, liefen wir noch in einem größeren Pulk durch die Gegend und jeder versuchte seinen Rhythmus zu finden. Gleich zu Beginn lief ich eine Zeit lang neben Birgit „ultraholle“ und ihrem Freund und er und ich kamen ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass er an dem Tag seinen ersten Ultra laufen sollte. Irgendwann drosselten die beiden das Tempo und der Abstand zwischen uns wurde größer, so dass wir uns aus den Augen verloren.

Die ersten 17 km trottete ich so mit einer Pace zwischen 6 und 7 min/km vor mich hin, alles recht locker und unangestrengt. Hinter Grötzingen hörte ich dann schon hektische Feuerwehrsirenen die auf die Laufstrecke abbogen und dort irgendwo im Wald oder einem Grillplatz / Schrebergarten mit den Löscharbeiten begannen. Es war deutlich zu hören wie sich die Flamen dort durch trockenes Holz fraßen, nicht ungewöhnlich bei den Temperaturen und dem ausgebliebenen Regen die letzten Tage. Die Laufstrecke führte allerdings weit genug am Brand vorbei, so dass und die Feuerwehr weiter laufen lies.

Ab Grötzingen fängt dann der Spaß an, es wird wellig bis hügelig denn es geht ab hier erstmal gute 130 Hm nach oben. Nicht wirklich steil, aber immer hin auf nur 3 km verteilt. Hier lies ich auch Boris ziehen. Boris ist ein Kumpel, oder besser der besagte Kumpel vom Fatboy Philipp. Wer seine Podcasts hört, dem dürfte der Name nicht ganz unbekannt sein. Boris sprach mich am ersten VP an, wir kamen ins Gespräch und liefen so die nächsten 10 km bis eben Grötzingen zusammen. Am „Anstieg“ Grötzingen musste ich allerdings meine Schuhe binden und verlor so den Anschluss. Bei etwa km 32 lief ich dann aber auch wieder auf ihn auf als er gerade mit Philipp per Facetime Kontakt hatte. Am nächsten Anstieg konnte er dann aber leider nicht mithalten und so verloren wir uns abermals aus den Augen. Im Nachhinein habe ich dann von Philipp erfahren, dass er leider bei km 53 oder so aussteigen musste, dennoch Glückwunsch denn 53 km sind eine reife Leistung! Bei anderen Läufen wäre das ein Finish gewesen! Bis hierhin war ich noch grob auf Kurs 9:30 h, was aber in Anbetracht der Tatsache dass die zweite Hälfte der Strecke deutlich anspruchsvoller ist als der erste Teil zumindest für mich utopisch gewesen wäre. Dennoch war ich schneller unterwegs als geplant und fühlte mich auch besser als erwartet.

Die zweite Hälfte

In Mutschelbach bei km 39,5, also knapp der Hälfte, lag dann auch mein Dropbag mit den Wechselsachen für die Nacht. Ich zog mich in Ruhe um, nahm meine Black Diamond Icon und die Powerbank aus dem Bag und füllte meine Flasche auf. Ich war mit zwei Flaschen gestartet, eine in der Brusttasche der Kalenji Weste und eine im Orange Mud Handheld. Da mich die Flasche auf der Brust störte und ich der Meinung war in der Nacht mit der kleineren Flasche in der Hand aus zukommen, landete der Störenfried im Dropbag. Außerdem packte ich meine Kopfhörer aus und schaltete die Musik an. Meine Stimmung war gut und ich freute mich auf die Nacht, immerhin hatten wir den ganzen Tag über hohe Temperaturen um die 30° C und mehr. Die Nacht hingegen versprach angenehme 21°C, was mir deutlich lieber war.

Am Ortsausgang von Mutschelbach stand dann eine alte Telefonzelle die zu einem Bücherhäusle umfunktioniert worden war, interessanterweise unverschlossen und dennoch gut befüllt. Das brachte mich zum Schmunzeln und ich bin irgendwie auch froh darum dass es solche Orte gibt. Orte an denen man öffentliches Eigentum scheinbar nicht vor Zerstörung zu schützen braucht.

