Gemeinsam durch die Nacht…38. Fidelitas Nachtlauf über 80 km



Geschätzte Lesezeit: 14 Minuten, 40 Sekunden



38. Fidelitas Nachtlauf über 80 km

Ich laufe gerne die meisten Läufe auch ein zweites Mal, soviel sollte ja mittlerweile schon klar sein. Von vielen Läufen habe ich schon mehrfach berichtet hier im Blog.

2014 war ich das erste Mal in Karlsruhe beim Fidelitas Nachtlauf, in meiner alten Heimat. Wenige Straßen vom Startort entfernt, hatte ich damals in der 1. oder 2. Klasse meinen Fahrradunfall, bei mich ein Auto erwischte und ich mit einem gebrochenen Oberschenkelhals ins Krankenhaus musste. Ich habe große Teile meiner Kindheit im Karlsruher Stadtteil Rüppurr verbracht, bin dort auf den Spielplätzen und im Oberwald zu hause gewesen. Später als ich von dort Richtung Ettlingen (ebenfalls ein Ort durch den der FiNaMa führt) gezogen bin hat es mich immer wieder zurück nach Rüppurr gezogen.

Die Strecke passiert viele Orte meiner Kindheit und Jugend. Es gibt also keinen Grund dort nicht zu starten, aber gefühlte 1000 dafür.

Die Strecke

Die Strecke führte 2016 vom Dammerstock bzw. dem Vereinsgelände des PSK Post Südstadt Karlsruhe durch den Oberwald über Grötzingen und Mutschelbach, nach Langenalb und Ettlingen wieder zurück zum PSK. Die Untergründe und Wegführung sind sehr abwechslungsreich und führt den Läufer sowohl durch Ortschaften als auch Felder und Waldstücke. Neu im Jahr 2016 waren die ersten 20 km die nicht wie zuvor durch das Hagsfelder Industriegebiet sondern weiter durch den Oberwald geführt haben, eine Änderung die denke ich bei allen gut ankam. Grade wenn das Wetter auch wirklich sommerlich ist, ein riesen Vorteil. Die Markierungen sind, meines Erachtens nach sehr gut angebracht, auch wenn 2016 mal wieder einige Läufer die weißen Kalkpfeile und Markierungen übersehen haben. Mit Schuld war dieses Jahr auch der starke Regen der gute 2-3 Stunden vor dem Start eingesetzt hat.

Was mich ein wenig irritiert hat an der Streckenmarkierung, war die Tatsache dass wir laut Ausschreibung immer auf der linken Straßenseite hätten laufen sollen. Logisch, so läuft man gegen den Verkehr und sieht ihn früher kommen. Die Markierungen auf der Strecke waren aber fast ausnahmslos auf der rechten Fahrbahnseite angebracht, meist sogar auf der Straße selbst.  Wir hatten also die Wahl und wie in der Ausschreibung gefordert zu verhalten und gegebenenfalls eine wichtige Markierung zu übersehen, oder eben über die Markierungen und somit auf der „falschen“ Straßenseite zu laufen. Ganz ideal war der Umstand da also nicht.

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Verpflegung

Die Verpflegung ist grundsätzlich ausreichend. Es gibt keine riesen Auswahl sondern nur das Nötigste, einfach Kost für unterwegs. Man findet Kuchen, Studentenfutter, Obst, Brot und später auch Käse und Suppe.

Die Getränke waren für mich auch in diesem Jahr wieder das große Thema, denn auch wenn der Sponsor Schwarzwald Sprudel auf sein Mineralwasser schreibt es sei still, so enthält es dennoch natürliche Kohlensäure. Die kommt zwar nach wenigen Metern wieder retour und sorgt so nicht für Magenschmerzen, aber um das Wasser in die mitgeführten Flaschen zu füllen ist das einfach nix. Ich weiß nicht wie oft ich laut geschimpft habe weil mir die Flasche meine Jacke und die restlichen Klamotten total nass gemacht hat beim Laufen. Ich musste nach jedem VP erst einmal ewig lange versuchen die Kohlensäure aus der Flasche zu schütteln.

