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Muss man denn immer lächeln beim Laufen?



Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten, 20 Sekunden



Grade lese ich bei FB einen BlogPost mit dem Titel Lächle beim Laufen„.

Und irgendwie geht mir der Artikel gehörig gegen den Strich. Das mag u.a. damit zusammenhängen dass im privaten Umfeld aktuell nur wenig so läuft wie ich es mir vorstelle oder damit dass ich am Ende meiner Kölnpfadvorbereitung so langsam merke wie anstrengend das letzte halbe Jahr für mich war.

Denke ich aber mal kurz darüber nach, so erkenne ich dass ich tatsächlich selten beim Training „Spaß habe“. Zumindest wenn man voraussetzt dass man den nur haben kann wenn man den ganzen Tag wie ein Honigkuchenpferd grinst.

Wenn ich abends meine Kilometer abspule um zu entspannen oder mich zu fordern, dann tue ich das für mich. Andere Menschen stören mich schon oft in meinem Alltag und ich könnte auf die meisten in meinem Umfeld echt gut verzichten. Beim Laufen will ich ganz bewusst alleine sein, sonst würde ich irgendeine Mannschaftssportart ausüben und nicht einsam durch die Wälder laufen.

Eine meiner wichtigsten Fähigkeiten beim Laufen (neben meiner Ausdauer, versteht sich) ist es, sowohl Strecke, Wetter und alle anderen unwichtigen Details einfach auszublenden. Ich nehme schlicht und ergreifend andere Läufer oftmals nicht wahr und wenn, dann interessieren sie mich nicht. Das kann ich sowohl bei den langsamen Läufen bei denen ich mich weder konzentrieren muss, als auch bei den schnellen Läufen die meine volle Konzentration fordern.

Laufen verbindet

Laufen verbindet heißt es. Das mag sein. Wir Läufer haben alle ein gemeinsames Hobby und doch üben wir es meistens für uns alleine aus. Ich bin zudem kein kompetitiver Mensch und muss mich nicht mit anderen messen, weder im Training noch im Wettkampf. Mein einziger Gegner bin zu jederzeit ausschließlich ich selber, demnach brauche ich auch keine Laufgruppe die mich motiviert oder anspornt.

Trotzdem mag ich Gruppenläufe, klingt jetzt vielleicht etwas zwiespältig. Solche Läufe mache ich aber meistens mit Menschen die ich mir bewusst ausgesucht habe, deren Gesellschaft ich aktiv suche. Dort habe ich dann meine Spaß, auch wenn es eine Art running gag bezüglich meiner Emotionalität gibt. Ich habe Spaß beim Laufen, muss ihn aber nicht jedem gleich aufdrängen. Das Beitragsbild ist aus eben diesem running gag beim Rhein Burgen Weg Lauf entstanden. Dort war ich mit Menschen unterwegs mit denen ich mich gerne auf über 100 km quäle. Mit Martin zusammen bin ich schon etliche Kilometer einfach nur schweigend (und ab und an schimpfend wie ein Rohrspatz) nebeneinander gelaufen und werde auch im Juli beim Kölnpfad mit ihm zusammen die 171 km angehen.

Mich stören freundliche, offensiv freund- und fröhliche Menschen aber eben auch nicht wenn ich sie auf der Straße treffe. Letztens habe ich auf meiner Laufrunde eine Familie auf Fahrrädern getroffen die ganz offensichtlich Spaß daran hatten dass Mutter und Sohn ein kleines Rennen fuhren. Diese Familie war augenscheinlich keine biodeutsche (um den Begriff aus den Medien mal aufzugreifen) Familie, sondern kam aus dem arabischen Raum. Bei dem Gedanken daran dass diese Familie unter Umständen nur durch Flucht aus ihrer Heimat die Möglichkeit hatte, relativ entspannt und angstfrei an der Mosel entlang zu fahren, hatte ich meinen Spaß. Oder besser Freude daran dass sich manche Menschen an so ganz kleinen Dingen wie einer Radtour erfreuen können. Und wisst ihr was? Ich habe dennoch nicht die restliche Kilometer gegrinst und auch weiterhin nicht jeden Läufer gegrüßt den ich getroffen habe. Warum? Weil sie mich schlicht und ergreifend nicht interessiert haben.

In unserer Gesellschaft muss man förmlich immer fröhlich sein, grade in der Freizeit. Klick um zu Tweeten

Spaßgesellschaft schimpft sich das denke ich, dabei gibt es soviele Dinge über die man sich Gedanken machen kann und oftmals auch sollte. Unsere westliche Welt ist zwar im Vergleich zu anderen Gegenden noch gut dran und kämpft „nur“ mit relativ harmlosen Problemen aber ich empfinde es als Frechheit gegenüber anderen die täglich um ihr Leben kämpfen müssen sich um nichts Gedanken zu machen.

