7 Tipps, die Hundekontakt entschärfen können.



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Passend zum Beitrag „Wie sollte ich mich als Hundebesitzer verhalten?“ gibt es heute mal die andere Sicht, quasi das was ich mir als Hundehalter von euch, denen ohne Hund wünschen (und euch raten) würde.

Kommt es zum Kontakt zwischen Hund und Läufer, dann bin in meinen Augen erstmal grundsätzlich ich als Hundehalter in der Pflicht die Situation so kontrolliert wie möglich ablaufen zu lassen. Immerhin habe ich als Hundehalter die potentielle „Gefahr“ im besten Fall an der Leine und nicht wild und unkontrolliert frei laufend.

Trotzdem gibt es eben Situationen in denen auch ich von Fußgänger, Radfahrern oder Läufern überrascht werde und unter Umständen nicht mehr rechtzeitig reagieren kann, egal wie aufmerksam ich bin. Grade Läufer und Radfahrer sind ja deutlich schneller als Fußgänger und kommen auch mal an den unmöglichsten Stellen einfach aus dem Unterholz oder schmalen Pfaden auf den eigentlichen Weg.

Hier also meine Tipps für die Nicht-Hundehalter unter euch.

Tempo reduzieren.

Bitte lauft nach Möglichkeit nicht mit unverminderter Geschwindigkeit auf uns zu. Selbst wenn Bonni an der Leine ist, kann sie sich dadurch bedrängt und im schlimmsten Fall bedroht fühlen. Das normale Verhalten eines Hundes der sich bedroht fühlt wird sein dass er euch anbellt. Bellen ist per se aber kein Zeichen von Aggression sondern schlicht und ergreifend Kommunikation. In dem Fall will euch der Vierbeiner ziemlich sicher sagen dass er euch gesehen hat und es nicht ganz so gut findet dass ihr auf ihn und seinen Zweibeiner zu stürmt. Das solltet ihr respektieren denn der Rad- oder Feldweg gehört eben weder mir und Bonni noch euch alleine. Wir müssen ihn uns teilen.

Wartet bis der Hund unter Kontrolle ist.

Wenn ihr dann entweder langsamer gemacht habt oder ganz stehen geblieben seid, dann wartet bitte auch darauf dass ich euch das Ok gebe. Warum? Ganz einfach deswegen, weil ich nur dann sicherstellen kann dass ich Bonni unter Kontrolle habe. Nicht immer kommen Hunde beim ersten Befehl zum Hundehalter, klar sollten sie das. In der Realität sieht es aber eher so aus dass abgesehen von Hunden aus dem Hundesport oder Diensthunde, sie sich eben doch auf dem Weg zum Herrchen noch mal durch irgendetwas ablenken lassen. Dann dauert es eben etwas länger bis Bonni bei mir ist, Bonni hört zwar aufs Wort, aber eben nicht immer aufs erste.

Manchmal will der Hundehalter aber in dieser Situation auch noch gleich ein gewisses Verhalten trainieren und benötigt dazu noch einen Moment bis er den Hund an der Leine und von euch abgelenkt oder von euch abgewandt hat. Das kostet euch zwar dann etwas Zeit, kommt euch aber im Endeffekt auch zu Gute. Und ganz ehrlich, wenn ich eine Qualitätseinheit ohne Unterbrechungen laufen will, dann suche ich mir eine Bahn auf der ich laufen kann. Im echten Leben draußen muss man ja eh ständig mit „Störern“ rechnen und die haben nicht immer vier Beine.

Hund und Herrchen langsam passieren.

Wenn ich Bonni dann an der Leine oder sonst wie unter Kontrolle und euch das „OK“ gegeben habe, dann rennt bitte nicht sofort mit Vollgas wieder auf uns los. Geht ein paar Schritte bis ihr uns hinter euch gelassen habt und lauft langsam wieder an. Hunde sind und bleiben Jäger und auch wenn sie mittlerweile schon eine Weile domestiziert sind, reagieren sie noch immer auf schnelle Bewegung der potentiellen Beute. Wenn ihr also direkt neben uns wieder zum Sprint ansetzt kann es sein dass ihr wieder als potentielle Gefahr, Beute oder auch nur Spielkamerad wahrgenommen werdet. Viele Hunde werden in der Situation versuchen euch hinterher zu laufen, was dann in den Augen eines hundeunerfahrenen Menschen wieder so aussieht als wolle das Tier den Läufer angreifen.

Die Situation die im Grunde schon bereinigt und ohne Probleme beendet wurde, heizt sich so wieder unnötig auf. Viele Läufer berichten davon dass sie von Hunden in den Allerwertesten gebissen wurden, völlig unnötig.

Kommt nicht auf die Idee den Hund anfassen zu wollen.

