Ultranormal – Alles eine Frage der Perspektive

Fred-Devito-Quote

Ich gebe zu, seitdem ich Ausdauersport betreibe verschieben sich die Grenzen dessen was ich für unglaublich halte unaufhaltsam. Daher habe ich eine etwas andere Sichtweise auf sportliche Leistungen als der Otto-Normal-Bürger und halte vieles für normal oder zumindest für wenig außergewöhnlich. 100 km Laufen? 250 km durch die Wüste? 100 Stunden auf dem Rad? 30.000 Höhenmeter? Alles kein Problem, naja oder zumindest menschenmöglich.

Davor warnt Daniel in seinem Artikel „The Winner takes it all“ ein wenig dass „wir“ gerne vergessen dass das was wir machen eben nicht normal ist. Ich bin da gespaltener Ansicht.

Klar, wer 17 Minuten plankt oder 404 Kniebeuge macht, leistet etwas was ein Großteil der Bevölkerung nicht kann. Aber die Frage ist doch ob das an uns oder am Rest der Bevölkerung liegt dass wir nicht normal sind? Eric stellt an anderen Stelle übrigens mal klar warum das eigentlich falsch formuliert ist. Nicht wir sind nicht normal, sondern unsere sportlichen Betätigungen sind es nicht.

Abseits der Norm und Spaß dabei!

Sieht man sich mal in seinem unmittelbaren Umfeld um wird einem wahrscheinlich auffallen dass die wenigsten Kollegen oder Bekannte in der Lage sind 10 Liegestütz zu machen oder 30 Minuten laufen zu gehen. Bei vielen reicht schon ein kaputter Fahrstuhl um ihnen den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben.

Aber mal ehrlich, sind das die Menschen mit denen wir uns vergleichen wollen? Ist das die Norm der wir entsprechen wollen / sollen? Das klingt arrogant? Mag sein, aber ich mache nun mal keinen Hehl daraus das ich fitte Menschen für die grundsätzlich besseren im Sinne von diszipliniertere Menschen halte. Wirklich kranke Menschen nehme ich hiervon explizit aus, wobei man unterscheiden sollte ob jemand aus Bewegungsmangel krank wird oder an Bewegungsmangel leidet weil er krank ist.

Ein Grund warum ich mit dem Laufen angefangen habe ist, weil ich gerade nicht so sein wollte wie die meisten Menschen die „keine Zeit“ für Sport haben und sich „wohl fühlen“ mit ihren 10 oder 20 kg Übergewicht. Die nicht mit ihren kleinen Kindern um die Wette laufen können weil der Kardiologe davon abgeraten hat. Die nicht in der Lage sind ihre Kinder durch den Wald zu tragen wenn sie nicht mehr können.

Ich finde es toll, dass ich mich in Mitten von außergewöhnlichen / unnormalen Menschen befinde, auch wenn es meist nur virtuell ist. Ich finde es toll dass wir uns gegenseitig herausfordern Dinge zu tun die wir alleine wohl eher nicht tun würden.

Nimm die Herausforderung an!

Die Herausforderung, der Spieltrieb oder Kampfgeist war der Grund warum ich überhaupt auf die Idee gekommen bin so viele Kniebeuge am Stück zu machen und jeden Tag mit bangen Blick in die aktuelle #squatnseat Tabelle schaue. Aber hey, selbst wenn jetzt einer der Bekloppten in dieser Liste auf die Idee kommt morgen 500 am Stück zu machen dann ist das toll. Dann bin ich geschlagen, ich freue mich darüber und gehe zum Angriff über. Bei der Planke zum Beispiel habe ich von Anfang an erst gar kein Land gesehen und das war auch ok.

Be your better self!

