Münz Silvesterlauf in Montabaur – Was ein Stress!



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Ich laufe ja nicht oft bei sogenannten „Volksläufen“, ich mag es einfach nicht mich auf den kurzen Distanzen bis 10 km abzuhetzen und dabei zwischen Ehrgeizlingen zu stehen die mit ausgefahrenen Ellbogen ihren 238. Platz in der AK verteidigen.

Wenn ich solche Läufe bestreite, dann bezahlt sie in der Regel mein Arbeitgeber weil es Firmenläufe sind und wir dann in einer großen Gruppe quasi als Werbeträger der Firma unterwegs sind.

An Silvester ging es für mich nach Montabaur in den Westerwald um dort am Münz Silvesterlauf teilzunehmen. Dort wurde neben der 10,7 km langen Crosslaufstrecke auch eine 5 km Hund-und-Herrchen-Strecke angeboten. An sich sehr reizvoll mal in einer offiziellen 6-Pfoten-Wertung zu starten, aber 5 km sind mir einfach zu kurz / zu schnell um daran Spaß haben zu können. Bin ja nicht so der Sprinter und somit fehlt es mir einfach an der nötigen Grundschnelligkeit.

So blieb Bonni also daheim und ich meldete mich auf der „langen“ Strecke nach. Schon vor dem Start traf ich auf Carina und wir verabredeten uns gemeinsam zu starten. Da wir uns beide allerdings noch umziehen mussten und ich dazu in mein warmes Auto ging, verloren wir uns aus den Augen. Als ich meine Startnummer abholte tippte mir dann auch noch Benni von ultramarathonblog.de auf die Schulter, er war an dem Tag nur als Zuschauer da. Auch Karen und Thorsten durften nicht fehlen obwohl es sich bei den knapp 11 km auch für die beiden maximal um eine Aufwärmrunde handeln dürfte.

Ich hatte für diesen Lauf zwei Paar Schuhe eingepackt, einmal meine Icebug mit grobem Profil (immerhin sollte es ein Crosslauf sein) und meine Bedrock Sandalen. Mein Plan war es in Sandalen zu laufen und ich fummelte sogar irgendwie den Transponder dran, entschied mich aber nach ein paar Metern auf und ab laufen vor dem Auto dafür dass es mit -6 Grad etwas zu kalt für Sandalen sei. Etwas feige, ich weiß.

So zog ich also die „richtigen“ Schuhe an und machte mich auf in Richtung Startbereich um dort Carina zu suchen. In der Menschenmenge fand ich so dann allerdings leider nicht wieder, auch Bernd vom Lauftreff Koblenz hatte sie nicht gesehen. Tjoa…da stand ich dann also. Alleine bei einem 10 km Volkslauf und hatte eine Startnummer am Shirt. Ich nahm mir vor einfach mal zu schauen ob ich Carina nicht doch irgendwie finden würde im Laufe des Laufes. Ich ordnete mich also relativ weit hinten ein um die Chancen auf sie auflaufen zu können etwas zu vergrößern. Mein Plan sollte auch fast aufgehen.

geht doch nix über ein großes, warmes Auto.
geht doch nix über ein großes, warmes Auto.

Meine Zeitplanung an dem Morgen war nicht die beste gewesen und ich wollte eigentlich auf dem Weg nach Montabaur noch irgendwo frühstücken und hatte somit nichts außer zwei Kaffee im Magen. Gefrühstückt hatte ich nicht, weil ich unterwegs nichts fand und auch im Startbereich außer Bratwurst und Pommes nichts zu finden war. Oder ich war einfach zu doof. „Egal, futterste am VP eben was“ dachte ich mir so beiläufig. Ich muss mir unbedingt merken, dass es auf der Kurzstrecke nix zu futtern gibt unterwegs. Der Denkfehler war mir schon beim Lohners Vulkan (Halbmarathon)Marathon unterlaufen und dort war die Strecke ja doppelt so lang.

Als der Startschuss dann gegen kurz nach 11:00 fiel wartete ich ein paar Hundert Meter bevor ich begann Tempo zu machen, merkte aber schon nach knapp 2 km dass meine Beine nicht so stark waren an dem Tag. Was hatte ich auch erwartet von einem nüchternen Tempodauerlauf? Immer wieder musste ich Läufer überholen die wie scheinbar üblich in Grüppchen unterwegs waren und den doch recht breiten Waldweg versperrten. Ganz klarer Fall von falsch eingeordnet beim Start, sowohl von mir als auch einigen anderen. Immer wieder wich ich auf den „Seitenstreifen“ aus, was einige Läufer dazu veranlasste mir Dinge wie „man darf die Strecke nicht verlassen!“ hinterher zu rufen.

