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Bevor Du was tust überleg ob es nicht zu schwer für Dich ist – 80 km Moselsteig



Geschätzte Lesezeit: 13 Minuten, 54 Sekunden



Dieser Lauf war kein Training im eigentlichen Sinne, dieser Lauf war „ein Tag in der Natur“. Diejenigen unter euch die über das Stadium „laufen ist anstrengend und ein Muss“ hinaus sind und die körperliche Anstrengung in der Tat genießen können, diejenigen die nach der Arbeit laufen gehen um abzuschalten werden das kennen. Laufen kann befreien, kann die Gedanken sortieren und dabei helfen sich zu sortieren. Genau das war der Grund für diesen Lauf über den Moselsteig.

Ich hatte nicht viel geplant für den Lauf, lediglich grob ein paar Etappen ausgewählt die so in etwa die Distanz ergaben die ich laufen kann. Heraus kam die Strecke von Ediger-Eller nach Winningen wo mein Auto stand. 109 km lang und 3500 hm. Wer den Moselsteig kennt weiß dass es sich dabei zum großen Teil um wirklich technische Höhenmeter handelt. Die Strecke ähnelt dabei rein von den Zahlen dem kleinen KoBoLT den ich im Dezember laufen werde. Mein Motto lautete #soweitdiefüßetragen und ich wollte einfach mal schauen wie lange ich unterwegs sein könnte bis ich entweder die Lust verlieren oder einfach nicht weiter können würde. Das schöne am Moselsteig ist dass er komplett touristisch erschlossen ist und jede Etappe an einem Bahnhof endet bzw. beginnt. Ideal wenn man irgendwo aussteigen will um heimzufahren. Ich hatte also eine saubere Exitstrategie und konnte entweder mit dem Zug, oder auf dem direkten Weg an der Mosel entlang zum Auto. Perfekt.

Bereits am Vortag testete ich auf einer kleinen Hunderunde meine Ausrüstung die ich auf dem Moselsteig mitführen wollte. Allerhand Zeug und damit war mein Inov8 Race Ultra 10 dann auch voll. Ein paar Tage zuvor hatte ich mir noch ergänzend den Race Elite 8 Waistbelt gekauft der bei dem Lauf zum zweiten Mal auf einem längeren Lauf zum Einsatz kommen sollte. Beim Brockenmarathon war er schon eine tolle Ergänzung zum Vest Pack 1 von Orange Mud. Und weil ich die Socken von Wrightsocks ja dankenswerterweise zum Testen bekommen habe, will ich sie hier auch noch erwähnen. Dann ist aber echt Schluss mit Werbung 🙂 Ok, gut im Fazit werde ich noch ein paar Worte über meine Ausrüstung an dem Tag verlieren.

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Gepackt sah das Ganze dann so aus. Mit dabei hatte ich gute 3,5 Liter Wasser-Malto-Mix, vier Riegel und eine Packung Studentenfutter. Da ich eh nicht für bis zu 109 km Verpflegung mitschleppen konnte und wollte sollte / musste das eben reichen. Vorteil eines großen Wanderweges der immer wieder runter an die Mosel führt ist unter anderem eben auch dass man dort Tankstellen und Läden findet wo man auffüllen kann. Dieser Umstand war Teil des Plans.

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Zum Start.

Ich stellte mein Auto, wie erwähnt in Winningen an der Mosel ab und stieg um 06:30 in die Regionalbahn nach Ediger-Eller. Die Fahrt sollte ziemlich genau 50 Minuten dauern. Genug Zeit um noch ein wenig zu dösen und eine Toilette gab es auch. Da mir kalt war zog ich bereits im Zug meine Beinlinge über, tolle Ergänzung die ich jeder Zeit einer langen Hose vorziehen würde. Eigentlich würde ich jetzt schreiben dass die von Thr33ky sind, wollte ja aber keine Werbung mehr machen.

Mein Zugticket kaufte ich vollkommen umsonst, denn um diese Uhrzeit wurde ich leider nicht kontrolliert.

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Ich bin ja eigentlich nicht so der bunte Typ, aber an dem Tag sah ich ein wenig aus wie ein Papagei.

