Kleiner KoBoLt – Epilog



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Kleiner KoBoLt – Epilog

 

Wie versprochen kommt jetzt der letzte Teil meines Berichts über meine Teilnahme am Kleinen KoBoLt 2016.

Ich werde des öfteren gefragt was man oder besser ich denn so auf den langen Läufen mit mir rumschleppe, welche Ausrüstung ich nutze, ob ich schlafe und was ich esse oder trinke unterwegs.

Diese Fragen möchte ich anhand des Kleinen KoBoLt versuchen zu beantworten.

Die Ausrüstung.

Die Ausrüstung ist relativ schnell aufgezählt. Klingt auf den ersten Blick eventuell etwas viel, aber ich habe bis auf das 1. Hilfe Set und Ersatzlampe auch alles genutzt unterwegs. Gerade die beiden Ausrüstungsgegenstände will man aber im Grunde auch überhaupt nicht nutzen müssen.

Am KörperInov 8 Race Ultra 10Inov 8 Race Elite 3Dropbag
Kalenji Trail Baggy ShortTrinkblase 1,5 LiterNüsse, Riegel, DattelnBaselayer kurz
Beinlinge Thr33kyRegenjacke Pearl Izumi Ultra BarrierSalz / VaselineBaselayer lang
Armlinge Thr33kyHandschuheTaschentücherLaufpulli, warm
Baselayer kurzBlack Diamond Icon plus ErsatzbatterienErsatz BuffHose lang, Thermo
Trikot Thr33kyErsatzlampe LED Lenser H7RErsatz Buff
Weste DecathlonTrinkbecherWrigthsocks
Beanie Thr33kyErste Hilfe SetSaucony ViZi Pro Jacke
Buff "Kölnpfad"Sealskinz wasserdichte SockenHandschuhe, Goretex
WrightsocksLadekabel Garmin, IPhone plus Powerbank
Mizuno Wave Kazan 2Mizuno Wave Mujin 3 G-TX
Stöcke vom Discounter

Mit den Schuhen hatte ich wie schon erwähnt gegen Ende ein wenig Probleme, was allerdings nicht an den Schuhen selbst sondern daran lag dass ich einfach zu bequem war zum wiederholten Male anzuhalten und nachzuschnüren. Ein kleiner aber entscheidender Fehler den ich schmerzhaft büßen durfte. Im Grunde ist mir bewusst gewesen dass man selbst kleinere Problem nach Möglichkeit sofort beheben sollte, bevor sie sich zu einem Großen ausweiten. Das gilt für Steinchen im Schuh genauso wie Falten in den Socken aus denen sich später ziemlich sicher Druckstellen oder Blasen entwickeln. Mir hat meine Bequemlichkeit starke Schmerzen im Spann beschert. Ein Blase habe ich auch zu verzeichnen, trotz „blister free“ Socken, was allerdings keine Schuld der Wrightsocks war. Die Blase entstand auf den ersten 15 km zwischen zwei Zehen, dort wo eben keine Socke war. Dort wo die Wrightsocks zwischen Fuß und Schuh saßen, habe ich keine Blasen oder ähnliches.

Die Stöcke haben mir bei meinen Problemen mit den Füßen enorm geholfen da ich mich auf ihnen etwas abstützen und somit den Druck vom Spann nehmen konnte wenn es bergab ging. Dafür tat mir allerdings das rechte Handgelenk schon recht früh weh, was wohl an der mangelnden Übung oder Gewöhnung gelegen hat. Die Stöcke sind ganz simple, starre Modelle vom Discounter und nicht die leichtesten, für die wenigen Male die ich sie bisher genutzt habe aber völlig ausreichend.

Rucksack und Hüftgurt haben wie erwartet anstandslos funktioniert und ich hatte ausreichend Stauraum. Ich konnte jederzeit meine Handschuhe, die Mütze und Verpflegung in einer der zugänglichen Taschen verstauen und wieder herausnehmen. Wie ich es eben grade brauchte.

Der Rest der Ausrüstung am Mann oder im Rucksack verhielt sich unauffällig, sprich tat das was sie tun sollte. Wärmte mich, hielt mich trocken und schütze vor Wind.

Aus dem Dropbag habe ich den langen Pulli, die Verpflegung und den Elektrokram genutzt. Hier hatte ich ganz bewusst viele Dinge rein getan um im Fall der Fälle genug Auswahl zu haben was die Ergänzung der Bekleidung angeht. Besser haben als brauchen war hier das Motto und schleppen musste ich ihn ja nicht.