Organisation

Bei meiner ersten Teilnahme gab es nix zu meckern, in diesem Jahr gab es wohl ein paar Probleme die Dropbags direkt nach dem schließen des VPs wieder zum Ziel zu bringen. Besonders ärgerlich für diejenigen die direkt wieder abgereist sind. Ich habe zum Glück erst noch ein paar Stunden im Auto geschlafen und konnte so gegen 8:30 meinen Dropbag in Empfang nehmen.

Die Nachmeldung und die Gepäckabgabe dagegen haben wunderbar funktioniert.

Der Lauf

Schon seit ein paar Wochen, oder mittlerweile Monaten war klar dass Philipp von den Fatboys ebenfalls dort sein wird um dort einen ersten 80 er zu laufen. Ich war dazu auch bereits bei ihm im Podcast zu hören und hatte ihn da ein wenig zum Thema Strecke und FiNaMa allgemein gebrieft.

So trafen wir uns als gegen 16:00 bei strömendem Regen in der Nähe des Parkplatz am PSK Gelände. Er war in Begleitung seines Vaters, der ihn Supporten wollte und in den 80ern Zeiten um die 8 Stunden in den Staub gebrannt hatte, mit Gehpausen an den Steigungen wie mir Philipp erzählte. Für mich unvorstellbar, aber es gibt ja so schnelle Läufer.

Als ich so am Auto unter der Heckklappe, halbwegs im Trocknen stand um meinen Kram zusammen zu packen, sprach mich ein junger Läufer an. Maximlian, sei gegrüßt 🙂

Auch Karen und Thorsten mussten sich an meinem Auto vorbei auf dem Gehweg in Richtung ihres Autos quetschen, die beiden sahen mindestens genauso begeistert aus dank des Regens. 

Überhaupt waren wieder einige bekannte Gesichter wie zum Beispiel Bernhard Sesterheim der den SH-Supertrail veranstaltet oder Rene der vor knapp einen Monat den WiBoLT gefinished hatte. Wir scherzten noch ein wenig rum da ich Rene gefühlt auf jeder Veranstaltung treffe zu der ich mich anmelde.

Nachdem ich meinen Dropbag abgegeben und meine Zieltasche in der Umkleide deponiert hatte, aß ich noch zwei Stücke Kuchen. Außer diesem Kuchen gab es nichts was für Vegetarier geeignet war im Startbereich, was mich nicht weiter störte denn der Kuchen mit Ananas war dann doch sehr lecker. Da ich noch ausreichend Zeit bis zum Start um 17:00 hatte und ich nicht bis dahin im Regen und der „Kälte“ stehen wollte, ging ich zum Auto und setzte mich hinein. Philipp und sein Vater waren ebenfalls vor dem Regen geflüchtet und saßen mir lustigerweise quasi gegenüber. Schnell die Standheizung angemacht, Regenjacke ausgezogen, zum Trocknen über den Beifahrersitz gehängt und gewartet.

Da saß ich nun, das Wetter war alles andere als einladend und meine Lust schwand etwas wenn ich ehrlich bin. Das Letzte was ich wollte, war eine weitere Nacht mit Regen denn die hatte ich beim Rhein Burgen Weg Lauf ja schon gehabt und wie das endete ist ja bekannt.

 

Der Götter waren uns Läufer an dem Tag aber dermaßen wohl gesonnen, dass keine zwei Minuten vor dem Start der Regen aufhörte und die Wolken aufbrachen. Wir also flott die Regenjacken ausgezogen und im Rucksack verstaut. Da dennoch ja überall das Wasser der vergangenen Nacht und speziell der letzten beiden Stunden auf der Strecke stand, war es fast unangenehm schwül auf den ersten Kilometern. In weiter Entfernung wurden wir weiterhin von teilweise rabenschwarzen Wolken begleitet, die ihren Regen allerdings für sich behielten.

Nach dem Start ging es dann auch direkt in den Oberwald und der Pulk bahnte sich seinen Weg. Wir wurde oft überholt zu Beginn da wir bewusst langsam liefen, Philipps Primärziel war das Finish innerhalb der Zielzeit von 16 Stunden, schön wäre ein sub 12 Stunden Zieleinlauf gewesen. So der Plan. Das wäre dann eine Pace von 8:59 min/ km gewesen, dementsprechend viel Zeit hatten wir zu Beginn. So trotteten wir etwas über 6 min / km durch den Oberwald, mal etwas schneller, mal etwas langsamer. Da es noch recht voll war versuchten wir locker mit zuschwimmen.