Am Start. Etappe 17 Moselsteig Ediger-Eller bis Beilstein

Die Bahn spuckte mich also in Ediger-Eller aus, aus meiner Zeit in Wittlich war mir der Name noch bekannt, ich glaube wir hatte da Kundschaft. Am Bahnhof zog ich auch direkt meine Jacke über, hatte also schon jetzt fast alles an was ich im Rucksack hatte. Mir war aber klar dass sich das nach ein paar Kilometern wieder ändern würde, erstmal warm werden und dann die Klamotten wieder aus bevor ich zu sehr schwitzen würde. Nassgeschwitzt würde ich den Kram nämlich nicht mehr ausziehen wollen.

Dank Stirnlampe fand ich dann auch recht zügig den Eingang zum Moselsteig welcher erstmal auf einer Landstraße verlief um dann nach kurzer Zeit auf einen Feldweg einzubiegen. Die 70 Höhenmeter gleich zu Anfang sorgten dann auch dafür dass ich erst die Jacke und dann an der nächsten Bank auch die Beinlinge auszog.

Gleich hinter der ersten Kurve standen dann auch schon die ersten Rehe im Weinberg und starrten mich an. Der Lauf begann also schon mal toll. Wie Rehe so sind, zogen sie dann aber auch gleich davon bevor ich die Chance hatte ein Foto zu machen. Dafür knipste ich dann eben Ediger, wobei ich glaube dass es eher Eller war. Naja egal. Sollte ein Einheimischer das lesen, so darf er mich gerne korrigieren.

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Typisch zu dieser Jahreszeit sind die Nebelschwaden über dem Moseltal und je öfter ich die Mosel so sehe, desto mehr komme ich als zu dem Entschluss dass sie deutlich schöner ist als Gevatter Rhein. Die „kleine“ Mosel ist einfach in großen Teilen deutlich wilder und ursprünglicher gehalten auch wenn sie natürlich schon lange eine Art Autobahn für den Güterverkehr darstellt. Naja wenigsten brennen an ihren Ufern keine Chemikonzerne…

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Selfiealarm…

Der Wald oberhalb von Ediger-Eller scheint ein beliebtes Ziel der Generation 40+ zu sein, wer sonst läuft mir Walkingstöcken durch den Wald…oh warte… Mist. Ich hatte ausnahmsweise mal wieder Stöcke dabei. Seit gut 3 Jahren bin ich, egal wie viele Höhenmeter mich erwartet haben immer ohne gelaufen. Warum dann heute? Der kleine KoBoLT findet im Dezember statt, im Dezember kann es dann auch schon mal viel schneien und die Strecke dürfte dann um einiges schwerer zu laufen sein. Da man dort keine Stöcke in die Dropbags packen darf, wollte ich mal wieder das mit den Stöcken testen. Was soll ich sagen? Sie helfen in der Tat ungemein beim Laufen, machen es deutlich einfacher. Ich weiß schon warum ich bisher drauf verzichtet hatte. Nach Fitness mit Stöcken war mir zu dem Zeitpunkt aber trotzdem nicht und so lief ich weiter in Richtung der Römergräber. Das Schild irritierte mich dann aber etwas, denn ich konnte absolut nichts erkennen außer „Dreck“. Ok…das in einer Region die epochenweise stark von Römer bewohnt war auch irgendwo ein paar Knochen in der Erde liegen, liegt auf der Hand. Von daher durchaus legitim einfach mal ein Schild an den Baum zu nageln und Touris zu beeindrucken. Ein paar Hundert Meter sah ich dann ein Schild dass wohl zu den „echten“ Grabanlagen führte, die 800 Meter Umweg hab ich mir dann aber gespart.

Die ersten Kilometer führten mich also oberhalb Ediger-Eller und Nehren durch die Weinberge, typischerweise auf Wirtschaftswegen und Schotter. Zum Einrollen ganz angenehm und der Ausblick auf das Moseltal entschädigte für den Untergrund. In Nehren war ich dann etwas überrascht davon dass der Moselsteig die Seite wechselte, ich war also top vorbereitet auf die Strecke wie man sieht. Die Idee gefällt mir aber gut, so hat man nicht einfach zwei Wanderwege „gebaut“ sondern gibt auch der anderen Moselseite die Chance am Steig teilzuhaben.  Touristisch durchaus sinnvoll finde ich.