Ich sage ganz deutlich, sucht euch eine Herausforderung und bestreitet sie! Challenges sind gut für euch denn sie bringen euch im Idealfall heraus aus der Komfortzone. Dabei kommt es nicht darauf an wie ihr dabei abschneidet, selbst wenn ihr immer nur Letzter werdet habt ihr euch angestrengt und geht deutlich stärker aus der Sache raus als ihr sie begonnen habt. Steht zu eurem Scheitern denn nur so werdet ihr beim nächsten Mal besser.

Scheitern kann ich auch ganz gut, wichtig ist nur das ihr dran bleibt und nicht aufgebt.

 

Ach und ignoriert die Menschen in eurem Umfeld die behaupten ihr wärt nicht normal, im stillen Kämmerlein wird ein Großteil dieser Menschen euch für eure Willenskraft beneiden. Sie werden es nur niemals zugeben. Seid ihnen ein Vorbild und motiviert sie. Nehmt es als Kompliment.

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5 Kommentare

  1. 23. März 2016    

    „Dabei kommt es nicht darauf an wie ihr abschneidet……“ Ein Zitat oder ein Abschnitt der in Bezug auf Challenges und dem sportlichen im Allgemeinen besonders wichtig ist. Wichtig ist das man dran bleibt, man kann an der Sache nur wachsen. In unseren Gefilden wird immer einer lauern der besser ist. Denn es kommt nicht primär darauf an der Beste zu sein, sondern das Beste aus dem herauszuholen was man leisten kann… Man kann nur gewinnen.

  2. laufendentdecken laufendentdecken
    23. März 2016    

    Du sprichst mir da teilweise echt aus der Seele. So oft hör ich dieses „ist schon ein bisschen viel was du da machst“ oder „puh, so weit laufen – ob das noch normal is“, aber den ganzen Sonntag im Bett liegen und blödsinn in sich reinstopfn soll normal sein? Da bin ich lieber verrückt, geh ne Runde laufen und fühl mich prima.

    • 23. März 2016    

      Ja das kenne ich 🙂 Aber jede Distanz verliert ihren Schrecken wenn man sich ihr erstmal angenähert hat 🙂

  3. 23. März 2016    

    Mir gefällt wie das Thema kreise zieht, von Erics Blog zu meinem und nun zu Deinem … und so viele Ansichten und Meinungen zu etwas entstehen, dass uns alle früher oder später betrifft.

    Ich kann Deine Sicht der Dinge genau so gut nachvollziehen … andererseits nehme ich mich aus meinem Appell an die „Welt“ nicht aus. Ich bin beim besten willen kein sportlicher Kostverächter und wir alle wissen, wie leicht ich mich zu Blödsinn verleiten lasse, allerdings versuche ich mir dabei so oft wie möglich vor Augen zu halten, dass es extrem ist was ich manchmal tue.

    Extrem nicht im objektiven Sinn, sondern extrem für mich … extrem für einen Typen mit meinem Job, meiner Familie und allem was bei mir eben so ansteht. Es gibt eben immer jemanden, der mehr trainieren/laufen/radfahren kann und der das auch tut… und in der virtuellen Welt sind diese wunderbar bekloppten Menschen einfach viel näher. Ich kenne im Umkreis keine Ultramarathonläufer und ich weiß aus der Zeitung nur von einem Ultra-Radler.

    Und da kommt für mich der Punkt wo ich sage was wir tun ist nicht normal. Das ist für mich keine Wertung dessen was wir alle so tun, sondern ein Knoten im Taschentuch das auch zu schätzen. Ich habe mich kürzlich mit sportlich ambitionierten Bekannten unterhalten – die halten mein Radtraining schon für Extrem, obwohl die 300km letztes Jahr eigentlich nur eine mittlere Distanz für Langstreckenradfahrer sind … mit der Info 24h Rennen war es dann total aus.
    Da rede ich nicht von Couchpotatoes oder Fetties, sondern Leuten die am WE eben gern mal 50-60km mit dem Rad fahren und 2-3x im Jahr einer RTF beiwohnen.

