Sind „wir“ Läufer nicht athletisch genug?



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Ich bin heute auf einen interessanten Artikel gestoßen welcher finde ich ganz gut in die immer wieder auftretenden Diskussionen über Läufer und Krafttraining passt.

Ryan Hall, einer der US Amerikanische Top Marathonläufer mit einer Marathonbestzeit von 2:06:17 hat mittlerweile seine aktive Karriere beendet und seitdem ganz ordentlich an Masse zu gelegt. Allerdings nicht wie viele andere Sportler im Ruhestand die einfach auch danach zu viel essen und unförmig werden, sondern durch gezieltes Krafttraining. Der Unterschied kann sich sehen lassen.

Im angesprochenen Artikel verrät er dem Interviewer Martin Fritz Huber dass er sich als Langstreckenläufer im Alltag einfach zu schwach gefühlt habe und jede andere körperliche Betätigung als das Laufen oft zu einem regelrechten Muskelkater und Müdigkeit geführt haben. Fit und gesund habe er sich nur dann gefühlt wenn er laufen war, sonst habe er den Rest des Tages meist mit schlafen und essen verbracht. Bei einem Körperfettanteil von um die 3% blieben nicht mehr viele Reserven um den Tag oder andere Dinge zu meistern. Sein Körper war nur noch auf eine Funktion ausgerichtet, möglichst schnell die 42 km zu laufen. Das mag für einen hochspezialisierten Profimarathonläufer während seiner aktiven Karriere ok sein, denn immer hin verdiente er damit sein Geld. Für uns Hobbyläufer gibt es allerdings meist noch andere Dinge.

Viele Läufer versuchen ebenfalls oftmals recht zwanghaft einen möglichst geringen Körperfettanteil zu erreichen, wogegen erstmal nichts einzuwenden ist. Problematisch wird es allerdings dann wenn man versucht diesen Zustand dadurch zu erreichen dass man (zu) wenig isst. Was viele gerne vergessen ist dass wir aber eben Energie brauchen und die bekommen wir nur dadurch dass wir essen und trinken. Laufen oder Sport eignet sich schlecht um sein Gewicht zu reduzieren (bzw. das reduzierte Gewicht bzw. der schwindenden Körperfettanteil ist nur ein Nebeneffekt), gerade wenn wir versuchen ein gewisses Level zu erreichen. Klar wird jeder der abnehmen will durch Radfahren, Laufen oder Walken in der ersten Zeit abnehmen weil er sich einfach mehr bewegt als vorher und somit einen höheren Energiebedarf hat als eine Couchpotato. Wer aber irgendwann mal 30 km oder mehr laufen will muss sich früher oder später auch Gedanken darüber machen ob er ausreichend isst bzw. Energie zu sich nimmt.

Interessant zu lesen fand ich dass Ryan Hall sich seitdem er deutlich mehr Krafttraining macht und entsprechend Muskelmasse aufgebaut hat, gesünder und logischerweise auch stärker fühlt.

Ein weiterer Vorteil eines „kompletten“ Körpers ist dass das Verletzungsrisiko deutlich sinkt. Das will u.a. eine dänische Studie herausgefunden haben und auch ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen.

Despite a few outlying studies, consistently favourable estimates were obtained for all injury prevention measures except for stretching. Strength training reduced sports injuries to less than 1/3 and overuse injuries could be almost halved.

 

Ist nicht genau dass der Grund warum die meisten von uns angefangen habe laufen zu gehen? Sich wohl fühlen und gesund bleiben / werden?

 

Quellen: Yes, Professional Runners Are Weak | Yes, Professional Runners Are Weak | Outside Online

und

http://bjsm.bmj.com/content/early/2013/10/07/bjsports-2013-092538.short





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


8 Antworten auf „Sind „wir“ Läufer nicht athletisch genug?“

  1. Im Prinzip ist das ja, was die Crossfit-Leute immer sagen: es gibt gute Läufer, die sonst kaum Kraft haben und es gibt Kraftsportler, die kaum weit laufen können – und beides ist eben einseitig. Find ich logisch und mir selber gehts auch so; verglichen zu den Kilometern, die ich laufe, sind meine Fähigkeiten, Situps, Liegestütz oder Klimmzüge durchzuführen äußerst begrenzt.