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Übergang in Nehren auf die andere Moselseite.

In Holland sind wohl Ferien, das ist mir generell auf der ganzen Tour aufgefallen. Gefühlt 99% der Touris kamen aus dem Königreich, Urlaub in den „Bergen“ quasi.

Nach knapp 11 Kilometern hatte ich schon etwas über 300 Höhemeter auf der Uhr, kann sich sehen lassen.

Wie sehr diese Region vom Tourismus lebt, kann man unter anderem an den extrem vielen Schautafeln erkennen. Dort findet man immer wieder zum Teil interessante Informationen zur Region. Zum Beispiel dass es dort bereits 1786 eine Art Planwirtschaft gab weil der damalige Erzbischof und Kurfürst (wie praktisch) die Entscheidung zu Gunsten des Rieslings traf. Ein Entscheidung die bis heute den Weinbau der Region prägt.

 

Als ich dann oberhalb von Senheim diese seltsamen Dinger im Weinberg sah, dachte ich erst an eine Art Vogelschreck der Weinbauern, die Infotafel belehrte mich dann eines Besseren. Das ist Kunst. Aha. Gut dass das dran steht, ich wäre im Leben nicht drauf gekommen.

Es ging wieder auf etwa halber Höhe im Moselhang entlang was wie immer einen tollen Ausblick auf die Mosel gab. Dort fand ich dann auch die Liebeslaube, da die aber alleine recht wenig Sinn ergibt, zog ich weiter

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Auf dieser Seite der Mosel gab es so dermaßen viel zu fotografieren, dass ich absolut nicht in Tritt kam. Danke Tourismusbehörde, da habt ihr euch echt viel Mühe gegeben für die Wanderer. Eine komplette Weinbergmauer war gespickt mit Steintafeln die Abbilder lokaler Persönlichkeiten zeigten, angefangen vom Ortsvorsteher, einer Sagengestalt bis hin zu einem Winzerehepaar. Eine echt tolle Idee der Gemeinde Mesenich! Mich kostete der Abschnitt extrem viel Zeit da ich mir jede Tafel anschaute und den Text dazu las.

Bevor Du was tust überleg ob es nicht zu schwer für Dich ist. Klick um zu Tweeten

Diesen Spruch fand ich auf einer Vorrichtung mit der man unterschiedlich schwere Steine anheben konnte, wenn man es denn konnte. Ausprobiert habe ich das aber nicht, muss ich gestehen.

Der Spruch an sich blieb mir aber den ganzen Lauf über im Kopf. Ich persönlich bin der Meinung dass nichts auf der Welt zu schwer ist um es nicht wenigstens zu probieren. Wie sollte ich denn sonst auch Ultras laufen? Welcher „normale“ Mensch kommt denn heutzutage auf die Idee viele Stunden zu Fuß unterwegs zu sein? Wenn man die Option des „Scheiterns“ nicht völlig ausschließt, gibt es nichts was es nicht wert ist angegangen zu werden.

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Briederner Schweiz.

Hinter Briedern begann dann der erste wirkliche Trailabschnitt an dem Tag. Die Briederner Schweiz ist ein in etwas 3 km langer Singeltrail der die beiden Orte Briedern und das Örtchen Beilstein verbindet. Beilstein ist toll! Schaut euch mal die Bilder auf deren Homepage an, ein kleines gemütliches Mittelalterstädtchen! Die obligatorischen Warntafel für Wanderer deutet immer auf etwas Spaß hin, mehr oder weniger geübte Trampelpfadläufer müssen sich aber in der Regel keine großen Sorgen machen. Sehr urig dieser Abschnitt, genau mein Ding im feuchten Herbstwald über schmale Pfade zu düsen.Ich hoffe ihr verzeiht mir dass ich größtenteils mit Genießen beschäftigt war und es nur ein paar Fotos gibt.

Über Beilstein thront die Ruine der Burg Metternich. Beilstein ist auch das Ende der 17. Etappe des Moselsteig, meiner ersten Etappe an dem Tag. Schöner kann eine Etappe nicht enden finde ich.