Ich weiß es ist in aller Regel nicht böse gemeint wenn ihr Bonni anfassen / streicheln wollte wenn ihr uns passiert. Ihr solltet allerdings bedenken, dass ihr bis vor ein paar Sekunden noch ein fremder Mensch wart der mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu gerannt seid. Jetzt seid ihr zwar deutlich langsamer, aber eben immer noch ein fremder Mensch und kein Freund. Solltet ihr jetzt nach dem Hund greifen kann das wieder als Angriff oder Provokation gewertet werden, das Resultat könnte sein dass ihr gebissen werdet. Ich kann Bonni zwar daran hindern auf euch zu zulaufen und euch anzuspringen (was im übrigen auch nicht immer boshaft gemeint ist), ihren Kopf fixiere ich dabei in der Regel allerdings nicht.

Haltet Abstand.

Wann immer es euch möglich ist versucht bitte mehr als ein oder besser zwei Meter Abstand zu uns zu halten, wenn ihr an uns vorbei lauft. Das gibt dem Hund die nötige Sicherheit wenn er sieht, dass ihr bewusst Abstand haltet, in der Tierwelt gilt ein direkter Kontakt bzw. eine direkte Annäherung immer als Provokation. Wenn Tiere deeskalieren wollen gehen sie ganz provokativ auf Abstand und ignorieren sich. Tiere gehen in der Regel jedem Konflikt aus sprichwörtlich aus dem Weg.

Solltet ihr nicht in der Lage sein ausreichend Abstand zu halten, weil der Weg es einfach nicht hergibt dann schaut den Hund nicht an, geht an ihm vorbei und ignoriert ihn einfach.

Bedankt euch doch mal.

Ja, richtig gelesen. Ein kurzes „Danke“ hilft oft ungemein und tut gar nicht weh. Auch ich als Hundehalter bedanke mich wenn mir jemand Platz macht, wartet bis ich Bonni unter Kontrolle habe oder aber ich selber an einem Hundegespann vorbei muss und sich Hund und Halter „benommen“ haben. Mensch und Hund unterscheiden sich in der Hinsicht nicht so großartig, positive Bestätigung ist weitaus effektiver als zu schimpfen. Zeigt dem Gegenüber durch Lob und Freundlichkeit wie ihr gerne hättet dass er sich verhält. So funktioniert Hundeerziehung aber eben auch die Erziehung von wildfremden Menschen.

Der Klügere gibt nach!

Abschließend will ich noch anmerken dass es im Zweifelsfall erstmal um eure Sicherheit geht. Wenn ihr der Meinung seid Hund und Halter sollten sich anders verhalten als sie es tun, solltet ihr dennoch in der Situation erstmal nachgeben. Warum? Die Antwort ist ganz einfach, wenn es blöd läuft beißt euch der Hund. Dann ist es total egal ob ihr im Recht wart oder nicht, erstmal seid ihr die Leidtragenden und habt dann auch noch den Ärger hinterher um an euer Schmerzensgeld etc. zu kommen.

Ich lese immer wieder Aussagen wie „…dann trete ich den Hund halt weg!“ oder „ich habe immer Abwehrspray dabei…“.

Ich muss euch da leider enttäuschen, denn wenn ein Hund (Hund, keine 5 kg Fußhupe) auf euch zu stürmt und euch echt was böses will, dann werdet ihr euch in den seltensten Fällen auch wirklich wehren bzw. den Biss abwehren können. Wenn ihr einen Hund passiert der nach euch schnappt, dann macht ihr die Situation keinesfalls ungefährlicher wenn ihr ihn angreift bzw. euch verteidigt. Das gilt natürlich für den Fall, dass der Hundehalter in unmittelbarer Nähe ist und eingreifen kann.

 

Ich denke in Kombination mit meinen Tipps wie sich Hundehalter zu verhalten haben, sollten wir alle so zu 99% ohne Probleme auf den selben Trails oder Laufstrecken unterwegs sein können.

 

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


14 Antworten auf „7 Tipps, die Hundekontakt entschärfen können.“

  1. Ich wurde einmal beim Lauftraining auch von einem Hund „attackiert“. Bin wie du empfiehlst, langsamer geworden, sogar gegangen und hab versucht ihn zu ignorieren. Aber er war hartnäckig und hat sich mir immer in den Weg gestellt. Als ich mich umdrehte, ist er mir wieder vor die Füße gelaufen und hat mich angekläfft. Bin dann vorsichtig rückwärts weiter gegangen und nach ein paar hundert Metern hat er endlich aufgegeben.

    1. Wo war denn der Hundehalter? Hunde verteidigen in der Regel auch ihre „Revier“ sprich wenn du in unmittelbarer Nähe seines Zuhauses warst, dann wäre das Verhalten zumindest erklärbar, ändert aber nix dran dass der Hundehalter hier hätte seiner Aufsichtspflicht nachkommen müssen.