Die Ernährung.

Das war meine größte Baustelle (neben den Schmerzen im Fuß) während des Laufs. Ich hatte zwei Tage vor dem Start starke Magen-Darm Beschwerden und dadurch viel Flüssigkeit und Nahrung / Energie verloren. Mein ursprünglicher Plan war es zwischen den VPs nur mit Nüssen und Datteln zu laufen und meine 1,5 Liter Wasser mit Maltodextrin zu pimpen. Zur Not wollte ich ein bis zwei Riegel im Rucksack haben.

Diesen Plan habe ich kurzfristig verworfen und weitere 6 Riegel mit genommen und ausreichend Energie und Füllung im Magen zu haben unterwegs. Zudem versuchte ich am Tag vor dem Start soviel Flüssigkeit und Nahrung in mich hinein zu schaufeln wie ich mit angeschlagenem Magen nur konnte. Die letzte Tablette gegen Durchfall nahm ich in Bonn nach einem Zwischenstopp auf der Kundentoilette eines Bäckers in der Hoffnung dass das Thema für die nächsten 24-32 Stunden erstmal erledigt war.

Während dem Lauf hatte ich also keine akuten Magenprobleme mehr, dafür allerdings wenig bis keinen Appetit. Ich musste mich regelrecht zwingen unterwegs zu essen, die Riegel schmeckten mir nicht und die 1,5 Liter Flüssigkeit waren mir einfach zu wenig. An jedem VP war ich entweder trocken gelaufen oder ganz knapp davor. Als Flaschentrinker kann ich bei einer Trinkblase auf dem Rücken auch schwer einschätzen wie der aktuelle Stand ist und war deshalb meist zögerlich beim Trinken um nicht zu früh leer dazustehen. Ein Fehler der sich bei jedem Boxenstopp deutlich zeigte. Ich hätte eindeutig noch mindestens eine der 500 ml Flasks mitnehmen sollen, Platz hätte ich gehabt.

Die Navigation.

Grundsätzlich ist der Rheinsteig astrein ausgeschildert und es bedarf keiner Karte oder Navigationssoftware um den Weg zu finden. Die auffälligen Markierungen hängen spätestens nach 500 Metern entweder an einem Baum, einem Pfahl, Straßenschild oder auf einem Stein. Tagsüber überhaupt kein Problem sich nicht zu verlaufen, nachts sieht das allerdings etwas anders aus. Insgesamt haben wir uns, wenn ich mich nicht verzählt habe 5 mal verlaufen. Alles nach Einbruch der Dunkelheit. Auch wenn wir nie mehr als 500 Meter falsch gelaufen sind, summiert sich das natürlich am Ende der Nacht. Bei Wandertempo können 5 zusätzliche Kilometer schon mal 60 oder Minuten ausmachen. Zwar hatte Frau Laufstrumpf die Strecke auf dem Handy, aber das nutzten wir zu Beginn nur dann wenn wir dachten wir hätten uns verlaufen. Im späteren Verlauf habe ich dann die Sprachnavigation von Komoot aktiviert was mir gut geholfen hat denn die App weist einen rechtzeitig (meistens jedenfalls) auf Kursabweichungen und markante Wegpunkte und Abzweigungen hin. Etwas verwirrend ist die Anweisung „Kehren sie um!“ denn die kommt auch wenn es sich um eine Spitzkehre handelt, was im Wald ja nicht selten vorkommt. Das kann den Anwender dann schon verwirren und man sollte ab und an vorher auf die Karte schauen bevor man wirklich umkehrt.

Die Navigation (und Routenplanung per Webinterface) klappt auch wunderbar wenn man mit dem Rad unterwegs ist.

Die Müdigkeit.

Auch das war dieses Mal ein Problem obwohl ich die Tage davor mehr geschlafen hatte als zum Beispiel vor dem Rheinburgenweglauf. Allerdings war das auch auf Grund meines Gesundheitszustands auch dringend nötig und keinesfalls „Bonusschlaf“.

Die schlimmsten Tiefpunkt hatte ich wieder so nach knapp 19 bis 20 Stunden auf den Beinen. Bei einer Laufzeit von um die 24 Stunden „lohnt“ es sich nicht zu schlafen wie ich jetzt weiß. Sollte ich allerdings mal Läufe angehen die deutlich länger gehen, werde ich frühzeitig Ruhepausen einplanen müssen. Auch Schlaf ist wie Nahrung und Flüssigkeit eine Resource die man sich einteilen sollte.