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Etappe 18 – Beilstein bis Cochem

Zwischen Beilstein und Bruttig-Fankel führt der Moselsteig wieder zum Teil durch bewaldetes Gebiet aber auch durch Weinberge bzw. Kulturlandschaften. Die Treppen sind wieder für Daniel, nur zur Erinnerung 😉

Bei Bruttig-Fankel habe ich mich dann das erste Mal über die Streckenführung geärgert. Sonst war sie ja immer sehr logisch, wenn schon nicht immer aus läuferischer Sicht dann wenigstens aus der der Tourismusverbände. Aber hier, seht selber…

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Was bitte sollte das denn? Der Moselsteig führt nicht mal in den Ort sondern nur knapp dran vorbei nur um dann auf haargenau der gegenüber liegende Seite wieder auf einen Feldweg abzubiegen. Ok, der direkte Übergang bietet ein gewisses Gefahrenpotential so nah an einer Kurve…das wird dann schätzungsweise auch der Grund für den Schlenker sein.

Die nächsten Kilometer vergingen dann wieder wie im Flug, ich verlief mich kurz hinter Bruttig ein wenig was mir ca. einen Kilometer mehr einbrachte. Sehr ärgerlich, aber ich hatte einfach nicht gut genug aufgepasst. So ist das nunmal, dabei ist die Navigation auf den meisten Wanderwegen doch recht einfach.

Läuft man auf eine Markierung zu, läuft man eben dran vorbei und dreht sich kurz um. Sieht man dann am selben Pfeiler / Baum wieder eine Markierung ist man richtig. Sieht man sie nicht, dann eben nicht. Die Schilder sind nämlich immer so angebracht dass man aus beiden Laufrichtungen drauf zulaufen sollte. Zumindest zu 99% ist das so, ab und an fehlt mal eine Markierung. Hier gilt aber dann wenn man nach spätestens 200 Metern keine Weitere sieht ist man wieder falsch. Ganz einfach, auch wenn man etwas schneller unterwegs ist als die Zielgruppe dieser Wanderwege. Dennoch würden manchen Abzweigungen ein oder zwei weitere Markierungen direkt danach auch nicht schaden. So hat mal direkt Gewissheit dass man richtig ist. Naja oder man hält halt die Augen auf und träumt nicht vor sich hin. In meinem Fall gestern war u.a. eine mir entgegen kommende Läuferin „schuld“ an meiner kurzen Aufmerksamkeitsschwäche. Da helfen dann auch mehr Schilder nicht schätze ich.

Etappe 19 – Cochem bis Treis-Karden

In Cochem füllte ich dann meine Vorräte auf, passte ganz gut zur Mittagszeit. Cochem war von vorneherein auch als solches geplant, da ich wusste dass es dort viel Tourismus gibt und somit auch jede Menge Möglichkeiten zum auftanken.

Nach Cochem, irgendwo in Klotten verlief ich mich dann erneut. Diesmal ohne weibliche Beteiligung. Als ich dann meine Runde gedreht hatte, drehte ich um und sties auf zwei ältere Herren. Einer der beiden war der ehemalige Ortsvorsteher von Klotten, der perfekte Mann um mir den Weg Richtung Koblenz zu weisen. Ich erfuhr dann auch gleich einiges über die Wegführung, die genaue Streckenbeschreibung ins Dortebachtal und einen Teil der Chroniken von Klotten. Er war etwas erstaunt dass mein Auto in Winningen stand und dass ich da am selben Tag noch ankommen wollte. „Das schaffen sie aber heute nicht mehr junger Mann!“ Werter Herr, auch wenn ich etwas geschummelt habe, habe ich es dennoch geschafft. Vielen Dank fürs Wegweisen!

Oberhalb von Pommer steht eine große Sonnenuhr, die mangels Sonne natürlich nicht wirklich funktionierte. Zu diesem Zeitpunkt war ich etwa 8 Stunden unterwegs und hatte an die 55 km auf der Uhr. Langsam reifte der Plan bei Dunkelheit den Moselsteig zu verlassen und mich ab jetzt von Etappenziel zu Etappenziel zu hangeln. Ich hatte allerdings keine körperlichen Probleme, es gab also keinen Grund aufzugeben. Sieht man mal von der Tatsache ab dass ich grade mal die Hälfte der Strecke zu meinem Auto geschafft hatte bis hier hin.