Jemand der den ganze Tag lächelnd durch die Welt geht und allem und jedem seine gute Laune aufdrängen will, der verkennt das Leid und Elend dass es in unserer Gesellschaft gibt. Es ist einfach nicht alles toll, da hilft auch stupides Lächeln nicht. Was das alles mit dem grimmigen Blick einiger Läufer auf sich hat? Natürlich nichts, denn jeder schaut aus anderen Gründen entweder grimmig oder eben einfach nur konzentriert.
Ich will nur sagen, es ist normal und gut dass nicht jeder immer gute Laune hat. Mancheiner konzentriert sich auch eben nur beim Training oder hat just in dem Moment einfach keinen Bock auf Gesellschaft. Wieder andere haben einfach keine Lust immer fröhlich zu sein oder es zu zeigen. Lasst uns (Miesepeter) einfach unseren Sport machen und gut.

Wenn wir Lust auf Kontaktaufnahme haben, dann kommen wir auf euch zu. Versprochen!





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14 Antworten to “Muss man denn immer lächeln beim Laufen?

  • Hallo Sascha,

    gute Punkte. Danke für die Worte.
    ich denke, dass wir grundsätzlich etwas anders ticken. Aber das ist ja auch nicht verkehrt 🙂
    Weiterhin verletzungsfreie Läufe! Auf dass sie Dir das geben, was Du brauchst/willst/suchst.

    beste Grüsse,
    Markus

    • Sascha

      Hallo Markus,

      natürlich ticken wir anders. Wäre auch schlimm wenn wir alle gleich wären oder die selben Bedürfnisse hätten.

      Dir ebenfalls viel Erfolg und Spaß beim Laufen 🙂

      Aber zumindest bei Thema Müll sind wir auf der selben Wellenlänge sehe ich grade. Kannst ja hier oder Facebook nach #cleanyourtrails schauen 😉

  • Mein Lieber,
    da sprichst Du mir aus der Seele, ich habe ähnliches gedacht, als ich das gelesen habe!

    • Sascha

      Hi Christian,

      das freut mich. Dachte mir schon dass ich nicht ganz alleine mit der Meinung bin.

      Bei vielen die mir breitgrinsend und um Aufmerksamkeit bettelnd entgegen kommen habe ich das Gefühl die wollen einfach nur Anerkennung dass sie es geschafft haben bei tollem Wetter ihren Hintern von der Couch zu heben.

      Als ich diese Woche bei starkem Dauerregen unterwegs war, da kamen mir an der Mosel auch zwei Läufer entgegen. Wir drei haben uns gegrüßt, alle mit einem riesen Grinsen im Gesicht weil wir bei „geilstem“ Wetter unterwegs waren und und nicht wie der ganze Rest der sich sonst an der Uferpromenade rum treibt daheim geblieben sind. Es kommt bei mir immer auch auf den Gegenüber an ob ich grüße oder nicht. Dabei selektiere ich aber nicht danach wie sportlich der ist, sondern ob mir seine Art passt.
      Ich muss in meinem Job als IT Dienstleister mit so vielen Menschen freundlich in Kontakt treten die ich in meiner Freizeit mit dem A…. nicht anschauen würde, einfach weil sie mir total unsympathisch sind. Da will ich mir das bei der Ausübung meines Hobby, meiner ICH-Zeit nicht auch noch vorschreiben lassen.

      Gruß
      Sascha

  • Nach dem dritten mal durchlesen des Beitrags bin ich ganz bei Dir! In dem Beitrag geht es ja grundsätzlich um das äußere Erscheinungs bzw Wirkungsbild und nicht um das gegenseitige Grüßen. Ich habe auch grundsätzlich einen grimmigen Gesichtsausdruck, nicht nur beim Training sondern auch im Alltag. Wie oft musste ich mir schon anhören „lach doch mal“ oder „gehts Dir nicht gut“ etc. Von meinen Liebsten hier zu Hause muss ich mir oft anhören “ Der Papa geht zum lachen in den Keller“ Dem ist natürlich nicht so, ich lache auch und grinse auch, wenn auch in geringen Dosierungen. Und gerade beim Training muss ich nicht grinsen, mit Ausnahmen natürlich, wenn ich gerade einen geilen Trail runter bretter oder eine echt schwierige Steigung bewältigt habe. Um zu grinsen muss man Muskeln anspannen und das ist beim Training im Gesicht unnötig, auch wenn es jetzt den Energieverbrauch nicht relevant steigert, aber ich konzentriere mich lieber auf die „wichtigen“ Muskeln, da ich kein „natürliches“ Grinsegesicht habe.