    Solche Leute haben einen anderen Anspruch, schätzen die Bewegung und den Sport sind aber bei weitem nicht so passioniert. Das ist für mich auch absolut OK. Nur wenn das was ich tue schon „extrem“ ist und es Leute gibt deren Leistung ich als sehr sportlich aber machbar einstufe wird das zum ewigen Kreislauf. Wer besonders viel trainiert oder besonders gut ist misst sich irgendwann mit Profis und kann dann immer nur verlieren. Und an diesem Punkt braucht es für mich den Stopp, das Bewusstsein das es einerseits nicht normal ist wie wir Sport betreiben und das es nicht normal ist Sport zu betreiben (das vor allem im Hinblick auf die Gesundheit).

    Ich bin gespannt welche Diskussionen sich hier noch entwickeln, ich bin mir sicher ein paar Mega-Pros lesen irgendwann unsere Gedankengänge und kichern sich nen Wolf, weil irgendwo irgednwer immer mehr macht als man selbst. Das berühmte Ausdauersport-Naturgesetz 🙂

    • 23. März 2016    

      Ich glaube hier habe ich einen klaren Vorteil dir gegenüber oder naja vielleicht ist es auch eher ein Nachteil. Ich kenne viele Ultraläufer, sehr viele. Wenn ich meine Facebookfreunde mal in die unterteile die ich im echten Leben kenne und wer davon schon mal 50 oder mehr Kilometer gelaufen ist und wer nicht dann sind es nicht viele die beim Marathon aufgehört haben. Für mich ist die Ultraläuferszene also kein Mysterium sondern ich bin ein Teil davon und zwar ein ziemlicher Rookie 🙂
      Das was ich so laufe mag für Außenstehende extrem sein, aber der eine oder andere Endfünfziger in meiner FB Liste ist schon mehr als 300 Ultras gelaufen. Somit habe ich wohl echt eine andere Perspektive und schätze mich eben nicht zu extrem ein zumal es irgendwann echt keine Unterschied mehr macht ob man 80, 100 oder 110 km läuft. Das lässt sich nahezu beliebig nach oben erweitern.

      Das es auch Sportler gibt die den Sport auch tatsächlich ausschließlich deshalb ausüben um Bewegung zu haben ist mir klar, davon kenne ich genug. Das ist dann auch vollkommen ok, jeder wie er will.

      Warum sollte dein Pensum für einen Typen wie dich extrem sein? Wenn ich deine familiäre und berufliche Situation richtig mitbekommen habe entsprichst du (so wie ich) mehr oder weniger dem Durchschnitt, wobei ich mit drei Kindern in dem Fall schon wieder drüber liege. Durchschnitt ist hier jetzt nicht abwertend gemeint, Mittelschicht eben. Unsere Wochenarbeitszeit dürfte ungefähr die selbe sein, also eher mehr als vertraglich festgelegt 😉 Klar, die bist aktuell verletzt aber das heißt nicht grundsätzlich dass du das Pensum nicht hättest schaffen können mit etwas mehr Bedacht.
      Ich glaube ja fest daran dass ich keine Besonderheit bin mit dem was ich leisten kann, ich bin vielleicht in Sachen Ausdauersport bzw. Leidensfähigkeit was die langen Distanzen angeht etwas verbissener als andere. Das mag sein. Was ich kann denke ich, kann grundsätzlich jeder gesunde Mensch.
      Ich war lange Zeit ein Sportmuffel, kenne also auch die andere Seite gut und weiß dass ich da nicht mehr hin will 🙂

  4. […] Daniel (wieder der von Endurange.com) und ich haben sich außerdem noch über den Sinn von Challenges ausgelassen, was im Nachhinein ganz gut zu […]

No Pings Yet

  1. #koelnpfad171 – Woche 12 › Trailrunnersdog - Weil 6 Beine einfach mehr Grip haben on 26. März 2016 at 9:31

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