 

Hinter Pommern, oberhalb Treis-Karden am Gipfelkreuz traf ich auch einen älteren Läufer der dort seine Dehnübungen machte. Wir unterhielten uns kurz und als er fragte wie mein weiterer Plan aussah und von von ich gestartet war hörte ich nur ein kurzes „Oh…“ und sah ein verwundertes Kopfnicken. Knapp 60 km hatte ich dort in den Beinen. Nach ein paar Minuten zog ich weiter in Richtung Buchsbaum Wanderpfad der nach Treis-Karden begann. Nicht ohne noch einen Tipp für eine Abkürzung bekommen zu haben, damit hätte ich mir den Weg durch den Ort gespart. Der Weg war allerdings an dem Tag das Ziel und so blieb ich auf dem Moselsteig.

Der Buchsbaum Wanderpfad ist ein kurzer zum Teil klettersteigartiger Pfad, der mir schon auf einer der Touren mit den Hunsrückern gut gefallen hatte. Damals waren wir ihn allerdings aufsteigend gelaufen. Sehr anstrengend, aber schön.

Etappe 20 Treis-Karden bis Moselkern

Moselkern sollte in Anbetracht der späten Stunde mein letztes Etappenziel auf dem Moselsteig sein. Es gibt verschiedene Gründe warum ich nicht gerne bei Dunkelheit im Wald bin. Neben der Tatsache dass ich der Meinung bin dass der Wald nachts seine ruhe haben sollte, ware an dem Tag ausschlaggebend dass ich alleine unterwegs war und mit die Unfallgefahr zu hoch war. Es wusste keiner so genau wo ich mich befand und sollte etwas passieren kommt dort um diese Uhrzeit kein Mensch mehr vorbei. Nebenbei sagt die Abwesenheit von Eicheln und Bucheckern auf dem Boden eines Eichen- und Buchenwaldes einiges über dessen Bewohner aus. Auch wenn ich mittlerweile mit Sicherheit wie ein kapitaler Eber roch mit dem sich keiner anlegen würde, wollte ich das Risiko nicht eingehen. Ich lief also weiter in der beginnenden Dämmerung durch den Wald um möglichst schnell in Moselkern anzukommen.

Der Burg-Eltz weg wartete allerdings noch auf mich. Ein besonders steiles Stück kurz hinter Müden nach Müdenerberg. Knapp 1000 Meter und 140 Höhenmeter brachten mich nach 65 km noch mal ordentlich zum Schnaufen. Dieser Weg ist auch Teil meiner langen Variante der 2 Burgen Tour.

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Oben angekommen ging es dann wieder einen Teil auf Asphalt

Ich war am Ziel….stand zumindest auf der Straße geschrieben. Weiterlaufen musste ich dennoch, kein Zielbier, keine Medaille hier oben und mein Auto war auch wo anders.

Ab hier war ich auf sehr vertrauten Pfaden unterwegs, der Wald um die Burg Eltz gehört zu meinem Laufrevier. Das war Vor- und Nachteil zugleich denn ich befand mich in unmittelbarer Nähe meines Zuhause, wäre mein Haustürschlüssel nicht im Auto gelegen, wäre ich wohl abgebogen und nach Hause gelaufen.

Etappe 21 Moselkern bis Hatzenport (Löf)

Als ich in Moselkern vom Moselsteig stieg, setzte grade die Dunkelheit ein. Perfektes Timing also für den Ausstieg. Wobei, Ausstieg war relativ denn ich musste ja noch irgendwie zu meinem Auto kommen. Jetzt direkt in den Zu zu steigen kam nicht in Frage denn solange ich körperlich noch fit genug war wollte ich laufen. Klar war ich mittlerweile müde und auch die Beine waren nicht mehr so frisch, aber am Ende war ich noch nicht. Ein gutes Gefühl. Mein Minimalziel wenigstens die 80 km voll zu machen sollte also erreichbar sein.

