Laufbericht zum 44. GutsMuths Rennsteiglauf Supermarathon



Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten, 29 Sekunden



Der Rennsteiglauf ist mit aktuell 44. Auflagen sowohl einer der ältesten und mit in diesem Jahr über 16.000 Teilnehmern auch einer der größten Landschaftläufe Europas. Der Rennsteig an sich ist ein Höhenweg über den Kamm des Thürinder Waldes und des Thüringer Schiefergebirges. Auf 169,3 km kann man dort wandern, radwandern oder eben laufen. Zumindest die Rennsteiglaufstrecke verläuft zum größten Teil auf breiten Waldwegen mit einem recht kleinen Asphaltanteil, wie so oft auf Wanderwegen eben immer dann wenn man in die Ortschaften kommt oder Straßen überqueren muss. Mit an die 1800 Hm auf der Supermarathon Strecke (72,6 km) auch nicht ganz flach, es gibt dort zwar kaum große Anstiege (ja, das ist Ansichtssache), aber das ständige Auf und Ab ist dennoch nicht ganz einfach zu laufen.

Ich hatte den Rennsteig wenn ich ehrlich bin nie ernsthaft für mich auf den Schirm, dieser Lauf war und ist durch seine Größe eigentlich nicht interessant für mich und zudem auch noch ziemlich weit entfernt. Da ich aber dort die Chance hatte einen ersten Testlauf mit Franzi zu laufen um zu schauen ob wir läuferisch so halbwegs harmonieren, meldete ich mich an.

Der Vortag

Ich bin bereits am Tag davor angereist um mich mit Franziska (aka @Fraulaufstrumpf) dort am Hotel zu treffen und die Startunterlagen in Eisenach abzuholen. Quartier bezogen wir im Landhotel Eisenach dass in einer alten Fliegerschule beheimatet ist und große gemütliche Zimmer bietet, als ehemaliger Soldat erkennt man das Kasernenflair allerdings dann doch noch. Zum Glück hatte ich noch recht kurzfristig ein Zimmer buchen können. Ein Gast hatte abgesagt, manchmal muss man einfach auch mal Glück haben 🙂

Am Eisenacher Markplatz trafen wir dann Katharina, Franziskas Schwester die auch München angereist war. Für die beiden Schwestern sollte der Rennsteig die quasi Generalprobe für den ZUT über 80 km in Juni sein, für mich ein langer Lauf für den Rheinburgenweglauf und den Kölnpfad. Demnach hatten wir, bzw. die Mädels nur ein grobes Zeitziel von sub 10 Stunden vor Augen. Ich wollte „einfach“ nur hinterher laufen und mich nicht kaputt machen.

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Abholung der Startunterlagen

Am Markplatz traffen wir dann nach dem Kloßessen auf Thomas (aka @Lennetaler) der ebenfalls den Supermarathon gelaufen ist. Der Abend bzw. die Veranstaltung begann, zumindest für mich schon etwas seltsam. Es gab weder alkoholfreies Bier als ich am Bierwagen stand noch ausreichend Kuchen, denn zwei Klöße und etwas Rotkohl waren nicht wirklich genug um mich satt zu bekommen. Das letzte Stück Kuchen teilten ich mir dann mit den Mädels, alles andere war ausverkauft.

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beim Packen.

So gegen 21:00 machten wir uns dann wieder auf ins Hotel, Sachen packen und schlafen. So der Plan. Als wir dann endlich fertig waren mit der Packerei und Quatscherei bleiben uns dann noch etwas mehr als 5 Stunden Schlaf. Effektiv hatte ich dann aber in der Nacht wohl eher was um die 3 Stunden da ich oft und lange einfach wach gelegen bin und trotz Müdigkeit nicht zu Ruhe kam. Franziska ging es da wohl ähnlich.

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Kloßessen am Marktplatz in Eisenach

Der Renntag

Der Wecker klingelte um 3:30 da wir rechtzeitig um 04:00 beim Frühstück sein wollten, das Hotel hatte extra für die dort untergebrachten Rennsteigläufer etwas früher als sonst aufgetischt. Das Angebot war reichhaltig und es gab alles was man morgens so braucht, vor allem Kaffee.