      Sehr gut war dass du nicht in Panik geraten bist und beispielsweise nach ihm getreten oder geschlagen hast.

  2. Wenn der Hund rechts am Wegesrand steht und der Halter links und beide mich aus großen Augen angucken – darf ich dann über die Leine springen?

  3. Danke für die Erklärungen – finde ich wirklich hilfreich!

    Noch was (wird wahrscheinlich schon durch deine ersten drei Punkte impliziert):
    Falls man sich Hund und Herrchen ungesehen von hinten nähert, sollte man sich wohl irgendwie bemerkbar machen bevor man vorbei läuft, oder?

    Grüße
    Florian

    1. Hi Florian,

      Ja das wird das Beste sein. Einfach kurz rufen, Husten, räuspern oder wie auch immer du dich bemerkbar machen möchtest. Ich rufe dann oft einfach „vorsicht Läufer“ oder eben „Vorsicht Läufer mit Hund“ wenn ich von hinten irgendwo ankommen. Meist erschrecken sich die Fußgänger aber trotzdem, egal was ich mache 🙂 Daher früh genug warnen dass man kommt.

      Gruß
      Sascha

  4. Hi!

    OK, klar sollte man nicht all zu knapp an einem Hund vorbei sprinten, den man nicht kennt. Und klar sollte man sich erstmal vorsichtiger verhalten, wenn man unsicher ist wie ein Hund sich verhält.

    In erster Linie ist aber trotzdem der Hundehalter dafür verantwortlich, dass sein Hund niemandem schaden zufügt.
    Wenn ein Hund es nicht aushalten kann, dass ein Läufer passiert, muss der Halter meiner Meinung nach dafür Sorge tragen, dass nichts passiert. Dann eben halt durch eine Leine, je nach dem vll auch Maulkorb.
    Nur weil man einen Hund halten will, kann man nicht erwarten, dass andere Rücksicht nehmen.

    Nicht falsch verstehen: ich habe ein super Verhältnis zu Hunden und nehme auch gerne Rücksicht. Man darf das aber nicht von jedem erwarten.

    Liebe Grüße

    1. Hi Willi,

      du hast natürlich vollkommen Recht. Es ist immer der Hundehalter in der Pflicht seinen Hund unter Kontrolle zu halten, ebenso wie der Autofahrer immer auf Radfahrer acht geben muss. Es sit aber sowohl für den Radfahrer als auch den Läufer eben gesünder wenn er selber etwas besser auf sich aufpasst und sich nicht auf den Autofahrer / Hundehalter verlässt, denn wenn es blöd kommt ist er halt der Doofe der blutend am Straßenrand sitzt. Da bringt es dann erstmal recht wenig auf sein Recht zu beharren. Darauf wollte ich mit meinem letzten Punkt hinaus.
      Nur wer selbst für seine Sicherheit sorgt kann davon ausgehen dass es überhaupt einer tut.

      Gruß
      Sascha

    1. Hallo Michael,

      ja deckt sich ziemlich, richtig.

      Hunde verhalten sich halt nun mal wie Tiere, da ist es immer am Menschen das zu kontrollieren. Im Gegensatz zum Menschen sind Tiere im Grunde nicht bösartig, sondern sie handeln nach ihren Instinkten.

      Gruß
      Sascha

  5. Ich wurde vor einiger Zeit von einem Hund angefallen. Der Hund ist schon an der Leine ausgeflippt und hatte sich dann los gerissen. Da war ich noch 40 Meter entfernt. Der Hund war mindestens 25kg schwer. Zum Glück war ich mit meinem Vater laufen, er war bei der Polizei Hundetrainer. Ein Schlag auf die richtige Stelle am Kopf und der Hund war erstmal benebelt am Boden. (Das hat so gescheppert ich hab gedacht das war es für das Tier) Anschließend die Polizei gerufen – wie das halt ehemalige Polizisten so machen 🙂

    Als der Hund wieder einigermaßen fit war hat er erstmal gekotzt und hat richtig demütig auf dem Boden gelegen.

    Mir ging es weder um Schmerzensgeld oder der gleichen. Aber es gibt genug Leute da draußen die haben Ihre Hunde nicht im Griff.

    Dieser Hund hat seine Lektion für diese Aktion jedenfalls gelernt.

    1. Aber es gibt genug Leute da draußen die haben Ihre Hunde nicht im Griff.

      Dem stimme ich voll und ganz zu. Hier hätte der Hundehalter richtig reagieren bzw. aufpassen müssen.

      Dieser Hund hat seine Lektion für diese Aktion jedenfalls gelernt.

      Das hier hingegen glaube ich so nicht, der Hund wird auch das nächste Mal wieder Theater machen wenn sein Halter es zulässt.

      Zum Glück ist es glimpflich für euch ausgegangen.

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