Gefahren auf dem Trail – Unterkühlung (Hypothermie)



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Gefahren auf dem Trail – Unterkühlung (Hypothermie)

Nach dem Artikel über den Hitzschlag, komme ich heute zu einem anderen Extrem. Der Unterkühlung. Das mag jetzt für den Einen oder Anderen in der Tat sehr extrem klingen, ist aber überhaupt nicht so selten und unrealistisch. Habt ihr euch schon mal darüber Gedanken gemacht warum in die meisten Pflichtausrüstungen bei (alpinen) Trailwettbewerben neben einer 2,5 lagigen Regenjacke auch eine lange Hose und warme Bekleidung gehört? Richtig, wegen der Gefahr der Unterkühlung. Auch die allseits beliebte Rettungsdecke ist genau aus diesem Grund etwas was in jedem Trailrucksack enthalten sein sollte. Egal zu welcher Distanz ihr aufbrecht. In restlichen Artikel werde ich den medizinischen Fachbegriff Hypothermie verwenden. „Hypo“ kommt aus dem altgriechischen und bedeutet „unter“.

Was ist eine Hypothermie?

Der Begriff Hypothermie beschreibt den Zustand des (menschlichen) Körpers nach einer Kälteeinwirkung. Die Wärmeabgabe des Köpers war für längere Zeit höher als die körpereigene Wärmeproduktion. Entscheidend ist hier dass die Körperkerntemperatur herabgesetzt ist, sinkt sie unter 36° C spricht man von einer Hypothermie.

Auslöser einer Hypothermie

Wie fast immer in der Medizin gibt es mehr als einen Auslöser für einen gewissen Zustand. Folgende Faktoren begünstigen eine Hypothermie:

  • Wind und hohe Luftfeuchtigkeit
  • zu langer Aufenthalt im Wasser
  • unzureichende oder feuchte / nasse Bekleidung
  • zu wenig Bewegung oder sogar Bewegungslosigkeit
  • der körperliche Zustand (wenig Fettpolster)
  • Erschöpfung / Ermüdung

Wenn ihr die Punkte betrachtet, wird euch schätzungsweise auffallen dass das alles Punkte sind die euch beim Laufen / Radfahren oder Schwimmen begegnen können. Wichtig zu beachten ist, dass es bei ausreichend starken und anhaltendem Wind nicht mal besonders kalt sein muss. Durch den Windchill-Effekt steigt die Verdunstungsrate am Körper und der Körper kühlt somit schneller aus.

Tabelle zum Windchill Effekt, Quelle: roadbike.de
Tabelle zum Windchill Effekt, Quelle: roadbike.de

Man unterscheidet, je nach Geschwindigkeit der Auskühlung in zwischen der akuten akzidentelle Hypothermie (in unserem Fall nur für Eisschwimmer zutreffend) und der subakuten akzidentelle Hypothermie. Bei der subaktuten Form kühlt der Körper langsam und über mehrere Stunden aus, etwas was uns Ausdauersportlern eben auch passieren kann.

Stadien / Symptome einer Hypothermie

Wird die Kältezufuhr nicht unterbrochen, durchläuft man u.U. alle drei Stadien der Hypothermie.

StadiumKörperkerntemperaturSymptome
mild32-35 °CMuskelzittern, Anstieg von Puls (Tachykardie), Blutdruck und Atmung, Zentralisation
mittelgradig28-32 °CBewusstseinseintrübungen, Muskelzittern läßt nach bzw. setzt aus, Bradykardie, erweiterte Pupillen
schwerunter 28 °CBewusstlosigkeit, Kreislaufstillstand, starre Pupillen, verminderte Hirnaktivität, Atemstillstand

schwache Hypothermie

Der Körper versucht durch Muskelzittern die Kerntemperatur konstant zu halten und er zieht die Blutgefäße zu den Exremtremitäten zusammen und den Rückfluss (Zentralisation) des kalten Blutes in Richtung Herz bzw. Körpermitte zu verringern.  So versucht er die lebenswichtigen Organe vor der Kälte zu schützen. Im Fachjargon schimpft sich dass dann Trennung von Körperschale und Körperkern. Je nach Anfälligkeit sind blaue Lippen ein Anzeichen dafür.

mittelgradige Hypothermie

Das Bewusstsein des Patienten trübt ein und das Muskelzittern hört langsam aber sicher auf. Solltet ihr einen Läufer in diesem Stadium treffen ist, sollte er schleunigst in ärztliche Behandlung.

schwere Hypothermie

Sie ist ein sehr ernster Zustand in dem der Körper anfängt seine lebenswichtigen Funktionen, wie Atmung und Herzkreislaufsystem einzustellen. Der Patient ist in diesem Stadium nicht mehr ansprechbar. Die Pupillen sind starr und reagieren nicht mehr auf Lichteinfall. Der Puls ist ohne Messgeräte in der Regel nicht mehr messbar, der Patient scheint tot zu sein.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Hypothermie

Trefft ihr unterwegs auf eine Person die ein oder mehrere Anzeichen einer Hypothermie aufweisen, dann solltet ihr sie als allererstes aus dem Gefahrenbereich entfernen. Holt sie aus dem Wind am Berg, bringt sie in eine Hütte, legt ihr eine warme Jacke / Decke um. Holt sie aus dem Wasser, Schnee oder Eis. Sollte sie nasse Bekleidung tragen, dann zieht sie aus und hüllt sie in trockene Decken, Jacken oder was ihr bei euch tragt. Denkt auch an die Schuhe! Nasse Füsse können im Gebirge oder Schnee auch mal schnell zu Erfrierungen führen. Achtet dabei, besonders beim 2. und 3. Stadium darauf dass ihr die Person möglichst nicht bewegt. Klingt komisch, ist aber so. Durch die Bewegung des Körpers bzw. der Gliedmaßen kann es zu einem Austausch zwischen Körperschale (kaltes Blut) und Körperkern (relativ warmes Blut) kommen, was dann zum sogenannten Bergungstod führen kann. Selbstverständlich solltet ihr dennoch versuchen die Person z.B. aus dem kalten Wasser zu retten.