Der Nachteil von Nachtläufen ist ja ganz klar, dass man irgendwann keine Fotos mehr machen kann, darum (und weil ich irgendwann auch andere Sorgen hatte als euch mit Bildern zu versorgen) folgt hier jetzt auch nur noch Text.

Das Ende

In der Audioaufnahme finden meine schmerzenden Oberschenkel das erste Mal bei km 50 Erwähnung, zu dem Zeitpunkt begann ich sie dann doch zu spüren. Ich machte mir darum aber noch keine großen Gedanken, denn immerhin sind 50 km ja 50 km. Da darf mir dann auch schon mal etwas weh tun. Grade weil mein Training im Vorfeld suboptimal war. Die nächsten 10 km sollte es überwiegend bergauf gehen, so dass meine müden Oberschenkel nicht weiter störten, bergauf geht immer und wenn man eh meistens geht sowieso. Ich versuchte allerdings dann doch bergab etwas zu bremsen um meine Oberschenkel nicht noch mehr zu fordern. Mag sein dass das dann doch nicht so vorteilhaft gewesen war, jedenfalls war dann kurz nach Langenalb der Ofen aus. Ab hier geht es in etwa 18 km bergab, mit ein paar Konteranstiegen versteht sich. Bis Marxzell lief es noch halbwegs rund, ab da war dann aber an flüssiges bergab laufen nicht mehr zu denken. Ich hatte noch ca. 15 km vor mir und ich konnte einfach keinen sauberen Schritt mehr auf den geschotterten Waldweg setzen ohne die Schläge in den Beinen zu spüren. Ich ging also im Grunde fast die ganzen 15 km, abgesehen von den flachen Passagen und den Anstiegen. Da ich darauf achtete wer mich hier bergab alles überholte, weiß ich dass ich dort quasi alle die ich im Lauf überholt hatte wieder ziehen lassen musste. Es ging einfach nicht mehr ohne Schmerzen zu laufen und dann auch noch halbwegs Tempo zu machen, die km Splits bergab sprechen da für sich. 9 und 10 Paces bei negativen Höhenmetern auch absolut untechnischem Untergrund zeigen wie fertig ich da war. Ich versuchte mir zwar immer einzureden, dass es jetzt auch egal sei wenn es weh täte, weil ich eh den Muskelkater meines Lebens haben würde, aber irgendwann resignierte ich dann doch und trottete so vor mich hin. Ich hoffte auf Ettlingen, denn dort sollte uns der Wald ausspucken und dort sollte es auch wieder flach werden. Leider waren meine Oberschenkel  mittlerweile so zu, dass ich selbst flach mein Land mehr sah. Ich versuchte eine Kombination aus schnellem Gehen, einigen Schritten im Laufschritt und eben einer Mischung daraus. Das gelang mir mehr schlecht als recht, brachte mich aber schneller voran als reines Gehen.

„Es sieht nicht toll aus, ist aber schneller als Gehen“ war zu meinem Motto geworden und so quälte ich mich eben weiter. Da die Strecke dieses Jahr geringfügig anders verlief, waren auch die Kilometer etwas anders verteilt auf der Strecke. Mit dieser Verschiebung, verschoben sich auch einige der Verpflegungspunkte was echt doof ist wenn man zu wissen meint wo denn der nächste VP sein sollte. Der von mir sehnlichst erwartete VP am Schwimmbad in Ettlingen, war ein gutes Stück weiter an der Feuerwehr bzw. Herz-Jesu-Kirche. Dort waren die Helfer aber so motiviert, dass mir einer ziemlich weit entgegen kam, mir etwas zu trinken reichte und mir meine Trinkflasche abnahm um sie zu füllen. Mit den Worten „Lauf weiter wenn du soweit bist, ich bringe dir die Flasche hinterher!“ schickte er mich weite. Großes Kino! Und das mitten in der Nacht, danke!