Philipp und ich unterhielten uns über alles Mögliche, hielten an den VPs gemütlich an und verpflegten uns. Gingen im Stechschritt die Anstiege hoch um Kräfte zu sparen und ließen es locker rollen wenn es bergab ging oder flach wurde. Das Tempo überließ ich im komplett, denn ich war wie ausgemacht nur dabei um ihn zu begleiten.

Da wir ja beide ursprünglich aus der Gegend um Karlsruhe kommen, hatte jeder von uns an irgendeinem Punkt der Strecke etwas zu erzählen. Naturgemäß plapperte Philipp ein klein wenig mehr als ich… Es gibt eben Gründe warum er podcastet und ich nur schreibe 🙂

Recht kurz nach dem Start liefen wie dann plötzlich wieder auf Rene auf der langsam humpelnd am Wegesrand lief. Irgendwie hatte er wohl Probleme mit seiner Wade und versuchte ein paar Meter mit uns anzulaufen. Er signalisierte uns dann dass wir weiter laufen sollen, er würde wohl aussteigen müssen. Umso mehr hat es mich gefreut ihn dann doch auf der Finisherliste zu sehen. Da hast du wohl noch gebissen Rene!

Wir bekommen Begleitung

Philipp hatte schon auf den ersten Kilometern angekündigt dass bei etwa km 18 (glaube ich jedenfalls 🙂 ) Markus auf uns warten würde um uns ein paar Kilometer zu begleiten. Wie versprochen stand er dann auch auf einmal neben der Strecke und schloss sich uns an. Die nächsten Fotos sind dann auch teilweise von ihm.

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Ich nutze gleich von Beginn an die Möglichkeit an dem VPs zu essen, da ich erstens nur gefrühstückt hatte und zweiten sowieso immer Hunger habe. Ich sollte mal prüfen lassen ob ich nicht eventuell einen Bandwurm habe. Ich aß also ein Brot mit Banane, trank das „ISO“ Getränk (das solltest du nochmal lesen Philipp) und wir liefen scherzend weiter. Der eine oder andere Läufer schaut zwischendurch etwas skeptisch ob der zwei Quasselstrippen.

Auch wenn Markus hier einen Filter auf den Bildern hat, die Wolken sahen tatsächlich fast die ganze Zeit über so bedrohlich aus. Es blieb aber zum Glück dann weiterhin trocken.

Die ersten Kilometer flogen also nur so an uns vorbei und wir drei waren guter Laune, hatten unseren Spaß an den VPs und mit dem Marathon4you Fotografen der gefühlt hier jedem Busch plötzlich stand und Fotos schoss. Wir rätselten wie genau er dort immer so schnell hin kam, da wir ihn weder in noch aus einem Auto haben steigen sehen.

Nach knapp 10 km verließ uns Markus dann auch schon wieder und wir machten noch ein Abschiedsfoto. Vielen Dank für deine Begleitung und die tollen Fotos.

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Danach trotteten Philipp und ich alleine weiter in Richtung Jöhlingen bzw. Wöschbach, irgendwo kurz davor hatte sich Markus von uns getrennt und war nach Hause gegangen.

Mittlerweile waren wir ungefähr bei km 30 und uns beiden ging es noch hervorragend, wir erwarteten so gegen 22:00 an meinem Dropbag in Langensteinbach zu sein, wo auch Philipps Vater warten wollte. Die Stimmung war, ähm ausgelassen würde ich sagen. Die „vielen“ Selfies sollten später noch ein Thema werden.

Naja wir waren eben zum Spaß hier und das sollte man uns eben auch anmerken. Mal abgesehen dass wir eine Art Verpflichtung sahen die Community an unserem Spaß teilhaben zu lassen.

Auf in die Nacht!