    Anders stehe ich zum dem im Blogbeitrag von Markus erwähnten Grüßen, ich grüße grundsätzlich jeden der mir entgegenkommt, ob Läufer, Radfahrer, Spaziergänger, Hundegassiführer egal ob sportlich oder freizeitlich unterwegs. Meiner Meinung nach gehört das zum Anstand. Grüßen kann man ja auf verschiedene Weise, auch nur mit einem Nicken mit grimmigem Gesicht wenn man sich gerade eine Steigung hoch kämpft. Ich bin nie so sehr in der Konzentration, dass mir meine Umgebung nicht mehr auffällt, sei mal dahin gestellt ob das jetzt ein Nachteil ist. Ich bin vor 12 Jahren von der Stadt aufs Land gezogen und muss sagen hier auf dem Dorf ist es Gang und Gäbe, dass man sich auf der Strasse grüßt auch wenn man sich nicht kennt und das mag ich! Um den Bogen wieder zurück zu führen: ich muss aber nicht mit einem Lächeln grüßen!

    Gruß, Ansgar

    • Sascha

      Hi Ansgar,

      nicht zu lächeln oder grinsen und nicht grüßen sind zwei verschiedene Dinge, das ist richtig. Mir geht es grundsätzlich eben nur darum dass ich selten durch die Welt laufe und grinse wie ein Honigkuchenpferd und ich das auch nicht von anderen erwarte. Ich schaue meistens echt ziemlich grimmig beim Laufen, auf dem Rad gehts lustigerweise, finde ich aber auch nicht so anstrengend und ich fahre eh nur aus purem Spaß Rennrad.
      Grüßen kann ich auch grimmig oder emotionslos durch heben der Hand, Blickkontakt oder ein kurzes Nicken. Herzlich begrüßt werden von mir nur Menschen die ich mag oder die das selbe Schicksal teilen wie bei Sauwetter trotzdem seine Runden zu drehen.

  • Ich bin erstmal grundsätzlich der Meinung das man auf der Laufstrecke jeden grüßen sollte ob nun dick, dünn, schnell, langsam, es sollte keinen Unterschied machen. Ein Lächeln habe ich dabei allerdings nicht immer auf den Lippen, registriere aber jeden der mir entgegenkommt, ob ich nun gemütlich dahin trabe oder Tempo bolze. Handheben und Respekt zollen das der andere auch seinen Arsch hochgekommen hat, das sagt mein Gruß aus (ich meine ihn auch ohne Lächeln ernst). Allerdings muss ich auch sagen, das ich in einer wenig frequentierten Gegend laufe und hier kaum Schönwetterläufer bzw. Läufer überhaupt anzutreffen sind.
    Im Fitnessstudio sieht das Ganze anders aus. Da bin ich komplett in meiner eigenen Welt und möchte nicht angequatscht werden. Da wirke ich mitunter auch sehr arrogant, was auch auf die Mitmenschen wohl ein komisches Bild wirft. Aber im Studio bin ich da um zu trainieren und nicht zu quatschen. Widerspricht sich zwar, so what….

    • Sascha

      Hi Eric,

      ich bin zum größten Teil auf der Laufstrecke um zu trainieren, ähnlich wie du im Studio eben. Wenn ich andere Läufer ignoriere, dann auch ungeachtet des jeweiligen Trainingszustandes dessen der mir entgegen kommt. Das spielt für mich keine Rolle, grade die die nicht nach Sport aussehen haben durchaus mehr Anerkennung verdient als jemand wie ich der doch recht mühelos durch die Gegend laufen kann.
      Es geht mir aber wie gesagt nicht darum jemandem keine Respekt entgegen zu bringen für seine Leitungen, ich will schlicht und ergreifend meistens un Ruhe trainieren.

  • Ich sehe woher du kommst und kann nachvollziehen warum du so denkst. Finde das auch ok, jedoch bin ich da etwas anderer Meinung und dachte mir ich Teil sie mit dir 🙂 Den Absatz über Spaßgesellschaft zum Beispiel. Ich hab es so verstanden, dass quasi bei all dem Leid das so in der Welt passiert, es angebracht ist sich viele Gedanken zu machen und nicht immer fröhlich durch die Welt zu gehen (weil unangebracht). Korrigier mich wenn ich falsch lieg. Ich seh es genau umgekehrt. Gerade weil so viel passiert (auf was ich meistens sowieso keinen Einfluss hab) fänd ich es persönlich wichtiger deswegen noch fröhlicher und spassiger drauf zu sein, um zu zeigen das es auch viel positives gibt. Wenn ich mit einem Lächeln etwas Freude in die Welt setzen und einem Fremden seinen Tag ein bisschen versüßen kann, dann es das Wert. Ich erinner mich da immer an das Zitat „Be the change that you wish to see in the world.“ (Gandhi) Natürlich heißt das nicht aufgesetzt immer und überall mit einem Lächeln durch die Welt zu laufen, aber wenn ich mir in dem Moment überlege ob ich Lächeln soll oder nicht hoff ich 9 von 10 Mal zum Lächeln zu greifen.

    Wenn ich mich grad einen steilen Anstieg rauf arbeite, dann ist mir auch nicht immer nach Lächeln zu mute und ich tu es dann auch sicher nicht immer, sondern schau eher etwas schmerzverzerrt drein 😛 Aber ich wollt nur generell einen eventuell anderen Zugang zu der Thematik aufzeigen.

    In dem Sinne 🙂

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