In Ettlingen ging ich dann bewusst langsam und blieb auch oft stehen, denn dort hatte ich große Teile einer Kindheit und Jugend verbracht. Im Podcast habe ich meine Gedanken dazu festgehalten.

Die letzen 7 km verbrachte ich damit mich von der harten Musik von Canibal Corpse antreiben zu lassen, die hatte Spotify zum richten Zeitpunkt auf meine Ohren gespült. Ich ging dennoch die meiste Zeit und konnte kein Tempo mehr machen, ich war schlicht und ergreifend ziemlich im Eimer und hätte ich irgendwo ein herrenloses Fahrrad gefunden, wäre ich damit wohl ins Ziel gefahren. Ich schaute immer wieder auf mein Handy, denn meine Freundin hatte sich mehr oder weniger angekündigt und wollte mich im Ziel empfangen. So ganz sicher war das allerdings nicht, denn eigentlich hätte sie mich überraschen wollen. Aber naja, der berühmte Elefant im Raum eben.

Das Ziel.

Als ich dann in Rüppurr einlief und ein Straßenschild mit „Battstraße“ sah, wusste ich wo ich war. Das war die Haltestelle in deren Nähe ich lange gewohnt hatte. Wäre ich der Straße gefolgt, so wäre ich irgendwann am Haus vorbeigekommen in dem wir damals gewohnt und vor dessen Haustür mich in jungen Jahren der Autofahrer übersehen und mich angefahren hatte.

Ich wieder in den Oberwald und sah einen Teil der Markierungen denen wir beim Start gefolgt waren, ich war also fast im Ziel. Als ich dann auf den Sportplatz einbog konnte ich mein 1 Frau Empfangskomitee auch schon erkennen (ein hoch auf die Kontaktlinsen) und wurde von ihr auf der letzen Stadionrunde begleitet bevor ich nach 11:19:xx dann endlich im Ziel ankam.

Endlich im Ziel!

Fazit nach 3 Teilnahmen

Es kann nur positiv ausfallen, denn die Veranstaltung ist und bleibt etwas ganz besonderes für mich und die Tatsache dass ich die Gegend kenne durch die man läuft, hat mir auch definitiv geholfen in diesem Jahr durchzuhalten. Immer wieder konnte ich mich mit Gedanken an meine Jugend und Kindheit ablenken und hatte mehr als einmal etwas Pipi in den Augen.

Mit meiner sportlichen Leistung bin ich selbstredend nicht wirklich zufrieden, aber eben auch nicht verwundert dass es so gekommen ist. Im dritten Jahr habe ich zwar das schlechteste Ergebnis erlaufen, aber eben auch den längsten Kampf gegen schmerzende und müde Oberschenkel geführt und nicht aufgegeben. Mit einer Zeit von 11:19:32, bin ich immerhin noch vor 29 anderen ins Ziel gekommen und nicht alle waren mindestens doppelt so alt wie ich… Viele sind in diesem Jahr wohl wieder ausgestiegen und erst gar nicht soweit gekommen. All das spielt aber für mich eh keine Rolle, ich hätte auch nichts dagegen als Letzter ins Ziel zu kommen solange ich Spaß bei der Sache hatte. Den Spaß hatte ich, trotz aller Schmerzen und Strapazen doch zu jeder Zeit denn ich durfte durch meine Heimat laufen und die Nacht erleben. Wegen solcher Erlebnisse mache ich den ganzen Quatsch schließlich.

Komme ich wieder? Definitiv! Gerne auch direkt 2018, dann aber hoffentlich deutlich besser trainiert.

Der Lauf auf Strava:

Der Podcast zum Beitrag:

EP018 -Liebe, Leiden und Laufen – Mein FiNaMa 2017





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