Ich verstaute die Stöcke, schloss meine Fenix an den Strom an und dackelte an der Mosel entlang durch die Dunkelheit. Mit jedem Kilometer schwand allerdings die Lust die gesamten 23 km bis zum Auto zu laufen, nach über 70 km auf schönsten Moseltrails war der Asphalt nicht gerade die Erfüllung. Erschwerend kam hinzu dass ich anfing zu rechnen wann in etwa ich daheim sein würde und ob dann die Pizzeria noch offen haben würde. Den ganzen Tag hatte ich mich schon auf die Abschlusspizza gefreut und wollte das nicht riskieren. Als hätte mein Körper das mitbekommen, fing auch mein linkes Knie auf Asphalt an zu schmerzen. Der perfekte Grund aufzuhören denn auch mein Wasser war alle. So lief ich also noch bis Hatzenport, trabte zum Bahnhof und saß keine 5 Minuten später im Zug Richtung Winningen. Perfekter hätte das Timing ja fast nicht sein können. Genialerweise standen dann am Bahnhof auch nicht ziemlich genau die 80 km auf der Uhr.

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Mein Fazit.

Toll. Der Moselsteig ist definitiv eine Reise wert. Landschaftlich toll und abwechslungsreich gestaltet schlängelt sich der Steig auf der Moselhöhe entlang und führt regelmäßig hinunter auf Moselniveau. Die einzelnen Etappen sind mit 12-25 km sowohl für Wanderer als Tagestour als auch als Läufer sehr gut machbar. Durch die Bahnverbindung zwischen den Etappenorten kann man auch wunderbar mehrer Etappen kombinieren.

Mit der getragenen Ausrüstung bin ich mehr als zufrieden, auch wenn ich mir doch tatsächlich eine Blase gelaufen habe und das trotz der Wrightsocks. Potzblitz, die sagen doch dass man blasenfrei sein würde… Naja ich weiß aber auch woran es lag, nämlich am Schuh. Der Saucony Peregrin 6 hat eine für mich recht feste Fersenkappe die grade in den Bergaufpassagen immer drückt und reibt. Dafür ist er dann aber auf den Bergabpassagen und Flachstücken echt bequem, wie ich jetzt weiß auch auf der langen Strecke. Die Blase war dann also eher Abrieb als Blase. Nichts was mich großartig behindert hat, zumal das Problem erst recht spät irgendwo bei km 60 oder so das erste Mal auftrat.

Der Race Elite 3 Waistbelt von Inov8 ist eine geniale Ergänzung, das muss ich einfach mal so sagen. Ich bereue den Kauf absolut nicht, denn das Teil sitzt perfekt auf der Hüfte und wackelt nicht. Ich hatte meine Verpflegung und ein zusätzlichen Buff dort verstaut, perfekt für mich gestern.

Wie geht es mir heute, einen Tag später? Erstaunlich oder besser erfreulich gut. Mein Körper scheint die Belastung gut weggesteckt zu haben, auch wenn ich in der Nacht recht häufig wach wurde und trinken musste. Die 4,5 Liter auf der Tour gestern waren wohl nicht ganz ausreichend.

 

Achja, die Pizza hab ich dann noch bekommen 🙂

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Der Lauf bei Strava

 

 

 





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20 Antworten to “Bevor Du was tust überleg ob es nicht zu schwer für Dich ist – 80 km Moselsteig

  • Ich habe deinen Bericht und Fotos begeistert gelesen

  • Echter Wahnsinn, einfach mal so solch ein Ding laufen. Großer Respekt (y)

  • Coole Aktion und ein sehr schöner Bericht! Chapeau!

  • Toll. Ein wirklich schöner Bericht, und wunderbare Bilder. Das ist eine Strecke, die meinen Füßen auch gefallen würde. (Vielleicht nicht in der Länge. 🙂

    Ich liebe die Gegenden der Mosel, und werde sie bestimmt in dem einen oder anderen Urlaub wieder besuchen. Schon allein deswegen gefiel mir der Bericht besonders.

    Schön fand ich auch, dass ich ein paar der Gegenden wieder erkannte, z.B. diesen Aufstieg zur Burg Eltz. (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob du nun dieselbe Strecke gelaufen bist wie wir damals.)