In Langensteinbach lag wie erwähnt mein Dropbag und Philipps Vater wartet dort als Betreuer auf ihn. Wir zogen und trockene T-Shirts an, holten die Lampen aus dem Rucksack und bereiteten uns auf die Nacht vor.

Etwa bei Km 44 oder 45, jedenfalls nach dem VP in Langensteinbach, machten wir dann das mehr oder weniger letzte Foto mit halbwegs gutem Licht als plötzlich eine weibliche Stimme von hinten erklang.

„Euch zwei sehe ich auch immer nur Selfies machen….“. Es zog eine junge blonde Läuferin an uns vorbei und verschwand in der Nacht 🙂 Sie sollte nach nicht mal 9:30:00 im Ziel sein. Mal schauen ob sie unsere Facebookfreundschaftsanfragen annimmt, dann werde ich sie auch verlinken können. Wenn sie denn will, leider haben wir kein Foto mit ihr gemacht.


Als wir Langensteinbach verließen, gab es sogar ein Feuerwerk weiter hinten am Horizont. Auch wenn wir zu dem Zeitpunkt anderer Meinung waren, war es eben nicht extra für uns gezündet worden. Nebenbei bemerkt muss ich unbedingt schauen dass ich das Geklappere des GoPro Clons in der wasserdichten Hülle abgestellt bekomme. Nimm das bis dato unbekannte Läuferin, wir machen nicht nur Selfies sondern auch Videos!

Ab hier wird es etwas weniger fotolastiger und das obwohl der Fidelitas Nachtlauf hier eigentlich erst so richtig begonnen hat. Seltsam Sache. Aber wie es nunmal so ist bei einem Nachtlauf, wird es eben irgendwann auch mal dunkel. In unserem Fall war das so gegen 22:30 Uhr und wir schalteten die Stirnlampen ein als wir wieder in den „Köpfles Wald“ bei Langensteinbach kamen.

Der Untergrund war teilweise durch die starken Regen der letzten Tage recht weich und auch ausgespült so dass wir uns schon ein bisschen mehr konzentrieren mussten. Wirklich schwer und technisch wurde es allerdings nicht, ist ja kein Trail- sondern ein Landschaftslauf. Eine Streckenform die mir auch ganz gut gefällt da man hier immer wieder Passagen hat auf denen man auch wirklich laufen kann und nicht zwingend wandern muss. Anders wären Rekordzeiten von unter 6 Stunden aber auch nicht zu erklären, trotz der fast 1000 Hm die auf den Läufer dort warten.

Nach 5 km im Wald kamen wir auch schon wieder raus auf die offene Fläche und liefen in der allgegenwärtigen Kulturlandschaft nach Ittersbach rein. Ittersbach war für mich damals immer die Endstation der S11 / S1. Der Straßenbahnlinie die von Karlsruhe durch das Albtal auf die Höhe und zurück fuhr. Bewusst war ich bis auch 2014 noch nie in Ittersbach, zumindest bei Nacht habe ich da aber auch wohl nicht viel verpasst.

Nach Ittersbach kam auch gleich schon wieder ein VP wo wir wie immer unsere Flaschen füllten, ich die Kohlensäure rausschüttelte und wir uns kurz verpflegten. Bis auf die nach 50 km üblichen schweren Beine ging es uns beiden soweit gut.  Auf dem Stück zwischen Ittersbach und Langenalb (mit dem mich auch irgendwas verbindet, ich komme nur grade nicht drauf) kam ein leichter Wind auf so dass ich mir die Regenjacke anzog. Die hatte ich klatschnass in den Rucksack gepackt und hatte die ganze Zeit wenig Lust dieses nasse Ding anzuziehen. Kaum hatte ich sie an, war sie aber dank des Windes auch schon wieder trocken. Ein Wunderwerk der Textilindustrie diese Ultra Barrier von Pearl Izumi die mir jetzt schon seit über 1000 getragenen km die Treue hält. Bisher eine gute Investition würde ich sagen.