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zu Fuß zum Marktplatz

Etwas müde trafen wir uns auf dem Marktplatz mit Katharina und den Eltern der beiden. Toll wenn die Familie extra so weit und früh anreist um den ganzen Tag irgendwo anders an der Strecke zu stehen und anzufeuern.

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Franzi, ihre Support-Crew, Thomas und Isabell warten auf den Start.

Die letzte Halbstunde vor dem Start standen wir also am Brunnen rum und warteten auf den Startschuss während etwas weiter vorne die Stimmung angeheizt wurde. Mir persönlich ist der Trubel ja eh immer zu viel, denn meist zum Laufen und nicht zum Feiern da. Ein Grund warum ich große Events meide.

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Die ersten X-Hundert Meter geht es durch die Eisenacher Innenstadt, vorbei an Zuschauern die fleißig anfeuern. Die treuen, immer freundlichen und motivierenden Zuschauer sind schon eine tolle Sache und sind definitiv ein Aushängeschild für den Lauf. Nur so kann eine Veranstaltung es schaffen 44 Ausgaben stattfinden zu lassen und immer weiter zu wachsen.

Die ersten Kilometer waren es echt eng auf den breiten Wegen, irgendwo müssen die 2200 Supermarathonläufer aber eben auch hin. Auf einer Singletrail-Strecke wäre das schlicht unmöglich ohne schon beim ersten Anstieg eine kilometerlange Schlange zu verursachen. Was mir ganz deutlich aufgefallen ist und was mir absolut nicht gefallen hat, waren die Müllberge an und um den VPs. Mag das am VP selber noch „ok“ sein wenn man seinen Müll halt auch mal neben die zahlreichen und großen Müllsäcke wirft, ist es ein absolutes No-Go wenn man das 1000 und mehr Meter danach macht. Auch die vielen, vielen Geltütchen mitten auf der Strecke sind eine Frechheit! Solche Bilder haben mir in der Tat immer wieder die Stimmung vermiest.

Wir drei liefen ein langsames aber gleichmäßiges Tempo, an den Steigungen gingen wir meist, gaben Gas beim Abstieg und schlurften auf den flachen Stücken. Eile hatten wir keine an dem Tag, das sollte sich auch als die richtige Taktik herausstellen. Grade zu Beginn wurden wir viel überholt, ließen uns davon aber nicht beirren. Immer wieder machten wir langsam und achteten auf den Puls. Sowohl Franzi als auch Katharina sind noch recht frisch auf der langen Langstrecke und so war unsere Taktik defensiv ausgelegt, was mir trotz mittlerweile einiger Langstreckenkilometer ganz gelegen kam. Ich bin ja bekanntlich auch eher ein Tempoverweigerer und sehe meine Stärke eher darin hintenraus zäh bleiben zu können. Noch ein Punkt der dafür spricht dass Franzi und ich läuferisch gut zusammen passen. Die Ausrichtung ist da recht ähnlich.

Die erste Rennhälfte

Die erste Hälfte war geprägt von lockerer Stimmung, Ausgelassenheit und gegenseitigem Kennelernen auf dem Trail, ähm Verzeihung Waldwirtschaftsweg. Die Mädels fieberten den erstem ersten VP mit Würstchen entgegen und „Würstl“ war das Thema Nummer eins unterwegs 🙂 Ich nickte immer fein fleißig, waren die Würste ja eher nix für mich.

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Auf den ersten 36 km standen uns dann auch 3 der 6 Vollverpfelgungspunkte und 4 der Getränkestationen zur Verfügung. Gefühlt waren wir nur am Trinken und Futtern, also mein Gefühl war das zumindest. Auf Grund der quasi durchgängigen Versorgung fiel meine Wahl auch „nur“ auf das Vest Pack 1 von Orange Mud, denn auch wenn eigentlich keine Eigenverpflegung notwendig ist, habe trotzdem gerne immer zumindest Flüssigkeit dabei. Ein großer Rucksack wäre hier echt überdimensioniert gewesen, die Mädel trugen ihn auch nur zu Trainingszwecken und als Gewöhnung für den ZUT.

Die zweite Rennhäfte

Mit ausreichend Wurst im Bauch, ich begnügte mich mit gesalzenem Apfel, Wasser und einem Schmalzbrot liefen wir nach ein paar Minuten weiter und passierten nach kurzer Zeit das 40 km Schild. Wir waren noch immer guter Laune, auch wenn sich die Anstiege so langsam bemerkbar machten und die Mädels anfingen zu beißen.