Wie immer beim Retten und Bergen gilt auch hier, Eigenschutz geht vor! Nur ein unversehrter Retter ist ein guter Retter.

Ich fasse zusammen:

  • Notruf absetzen, immer vor dem Beginn der Rettungsmaßnahmen. Wer weiß wann ihr das nächste mal die Gelegenheit habt, also vergeudet keine Zeit. Zeit ist bei einer Rettung einer der wichtigsten Faktoren.
  • Person aus dem Gefahrenbereich bringen, möglichst schonend und bewegungsarm
  • Verbringung an einen Ort mit Zimmertemperatur, sprich eine Hütte o.ä. mindestens aber trocken und windstill.
  • regelmäßige Kontrolle der Vitalzeichen
  • Wärmeerhalt, dazu nehmt ihr warme Decken, Bekleidung und wickelt die Person ein.
  • Anwärmen, beginnend von der Körpermitte mittels Decken etc. Niemals mit den Extremitäten anfangen, da sonst der Bergungstod droht. Wichtig ist der Körperkern.
  • Bewusstseinskontrolle bei der Person bis zum Eintreffen des Fachpersonals.

 

Was tun um eine Hypothermie zu vermeiden?

Die wohl „einfachste“ Maßnahme ist, an Temperatur und Wetterbedingungen angepasste Bekleidung zu tragen. Wenn wir mit Rucksack unterwegs sind (und das sollten wir spätestens immer dann wenn das Wetter unklar ist), sollten wir auf den langen Touren trockene Wechsel- und Wetterschutzbekleidung mitführen. Sprich lange Hose und Shirt oder Jacke, nach Möglichkeit wind- und wasserfest. Eine Rettungsdecke gehört außerdem immer in einen Trailrucksack, egal wie lange ihr plant unterwegs zu sein. Ein Rucksack ist ebenso nützlich um ausreichend Energie in Form von Getränken und Nahrung mitzuführen. Das hilft zum Einen eine Dehydration vorzubeugen, zum Anderen liefert es ausreichend Energie wenn euch kalt wird. Das typische Muskelzittern geschieht zwar vollautomatisch, kostet den Körper aber wie eben jede Muskelkontraktion Kraft.

Solltet ihr ständigem Wind ausgesetzt sein, achtet darauf dass eure Bekleidung möglichst trocken ist. Stichwort Verdunstungseffekt. Sollte es sehr kalt sein, zum Beispiel im Winter während eines Schneegestöbers achtet darauf dass ihr möglichst keine Hautpartien dem Wind aussetzt. Es droht sonst nicht nur eine Unterkühlung, sondern auch Erfrierungen.

Ich habe hier in diesem Artikel jetzt quasi den „Worst Case“ dargestellt, in der Praxis werdet ihr hoffentlich maximal auf eine schwache Hypothermie treffen. Sprich euch oder eurem Laufpartner ist einfach kalt auf Grund von falscher Bekleidung und mangelnder Bewegung. Um nicht auszukühlen genügt es dann in den meisten Fällen wenn ihr auch trockene, warme Bekleidung anzieht. Sollte ich euch aber eigentlich nicht erzählen müssen, ich denke dafür seid ihr alt genug.

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Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hypothermiehttp://www.onmeda.de/krankheiten/hypothermie.html 

 

 

 

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


4 Antworten auf „Gefahren auf dem Trail – Unterkühlung (Hypothermie)“

  1. Wichtiges Thema! Gerade weil sich immer mehr Untrainierte an diesen Hype „Trailrunning“ dranhängen. Ich erinnere mich an einen Lauf, da hatten wir -15°C und ich war 30km mit langem Baselayer, langer zweiter Schicht und einer Softshell unterwegs. Für mich im Sauerland eigentlich die maximal Ausrüstung. Als ich wieder zu Hause war, habe ich entdeckt, dass der Schweiß an der Innenseite meiner Jacke gefroren war. Da kann man sich schnell ausmalen, was passiert, wenn du erschöpft bist, nur noch gehen kannst, keine trockene Wechselkleidung hast und dann vielleicht noch 10 oder 15km vor dir. Oder dich womöglich verlaufen hast. Oder dich im alpinen Gebiet befindest. Oder…. Oder… Oder…

    1. Danke, ich finde es auch wichtig 🙂

      Am Wochenende gab es viele Starter die am Brocken in kurz / kurz und ohne Rucksack unterwegs waren. Für mich absolut unverantwortlich auf der Marathondistanz, denn das setzt voraus dass man sich die kompletten 42 km laufend fortbewegt um nicht auszukühlen. Auf dem Gipfel hatten wir leichten Schneefall und es war doch ziemlich eisig auch unterwegs. Da muss man sich nur mal verletzen oder einfach überschätzen und man kann für ein paar Kilometer nur gehen um rasch auszukühlen. Der Veranstalter hat darauf nicht geachtet, aber scheinbar ging es gut. Wäre der Brockenmarathon eine Trailveranstaltung gewesen, wäre ich mir sicher dass es eine Pflichtausrüstung gegeben hätte.

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