Wir passierten den VP in Langenalb und hielten uns dort auch nicht lange auf, zu viel Pause wollten wir zwischendurch auch nicht machen da wir uns wie gesagt auch nach 57 km gut fühlten. Ich war zwar wie immer etwas müde, aber dafür fast satt denn Philipp „drängte“ mir immer die Reste seiner Riegel auf. Zum Glück bin ich da nicht so empfindlich und da er ja Veganer ist, passten die Riegel ja auch für mich ganz gut. Die Riegel die ich dabei hatte waren ebenfalls tierfrei und ich muss sagen sowohl preislich als auch geschmacklich kein Unterschied zu den „gewöhnlichen“ Riegeln.


Preislich waren sie sogar etwas günstiger, was dann auch letztlich der Grund war warum ich sie gekauft hatte. Wenn vegan schon mal günstiger als Mainstreamfutter ist, dann gibt es im Grunde keine Ausrede mehr es nicht zu kaufen. Ok, die Schokokekse waren deutlich teurer als vergleichbare Produkte, schmeckten aber eben auch gut.

Langersehntes Wiedersehen

Bei meiner ersten Teilnahme wollte ich mich eigentlich mit einer alten (hoffentlich liest sie das nicht…) Klassenkameradin treffen die dort beim örtlichen Roten Kreuz ist. Damals hatte sie mir recht kurzfristig, ich meine sogar auf der Strecke abgesagt. In diesem Jahr hat es dann endlich geklappt und sie stand bei km 62 und wartete auf mich. Naja ok, nicht nur auf mich sondern auch auf alle andere Teilnehmer die den VP passierten und notiert wurden. Eine elektronische Erfassung gibt es beim FiNaMa nämlich nicht, dafür aber einige Kontrollstellen die man passieren musste.

Die Pause in Marxzell bei km 62 fiel somit etwas länger aus und Philipp bediente sich wieder aus dem Auto seines Vaters. Ich aß und trank ordentlich denn hier gab es sogar eine Gemüsebrühe. Wenn ich ehrlich bin wäre ich gerne dort geblieben und hätte mich weiter unterhalten, ich denke dass müssen wir nachholen!

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Geruch der uns entgegen kam als wir Marxzell rein kamen. Auch nach vielen Jahren die ich dort nicht mehr gewesen war, erkannte ich das Fahrzeugmuseum Marxzell direkt am Geruch. Diese Mischung aus altem Metal, Holz und Staub ist einfach unverwechselbar finde ich. Philipp und ich sahen uns nur kurz an und ich wusste dass er den Geruch ebenso erkannt hatte. Heimat kann eben auch ein Geruch sein.

Eigentlich sollte in Marxzell auch der „Köter“ auf uns warten. Dieser Gartenzwerg mit Fellbezug hatte mich bei meiner ersten Teilnahme fast zu Tode erschreckt. Leider war er nicht mehr dort am Zaun. Wirklich schade!

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Nach Marxzell geht es im Grunde nur noch bergab, vorbei an Busenbach (Philipps alter Heimat) und der Spinnerei bis runter nach Ettlingen (meiner alten Heimat) vorbei am Freibad und zum nächsten VP am Hallenbad. Schon auf dem Weg nach unten merkte ich dass mein „Mitläufer“ gut drauf war und ordentlich Tempo machen konnte. Ich merkte aber auch dass wir zu schnell unterwegs waren für einen oder besser meinen Trainingslauf für den Kölnpfad. Gestartet mit dem Ziel sub 12 Stunden, waren wir jetzt auf einen Kurs deutlich unter 10 Stunden unterwegs. Es lief einfach zu gut unterwegs und wir mussten und für das Tempo nicht allzu sehr anstrengen, auch die recht lange Pause in Marxzell hatte uns nicht großartig Zeit geraubt auf die 10 Stunden.

Wäre der FiNaMa nicht so nah am Kölnpfad dran gewesen oder gar mein Jahreshöhepunkt, dann hätte ich die Kraft noch investiert um an Philipp dran zu bleiben. So musste ich dann aber bei km 75 die Bremse ziehen und Philipp alleine bzw. mit einer schnelleren Gruppe losschicken. Er erkundigte sich noch zwei oder drei Mal ob es ok sei dass er mich „einfach“ stehen lassen würde.