Wir hatten allerdings zu Beginn des Laufes genug Körner gespart so dass beide noch Lächeln konnten. Nur die extra Höhenmeter auf den Aussichtspunkt wollten sie nicht mehr mit mir gehen.

Natürlich haben die beiden nicht darauf gewartet dass ich wieder vom Turm steige, sondern sind weiter gelaufen. So durfte ich mal wieder den beiden hinterher rennen und zog mir so vielfach verdutzte Blicke zu. Wenige Läufer waren in unserem Teil des Feldes noch in der Lage Zwischensprint einzulegen, die meisten waren jetzt schon damit beschäftigt den Lauf einfach zu finishen. Mir machte es riesigen Spaß den Mädels hinterher zu sprinten, denn erfreulicherweise ging das jederzeit problemlos und mein Puls sank binnen ein paar hundert Meter wieder auf das Durchschnittsniveau von 72% HFMax. Der Rennsteig war also ein idealer Trainingslauf und meine Zuversicht sowohl den Rheinburgenweglauf in zwei Wochen als auch den Kölnpfad erfolgreich zu beenden stieg mit jedem Kilometer. Tolles Gefühl wenn sich das Training bemerkbar macht. Andererseits wäre es zum jetzigen Zeitpunkt auf fatal wenn ich auf 72 km massive Probleme bekommen hätte.

Die Kilometer tröpfelten so dahin, der Untergrund mit seinen vielen groben Steinen begann mir etwas Probleme zu bereiten. Ich war mal wieder etwas zu oft auf einen der Brocken getreten und meine Füße fingen an etwas empfindlich zu werden, bei den langen und harten Downhillpassagen meckert dann auch noch meine Knie ein wenig. Alles noch im Rahmen, aber ein Zeichen der eintretenden Ermüdung.

Wir wurden zunehmends weniger gesprächig und liefen längere Strecken ganz ohne Unterhaltung. Regelmäßige kurze Blicke in die Gesichter meiner Begleiterinnen zeigten zwar den Kampf, aber eben auch den Spaß den die beiden dennoch hatten.

Bemerkenswert fand ich, dass beide trotz der Anstrengung und Belastung weiterhin die laufbaren Anstiege eben hoch liefen und nicht wie mittlerweile eigentlich alle um uns herum ins Gehen verfielen. Das behielten wir dann auch bis zum Schluss so bei, was gerad hintenraus dafür sorgte dass wir ordentlich Läufer (und mittlerweile auch Wanderer) überholen konnten. Dank meiner unverwechselbaren, motivierenden Art kam dann auch dieser kurze Dialog zustande.

Aber sie hatten natürlich vollkommen Recht, während um uns das „Elend“ begann und immer mehr Läufern auch die fortgeschrittene Belastung und die vielen Kilometer buchstäblich anzusehen war, liefen wir stur unser Tempo weiter. Auch wenn es auf der Strecke in der zweiten Hälfte flacher wurde weil wir eben auf der Höhe angekommen waren, finde ich es beachtlich dass wir einen negativen Split liefen. Da wir viele Läufer die uns zu Beginn bereits überholten wieder eingesammelt haben, weiß ich dass nicht alle dazu in der Lage waren. Alleine vom letzten VP bzw. Messpunkt „Schmücke“ bis ins Ziel konnten wir 6 Sekunden pro km gut machen. Auch wenn es dort größtenteils abschüssig war, muss man das auch erstmal schaffen mit 64 km in den Beinen. Der harte Fortwirtschaftsweg machte das nicht einfacher.

Kurz nach dem letzten Getränke VP hörten Katharina und ich nur noch ein kurzes „die Cola wirkt!“ von Franzi und dann zündete sie den Turbo. Ganz ehrlich? Wäre ich alleine gewesen, wäre ich nie auf die Idee gekommen so spät noch mal so flott zu laufen. Die letzten Kilometer liefen wir deutlich unter 6 min/km und bahnten uns unseren Weg zwischen den leidenden Läufern hindurch.

Das Zieleinlauffoto (gemacht von Michael Schwoch) sah dann auch entsprechend dynamisch aus.