    Und ich sehe es besonders bei einer guten Bekannten: Ilona war immer schon fit und eine gute Läuferin, aber seit sie selber extrem im Crossfit trainiert und selber inzwischen Trainerin ist, ist ihre Leistung gigantisch… > https://www.facebook.com/passioninmotion/photos

    Ich glaub, ich muss doch mal zum Crossfit. Werde ja auch nicht jünger… 😉

    1. Ich selber mache ja echt nicht viel was Krafttraining angeht, aber seit ich das mache was ich eben so mache bin ich deutlich fitter und habe vor allem trotz der recht hohen Umfänge keine Beschwerden mehr. Es lohnt sich definitiv und ich denke im Winter werde ich den Kraftanteil noch mal versuchen zu steigern.

  2. Laufen und Kraftsport sind zwei Sportarten die sich perfekt ergänzen, wenn sie aufeinander abgestimmt sind. Das mag für den Profi sicher nur im gewissen Maße zählen, aber auch da wird irgendwie „Kraftsport“ betrieben. Bei denen ist jedes Gramm zu viel, aber diese Sportler verdienen ihr Geld damit. Es läuft sich defintiv besser mit 10 Kilo weniger auf den Rippen, aber wie gesund kann das auf Dauer sein. Das Foto oben zeigt es. Auf welchem sieht er gesünder aus? Das soll nicht heißen, dass er auf dem rechten nicht gesund ist, aber auf den ersten Blick würden die meisten wohl auf Bild links tippen.

    1. Ich denke auch dass er auf dem rechten Bild „gesünder“ aussieht, aber vor allem eben eher wie ein kompletter Athlet. Profis sind nun mal Spezialisten in ihrer Disziplin und zu 100% darauf ausgerichtet, den Luxus haben wir Hobbysportler nicht.
      Mein Ziel war es immer möglichst fit zu sein, wenn es sein muss auch gerne mit 80 kg und nicht wie aktuell mit unter 75 kg. Allerdings habe ich auf die sub75 eben auch nicht gezielt hingearbeitet, die waren eher eine Nebenprodukt der hohen Laufumfänge und der Tatsache dass ich phasenweise mit dem Essen einfach nicht mehr hinterher komme 🙂
      Seit Anfang des Jahres bin ich da dran gezielt Krafttraining mit einzubauen und sehe da auch schon Erfolge, sowohl in der Leistungsfähigkeit als auch in der Optik. Masse baue ich zwar hierdurch auch nicht auf, aber wie der Jörn schon irgendwie getwittert hat bin ich deutlich drahtiger sprich definierter geworden. Mit Körpergewichtsübungen ist Masseaufbau allerdings auch echt schwer finde ich, grade wenn man das so wie ich nur als Ergänzung zum Laufen / Radfahren macht.

      Kraftsport lohnt sich aber definitiv für jeden Ausdauersportler.

  3. Der Typ schaut auf dem linken Bild so aus, als würde er das Krafttraining so intensiv betreiben, wie vorher das Lauftraining – oder er hat chemisch nachgeholfen.

    Rumpftraining macht beim Läufern sicherlich Sinn um die einseitige Belastung auszugleichen. Problem ist eben nur der gleichzeitge Aufbau der Muskelmasse. Dass es auch ohne diese überflüssigen Muskelberge geht beweist Jan Frodeno.

    Statt Muckibude ist Klettern übrigens sehr zu empfehlen.

    1. Er ist nunmal eben sein Leben lang Profisportler gewesen, ich denke da betreibt man seinen Sport mit einer gewissen Konsequenz. Bei vielen gibt es keine halben Sachen.
      Muskelmasse ist auch für einen Läufer kein Problem, zumindest nicht für einen Hobbyläufer. Wer ambitioniert und an der Spitze mitlaufen will, muss sich allerdings spezialisieren.

  4. Ich mache auch ein bis zwei mal die Woche Kraftsport für Anfänger, wenn man das so nennen darf. Was ich so an Gewichten stemme, da lachen so manche Frauen im Studio drüber. Ist mir aber egal. Ich mache es als Ausgleich und Ergänzung, als Läufer achte ich besonders darauf Rücken, Bauch und Schulter ein wenig zu trainieren. Ist hilfreich für die Körper-/Rumpfhaltung beim Lauf, trainiert man aber mit dem Laufen allein nicht wirklich.

    1. Wie genau dann das Krafttraining aussieht, kommt ja immer auf die Ziele an die man verfolgt. Ich trainiere zum Beispiel seit einiger Zeit wieder ohne Gewichte und nur mit dem Körpergewicht, das ist absolut ausreichend um bis zur Erschöpfung zu trainieren. Sieht halt lange nicht so martialisch aus wie wenn man Eisen bewegt 🙂 Effektiver ist es für „uns“ Läufer aber allemal denke ich.

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