Ich wollte ihn aber weder bremsen noch mir den Kölnpfad mit einem 9:30 Finish versauen und ließ ihn ziehen. Als er dann 5 km vor dem Ziel aus meinem Sichtfeld verschwand, legte ich erstmal eine Gehpause ein, aß einen Riegel, packte mein Handy aus erholte mich kurz. Nach einer Weile schaute ich auf der Kartenapp wie weit es in etwa noch bis zum Ziel sein würde und sah dass ich noch in etwa 3,5 km hatte, wenn denn die Strecke der Empfehlung der Kartenapp folgen würde versteht sich. Ich schaute auf die Uhr, verglich meinen Kilometerstand (zu dem ich immer etwa 5 km dazu rechnen musste weil ich auf den ersten Kilometern dank Ultrac Modus GPS Aussetzer hatte) und sah dass ich für die letzten geschätzten 3,5 km noch knapp 25 Minuten Zeit hatte.

Klingt nach ausreichend Zeit, mit etwas über  70 km in den Beinen und der Absicht sich eben nicht total verausgaben zu wollen kann das aber schon mal recht knapp werden. Ich lief also wieder an in trabte in Richtung Ziel, immer mit dem Gedanken dass die 3,5 km die mir die App ausgespuckt hatte ja nicht zwingend stimmen musste und meine Versuch unter Umständen erfolglos sein würde, wenn die Strecke dann doch ein paar hundert Meter länger sein würde.

Auf zur sub 10!

Ich entschied es zu wagen und kam dann auch schon bald wieder in den Oberwald, wo auch mir ein schwarzer Schatten über den Kopf sauste. Du hast das also nicht geträumt Philipp. Als ich erkannte wo genau ich war und dass es nicht mehr weit sein würde, nahm ich die Beine in die Hand und zog das Tempo an. Der Blick ging immer wieder auf mein Handgelenk wo mittlerweile nur noch die aktuelle Uhrzeit auf der Fenix stand. Alles andere war nicht mehr wichtig und mein Ehrgeiz war geweckt und so bog ich ins Stadion des PSK ein und lief die letzen 200 Meter über die Sandbahn auf den Zielbogen zu. Es drohte echt knapp zu werden als ich Philipps Stimme hörte der mir zurief dass es noch klappen könne wenn ich mich nur „etwas“ beeilen würde. Bei Strava sieht man ganz schön dass ich die letzen Meter mit einer 4:30 dahin flog um dann nach 9 Stunden 59 Minuten und 47 Sekunden über die Ziellinie zu laufen. Punktlandung quasi. Meine Zeit von 2014 um fast 30 Minuten unterboten und das obwohl ich bei meiner ersten Teilnahme deutlich mehr gelitten hatte hintenraus.

Ob das so schlau war doch nicht auf die sub 12 zu laufen, werde ich wohl beim Kölnpfad spüren. Jetzt ist erst einmal Pause und Erholung angesagt.

Meine Glückwünsche gehen natürlich an Philipp für sein echt starkes Debüt auf der 80 km Strecke, wer hintenraus noch Tempo machen kann der hat sich das Rennen gut eingeteilt würde ich sagen. 2017 gehen wir dann die 9:30 an und ziehen René mit 😉

Ebenfalls Glückwunsch an Maximilian der 3. in seiner AK wurde und das mit einer Zeit von 9:13:xx.

Allen anderen bekannten und unbekannten Finishern, Karen und Thorsten, Rene und Bernhard ebenfalls meine Glückwünsche.

Der voraussichtliche Termin für die 39. Auflage des Fidelitas Nachtlaufs ist der wohl Stand heute der 24. Juni 2017. Also in meinem Kalender steht er schon mal.

In der aktuellen Episode des FatBoysRun Podcast spricht Philipp über den FiNaMa, hört mal rein. Lohnt sich wie immer!

Hier gehts zum Strava Track





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


4 Antworten auf „Gemeinsam durch die Nacht…38. Fidelitas Nachtlauf über 80 km“

  1. Glückwunsch zum Finish. Wirklich sehr cooler Bericht und danke für deine Erwähnung :-). Als Karlsruher und neuerdings Ultraläufer sehen wir uns spätestens nächstes Jahr wieder. Weiterhin viel Spaß.

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