    Wir sind den Weg in 2006 in voller Motorradmontur (samt Helm unterm Arm) bei einer Affenhitze hochgestapft.
    Wenn ich mich recht erinnere, gab es einen schönen Weg, der die ganze Zeit bergauf führte. Irgendwann sahen wir auch die Burg (fast auf derselben Höhe wie wir) mussten aber feststellen, dass wir noch einmal komplett runter in ein Tal und wieder hoch zur Burg mussten…
    Trotz dieser (für uns damals) erschreckenden Wegführung, war das ein tolle „Wanderung“.

    Zudem ist das natürlich eine beeindruckende Leistung von dir, ich weiß dass mir derzeit wohl (allerspätestens – und das ist hoch geschätzt) bei 50 km die Lichter ausgingen. Das du „mal eben“ 80 km laufen kannst und nur wegen einer Pizza und der Dunkelheit „abbrichst“ zeugt von einer beeindruckenden Grundkonstitution. 🙂

    Ach ja:
    Diese Konstruktion mit den Steinen und dem Spruch ist toll. Einfach weil sie das Denken infrage stell und zum Denken zwingt. Vor allem weil die Steine ja deutlich machen, dass man den angebotenen Krafttest ja problemlos machen kann, ohne zu überdenken, ob man es schafft. 🙂

    • Sascha

      Hallo Dirk,

      Dankeschön für die netten Worte. Du bist herzlich eingeladen mich mal an der Mosel zu besuchen, wir bekommen jede erdenkliche Streckenlänge hin 🙂

      In Lederkombi wollte ich nicht ums Verrecken da den Anstieg hoch, Respekt! Die Burg Eltz ist toll, wenn man nicht weiß wo sie ist dann findet man sie selbst dann nicht wenn man nur noch ein paar Hundert Meter entfernt ist. Das ist auch ein Grund warum die Burg so ausgezeichnet erhalten ist, sie liegt einfach zu versteckt.

      Ich war selbst etwas überrascht davon dass es mir so „leicht“ gefallen ist, ich hatte damit gerechnet mehr zu leiden auf der Strecke. Eine meiner Theorien ist ja dass die Stöcke ungemein geholfen und Entlastung gebracht haben, ich laufe ja sonst nie mit Stöcken. Eine andere Theorie ist meine Ernährungsumstellung. Mein Training in den letzten 4 Monaten kann auf keinen Fall der Grund gewesen sein 🙂

      Der Spruch und die Konstruktion hatte einfach perfekt gepasst zu dem Tag, eben weil ich so wie du schon geschrieben hast, nicht groß drüber nachgedacht habe was ich da tue sondern einfach gelaufen bin.

  • Toller Bericht! Deine Bilder machen fast Lust darauf, mal an die Mosel zu fahren um dort zu laufen 😉
    Was ich besonders gut finde, ist, dass du das Ganze rein zum eigenen Spaß und völlig ohne Wettbewerbsgedanken gemacht hast.

    Beste Grüße aus dem Süden
    Florian

    • Sascha

      Vielen Dank, sollte es dich mal hier her verschlagen, gib Bescheid dann laufen wir zusammen.

      Ich laufe selbst meine „Wettkämpfe“ ausschließlich zum Spaß, für alles andere bin ich eh zu langsam 🙂

      Gruß
      Sascha

  • Was du so wegläufst – Hut ab. Man fühlt sich sofort mitgenommen und motiviert. Danke dir dafür.
    Viele Grüße, Eric

    • Sascha

      Bitte gern geschehen, andere zu motivieren ist ein Grund warum ich das Ganze hier im Blog „breit trete“ 🙂

  • Danke für diesen super schönen Bericht! Die Bilder machen so Lust auf einen langen Lauf durch die Natur. Größten Respekt vor dieser langen Distanz. Du bist eben so ultra 🙂

    • Sascha

      Dankeschön Spatz,
      dann habe ich mit den Bildern ja mein Ziel erreicht. Wie ultra ich bin zeigt mir mein Körper grade ganz gut in dem er mich für diese Tour mit einer Rotznase gestraft hat 🙂 Aber wenigstens geht’s den Knochen gut.

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