Eat before you are hungry,

Drink before you are thirsty,

Walk before you have to and

Sleep before you need to.

Im Grunde vier recht einfache Regeln an die ich mich in Zukunft penibel halten werden.

Das Training.

kurz und bündig. Es war nicht ausreichend um relativ komfortabel durch den Lauf zu kommen. Grund hierfür war allerdings nicht das Training an sich, sondern mein häufiger Ausfall in der direkten Vorbereitung. Die Grundlage hat soweit gestimmt und wenn mir der Fehler mit den Schuhen nicht unterlaufen wäre, wäre ich bestimmt etwas schneller gewesen bzw. wäre bei unserem Tempo etwas sicherer unterwegs gewesen. Ich bin allerdings zuversichtlich dass ich nach einer ausreichend langen Erholungsphase in 2017 mein Training wieder vernünftig durchziehen kann. Sollte ich allerdings auch, denn wenn mir das Glück hold ist starte ich 2017 auf der 140 km langen Strecke des KoBoLt.

Jetzt bleibt mir erstmal nix als mich bei euch zu bedanken, falls ihr es überhaupt bis hierhin geschafft habt und nicht vorher schon kapituliert habt 🙂

 

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


11 Antworten auf „Kleiner KoBoLt – Epilog“

  1. Hammer Story, Hammer Lauf. War keineswegs zu lang der Bericht, viel mehr super interessant. Großer Respekt vor Eurer Leistung. Tolles Teamwork. War klasse zu lesen, Daumen hoch (y)

  2. Toll! Ich liebe es wenn sich jemand Zeit nimmt und das Erlebte aufschreibt und zwar so fesselnd wie hier. Hier schrieb die Leidenschaft für den Sport mit, Respekt für den Bericht und logischer Weise für den Zieleinlauf, mein lieber Sascha! Ich bewundere Euch, die Ihr solche Distanzen absolviert, ich hab schon Schiss vor 100km MTB 😉

    1. Vielen Dank Ansgar!
      Freut mich wenn es dir gefallen hat, irgendwie hatte ich so überhaupt keine Probleme das alles niederzuschreiben und immer noch das Gefühl jede Menge vergessen zu haben.

      Gruß
      Sascha

      Ach…bei 100 km auf dem MTB hätte ich jetzt aber auch ein seltsames Gefühl

  3. Lieber Sascha, liebe Franzi,

    Was für ein Leistung! Ich konnte Franzis Durchhaltevermögen trotz widrigster Umstände, dieses Jahr ja schon am ZUT bewundern. Man liest dir so richtig an, dass du die lange Strecke einfach genießt. Dass du dich mit den nötigen Fakten beschäftigst, aber das Laufen nicht zerdenkst. Für mich ist das ja nachwievor eine unvorstellbar lange Strecke und das auch noch im Winter, bei Feuchte, Kälte und Dunkelheit.
    Aber was du mir mit deinem Artikel wieder verdeutlicht hast ist die Essenz von Ultratrail, die momentan, da sind wir uns ja einige, etwas verkommerzialisiert wird. Danke für deinen Einblick und von Herzen eine große Bewunderung und Glückwünsche für eure Leistung!

    LG
    Flo

    1. Hi Flo,

      danke für die netten Worte. Sorry dass ich erst jetzt antworte, aber du lagst im Spam Ordner! Kommt nicht wieder vor.

      Franzi ist ein Tier, kann man nicht anders sagen. Sie kämpft und beißt sich durch, so sollte das auch sein. Jeder Ultralauf ist ein Kampf gegen die eigenen Grenzen und das ist auch das was uns im hinteren Feld mit denen an der Spitze verbindet, jeder leidet irgendwann auf solchen Distanzen.

      Die Stimmung vor, während und nach dem Lauf war grandios. Liebevoll, freundschaftlich und familiär, anders kann ich es nicht beschreiben. Wenn nach dem Lauf einer der Veranstallter (Michael) auf dich zu kommt, dir die Hand schüttelt, dich beglückwünscht und sagt „hey wir kennen uns noch gar nicht, ich bin der Michael, danke dass du da warst“ dann zeigt mir dass das jeder Teilnehmer hier wichtig und willkommen ist.
      Der Rundum Service nach dem Zieleinlauf und an den VPs ist einer der Besten die ich kenne und an keinem der VPs habe ich Helfer gesehen die genervt waren weil sie die ganze Nacht in der Kälte stehen mussten nur um mir eine Suppe zu reichen. Einfach toll.

      Gruß
      Sascha

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