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in aller Ruhe die Fenix gestartet.

Nur so am Rande, so lange keine Markierung vorhanden ist die ich übertrete, habe ich die Strecke nicht verlassen. Ich bin ja schließlich nicht in den Wald abgebogen (auch wenn es dort viel schöner gewesen wäre) und habe abgekürzt.

Die Strecke ist relativ simple beschrieben, die ersten 5 km geht es immer leicht bergauf, man umrundet den Biebrichskopf und tritt bei km 8 dann die letzten 2 km in Richtung Mons-Tabor-Bad an. Dabei läuft man quasi immer auf geschotterten Waldwegen und kreuzt nur zweimal die L327. An den wichtigen Punkten standen Streckenposten so, dass man sich nicht verlaufen konnte. Zwei VPs gab es ebenfalls, wobei der erste bei km 2(?) echt nicht nötig wäre. Egal, besser haben als brauchen. Ich ließ ihn dennoch aus und lief weiter an einigen Läufern vorbei, noch immer auf der Suche nach Carina. Wenn man sich die SAT Zeiten bei Strava anschaut war ich auch nicht grade langsam unterwegs, meine Lunge war der selben Meinung. Jetzt kann man ja nicht einfach anfangen zu gehen nur, weil es bergauf geht. Ist ja nicht so als wäre es dort steil und technisch. Bei km 5,x warteten dann auch schon wieder Helfer am VP auf uns und da meine Beine anfingen weich zu werden, nahm ich mir Zeit zu trinken und blieb kurz stehen. Soweit ich das sehen konnte war ich aber auch der Einzige der das tat, denn alle anderen um mich herum schnappten sich einen oder zwei Becher und liefen weiter. So eine Hektik… verstehe ich nicht. Dabei schafften es die wenigsten die mitgeschleppten Becher in die Müllbeutel zu werfen die am Rand standen / lagen sondern warfen ihre Becher zum Teil weit nach dem VP einfach in die Pampa. Ich wünsche mir dass euch auch mal einer seinen Müll in den Vorgarten wirft liebe „Lauffreunde“.

Nach dem VP ging es dann wie gesagt bergab und ich ließ es rollen. Km 6 und 7 lief ich dann in 4:29 bzw. 4:12 und sammelte wieder zahlreiche Läufer ein, der eine oder andere lief dann am nächsten Anstieg bzw. der Geraden allerdings auch wieder an mir vorbei. Für wirklich Tempo fehlte mir einfach die Kraft in den Beinen. Egal, ging ja um nix und ich muss mich ja eh nicht beweisen, schon gar nicht auf 10 km.

Auf den letzten 2 km kamen dann auch die ersten Hundeläufer angeschossen. Der Gewinner (glaube ich zumindest) brüllte von hinten „links vorbei!!“ und wurde es pampig als ein paar Läufer nicht sofort in die Pampa sprangen. Dabei war er noch weit genug entfernt um nicht abbremsen zu müssen. Auf seinen Kommentar „wir sind hier ja nicht in England“ bekam er ein „und auch nicht auf der Straße…lauf halt schneller wenn du gewinnen willst“ von mir hinterher. Ein Ehrgeizling eben… lässt sich von seinem Hund ziehen und ist nur am Meckern. Endlich kann ich den Spruch auch mal bringen.

Kurz vor dem Ziel hatte ich Carina dann noch immer nicht gefunden, ich hatte mich aber auch schon vorher damit abgefunden. Immerhin standen die Chancen nur 50:50 dass sie beim Start vor mir war. Da ich die ganze Zeit die Startnummer durch meine Regenjacke (die ich eigentlich noch irgendwo deponieren wollte) verdeckt hatte, zog ich sie noch flott aus um nicht disqualifiziert zu werden. Wird man ja angeblich, wenn die Startnummer nicht jederzeit zu sehen.

Nach etwas über 54 Minuten kam ich dann auch schon ins Ziel, mit einen Schnitt von 5:04 nicht mal so schlecht. Wenn es denn nicht so furchtbar anstrengend gewesen wäre…der Tempoblock Anfang 2017 ist jedenfalls schon geplant.

Im Zielbereich traf ich sie dann doch noch, sie war nur kurz vor mir ins Ziel gelaufen. Hätte ich nicht so „lange“ Pause am VP gemacht, hätte ich sie eventuell auch noch bekommen.

Als ich mich umgezogen hatte und erneut zum Zielbereich gegangen war, traf ich dort auch noch Frank der grade sein Zielbier plus Zielwurst verputze.  Es waren also wider Erwarten dann doch einige Bekannte in Montabaur gewesen.

Fazit für mich; ab und an kann man solche Veranstaltungen ja besuchen bevor man daheim bleibt und nix macht an dem Tag. Man kann aber auch einfach in den Wald gehen und alleine laufen, ist dann auch nicht so hektisch.