44_Rennsteiglauf_Zieleinlauf

Unser tolles Team, hat gut gepasst würde ich sagen. Alle haben ihre Ziele für den Tag erreicht. Katharina, die schon seit ihrer Jugend einmal den Rennsteig Supermarathon finishen wollte, Franzi sie die sub 10 haben wollte und ich der wie immer „satt, zufrieden und glücklich“ in Ziel kommen wollte 🙂 Fürs „satt“ bedanke ich mich hiermit bei den vilen (verdammt vielen) Helfern und fürs „zufrieden und glücklich“ bei den bezaubernden Mädels. Es war mir eine Freude mit euch.

Nicht vergessen darf und will ich den Laufstrumpfschen Streckensupport, man hat die beiden dank ihrer „Kuhglocke“ schon weit vorher gehört. Tolles Sache, danke dafür. Danke auch für die Mitfahrgelegenheit von Schmiedefeld zurück nach Eisenach. Ihr habt mir eine Menge Stress und die Fahrt mit dem Shuttlebus erspart.

44_Rennsteiglauf_dasTeam
Meine Wenigkeit unter Schwestern

So! #rennsteiglauf #eisenach

Ein von Frau Laufstrumpf (@fraulaufstrumpf) gepostetes Foto am

Zahlen zum Lauf – Splits

Wie man sieht, liefen wir recht gleichmäßig. Die Renneinteilung klappt also schon mal sehr gut.

MessstationLaufzeitDurchschnittspace
km25,5 - Inselsberg03:21:597:55 min/km
km37,5 - Ebertswiese04:54:267:51 min/km
km54,7 - Grenzadler07:12:097:54 min/km
km64 - Schmücke08:37:308:05 min/km
km72,6 - Ziel09:39:597:59 min/km

 

Isabell (@laufspatz) hat ihn ihrem Blog auch einen tollen Bericht verfasst, Glückwunsch zum Finish 🙂

Was mir noch aufgefallen ist, ist dass es ganz offenbar jede Menge Stürze gab die ich mir nur dadurch erklären kann dass man auf Grund der wenig technischen Strecke einfach zu unaufmerksam wird im Verlaufe des Laufes. Immer wieder hab ich Läufer mit blutigen Knien, Ellenbogen oder Händen gesehen.





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


9 Antworten auf „Laufbericht zum 44. GutsMuths Rennsteiglauf Supermarathon“

  1. Schöner Bericht! Danke dafür: für das nächste Jahr überlege ich, zu starten – das war ein guter Einblick!
    Glückwunsch zum Finish und viel Spaß bei den nächsten Herausforderungen.

    1. Dankeschön. Wer auf Stimmung steht, die Distanz meistern und dabei auf nichttechnischen Waldwegen unterwegs sein will, für den ist der Rennsteiglauf definitiv was 🙂

      Die nächste Herausforderung wartet bereits, am 4. Juni gehts auf den Rheinburgenweg, 110 km und 4000 Hm warten dort. Ich bin gespannt wie es dieses Jahr läuft, theoretisch sollte ich deutlich besser durchkommen als bei meiner Premiere letztes Jahr.

  2. Vielen Dank für diesen eindrucksvollen Bericht. Als Zuschauer und Motivator am Rand bekommt man leider nicht
    viel von den eigentlichen Strapazen und immerwährenden Eigenmotivationen während so eines wirklich anspruchsvollen
    Laufes mit. Man sieht Euch die Freude und den Spaß trotz aller Belastung an und das war auch uns eine Freude, Euch
    zu begleiten. Vielen Dank dafür. Wir wünschen Euch und Euren Mitläufern weiterhin viel Spaß beim Laufen und wünschen Euch vor allen Dingen, dass Ihr immer gesund und munter durch kommt.
    Gerhard und Ines Blum

    1. Hallo Ines,

      auch wenn wir uns auf weiten Strecken größtenteils selbst motivieren müssen (oder wie hier in einem tollen Team), sind nette Blicke von außen immer toll. Auch wenn nicht jeder Läufer es noch schafft entsprechend zu reagieren und zurück zu lächeln, hilft es den allermeisten doch ungemein die Strapazen zu ertragen 🙂

      Danke für den Support und die Anfeuerungen, toll wenn die Familie so hinter ihren Sportlern steht und toll dass ich davon profitieren durfte 🙂

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