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


8 Antworten auf „Münz Silvesterlauf in Montabaur – Was ein Stress!“

  1. Für uns ist das immer der Abschluss des Jahres mit der Laufgruppe. Ich nehme eigentlich gerne bei so Veranstaltungen teil. Gehört für mich einfach dazu in der Region an Laufveranstaltungen teilzunehmen.

    1. Es ist einfach nicht so meine Welt mich mit so vielen Leuten an eine Startlinie zu stellen und zu laufen, Laufen ist für mich die allermeiste Zeit Ich-Zeit und da kann ich keine Menschenmenge um mich herum haben. Darum starte ich in der Regel bei kleineren Veranstaltungen bzw. Freundschaftsläufen oder Läufe die eben diesen Charakter haben, das ist etwas was sich in den letzen Jahren immer mehr raus kristallisiert hat bei mir. Ich bin allerdings im Gegensatz zu dir eben auch kein Vereinsmensch und bin nicht gerne in Gruppen organisiert. Das es diese Loyalität und Solidarität unter Vereinen (bzw. deren Mitgliedern) gibt finde ich aber gut, ist nur nicht ganz so mein Ding.

  2. Hallo Sascha,

    ich bin bei solchen Veranstaltungen hin und her gerissen. Einerseits mag ich es mit Menschen am Start zu stehen die das Laufen ebenso gern tun, andererseits stehe ich manchem falschem Ehrgeiz kritisch gegenüber. Wenn ich solche Wettkämpfe laufe, laufe ich um eine gute Zeit zu erzielen, wobei manchmal gar nicht so einfach ist beim Schlangenlinien laufen. Dabei ist es mir völlig Wurst ob ich nun Platz 234 oder 434 erziele.

    Meine einzigen beiden Wettkämpfe letztes Jahr waren beides sehr kleine Wettkämpfe bei denen ich mich wohler gefühlt habe als bei Massenaufläufen.

    Viele Grüße, Eric

    1. Der Silvesterlauf war ja auch ein relativ kleiner Lauf, ich würde so auf um die 1000 Teilnehmer schätzen.

      Ehrgeizige Ziele darf ja gerne jeder haben, aber so Dinge wie ein Silvesterlauf sind meiner Meinung nach der falsche Ort für so etwas, das sind meist zu viele Teilnehmer die das Ding entweder einfach nur überleben oder genießen wollen. Dann von hinten angerast kommen (auch noch mit Hund, sprich andere Wettbewerb) und dann zu schimpfen fand ich schon frech. Ich bin ja auch auf den ersten Kilometern den anderen ausgewichen beim Überholen und habe nicht geschimpft.

      Nun ja, das war letztes Jahr und jetzt habe ich auch erstmal wieder genug von Volksläufen in der nächsten Zeit.

  3. Glückwunsch … Die Gewinner waren es sicher nicht vom hundelauf… Das waren nämlich wir und htäten gar keine zeit für Dialoge aber logischerweise hat der Mensch hinterm hund etwas stress wenn er mit hohem Tempo auf menschenmengen ohne hund aufläuft. Wir sind die strecke mit ein paar Stopps im Ziel , in 15 min gelaufen. Da kann man manchmal etwas schwer bremsen. Es wurde mehrmals beim Veranstalter angesprochen, auch schon letztes jahr und wird hoffentlich auch noch optimiert . Ein Hauptproblem war, dass ebenso viele langsame Läufer mit Stöpsel in den Ohren laufen, das geht gar nicht! Beim Rest hat es zumindest bei uns super geklappt! … Wir hatten jedenfalls spaß und auf nem wettkampf muss man eben auch damit rechnen, dass Menschen im wettkampftempo unterwegs sind. Immer easy bleiben grüßle marc und jule

    1. Hallo Jule,
      die Glückwünsche kann ich nur zurückgeben!

      Wenn er nicht der Gewinner war bzw. uns 10er erst so kurz vor dem Ziel angeholt hat dann weiß ich nicht warum er so einen Streß machen musste. Ich laufe ja selber viel mit Hund und das auch ab und an unter Menschen. Ich weiß also selber ganz gut dass ich da immer zurück stecken muss, schon alleine um die anderen Läufer nicht zu erschrecken wenn ich von hinten mit meiner Bonni ankomme. Ich finde solche Läufe wo dann sowohl die 5er, 10er und dann auch noch die Hundeläufer auf der selben Strecke sind, kann man nicht als wirkliche Wettkämpfe laufen, es zumindest nicht erwarten. Wenn man da sauber durchkommt hat man echt viel Glück gehabt.

      Grüße an euch zwei 🙂

      Sascha

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