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Marathon – sportliche Herausforderung oder Event?



Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 22 Sekunden



Ich möchte euch warnen, dieser Artikel kehrt mal wieder die Seite in mir nach außen die nicht immer gesellschaftsfähig ist. Wer mich also als den mehr oder weniger netten Kerl mit Hund in Erinnerung behalten möchte, sollte hier nicht weiterlesen.

Die Tage sah ich ein Foto eines Teilnehmers des Marathons in München, auf diesem waren vier Sanitäter zusehen die eine Person auf einer Rolltrage hatten und diese trage über die Tartanbahn des Stadions schoben.
Unter diesem Bild stand diese rührende Geschichte:

 

Als ich am Sonntag im Olympiastadion meinem Papa beim Zieleinlauf begrüßen wollte, wurde ich Zeuge einer so so tollen Geste das ich gern mal danke sagen will.
Danke an die vielen Helfer und in diesem Speziellen Fall großen Dank an die Sanitäter.
In der letzten Kurve im Olympiastadion also nur wenige Meter vor dem Ziel brach eine Frau zusammen. Es sah so aus als wenn einfach der Kreislauf versagte . Nach wenigen Sekunden waren auch schon Sanitäter vor Ort.
Als die Frau dann auf der Trage lag machten die Sanitäter was in meinen Augen einfach so großartig war.
Sie schoben die Trage im laufen vor sich her und liefen mit Ihr die Runde zu Ende und unter jubelnden und klatschenden Zuschauern ins Ziel.
Das war ein so toller Augenblick der Nächstenliebe das ich es hier gern Posten wollte.
Danke an alle Helfer nochmal aber speziell an diese Sanitäter für diese tolle Aktion .

Jetzt weiß ich nicht genau ob es Absicht der Sanitäter war mit der Frau diese Runde zu Ende zu laufen, oder ob der Weg durchs Ziel einfach der Kürzeste war.

Auf Rollen ins Ziel?

Was ich aber an der Geschichte seltsam finde sind die Reaktionen darunter. Nahezu alle Kommentatoren waren sich einig dass das eine wirkliche tolle Geste gewesen sein, ein Schritt zu mehr Menschlichkeit etc. Sie habe trotzdem gefinisht und das dank der Sanitäter. Spätestens da hörte es bei mir auf. Nein sie hat den Lauf definitiv nicht beendet, nicht aus eigener Kraft und darauf kommt es ja eigentlich doch an. Versteht mich nicht falsch, ich mache der Läuferin da keinen Vorwurf oder will ihre Leistung schmälern. Sie ist immerhin bis kurz vors Ziel gekommen und hat sich wahrscheinlich lange Zeit darauf vorbereitet. Die eigentliche Leistung ist doch im Grunde die Trainingsleistung und der Wettkampf „nur“ die Belohnung für all die Arbeit. Ein DNF ist absolut keine Schande, viele Profis steigen beim Marathon lieber bei km 35 aus als dass sie sich für eine schlechte Platzierung ins Ziel quälen und die Regeneration unnötig verlängern. Ok, deren DNF ist auf einem anderen Niveau aber auch sie überqueren die Ziellinie dann eben nicht. DNF ist DNF. Ob ich davor auf Weltrekordkurs war oder nicht zählt nicht, verkackt ist verkackt.

Die Kommentare spiegeln allerdings wunderbar die Einstellung vieler Freizeitläufer und sub6 Stunden Marathonläufer wider. Hauptsache einen Marathon „gelaufen“ und sei es bis knapp an den Zielschluß. Sportlicher Ehrgeiz bedeutet für viele lediglich sich zu bewegen, Wettkämpfe läuft eh kaum einer noch. Ja auch ich bin ein langsamer Läufer (ja, ist immer relativ) der definitiv nie um Platzierungen laufen wird, zumindest nicht geplant. Weil ich es nicht kann und vor allem weil ich es nicht will bzw. nicht bereit bin die nötige Trainingszeit zu investieren. Der einzige Wettkampfgegner dem ich bei meinen offiziellen Läufen begegne und gegen den ich antrete bin immer ich selbst. Aber ich gehe an jeden (naja fast jeden) Wettkampf mit dem nötigen Ernst und Respekt an, immer mit dem Ziel das bestmögliche Ergebnis für mich zu erzielen. Und sei dieses Ziel nur den Wettkampf als langen Trainingslauf zu nutzen oder Freunde und Bekannte zu begleiten.

Der eigene Anspruch

Als ich damals meinen ersten Halbmarathon beim Mittelrhein Marathon gelaufen bin, habe ich im Vorfeld solange trainiert bis ich im Training sicher unter die 2 Stundengrenze gekommen bin. Diese Grenze ist auch heute noch mein Mindestanspruch bei flachen Strecken, beim Marathon liegt diese Grenze bei 4 Stunden. Es kann doch kein wirkliches Ziel sein einen Marathon einfach nur zu beenden und dafür dann 5 oder 6 Stunden zu benötigen. Mit Laufen hat das dann faktisch nichts mehr zu tun. Alleine die Tatsache dass ich meinen Körper damit unnötig lange belaste nur um sagen zu können ich sei schon mal Marathon zu laufen würde mich davon abschrecken, zumal man mit einer Marathonzeit von über 4 Stunden eh keinen mehr beeindrucken kann, außer man ist schwer übergewichtig, krank oder hat ein Handicap. Am allerwenigsten könnte ich mich aber damit selber beeindrucken. Es ist nicht meine Absicht jetzt hier die Läufer schlecht zu machen die meine Grenzen nicht einhalten können, die 2 bzw. 4 Stunden Marke ist eine rein individuelle Grenze. Es soll ja auch Läufer geben die einfach nicht schneller laufen können, alles kein Problem. Jeder wie er kann. Schaut man sich aber mal das letzte Viertel der Marathonfinisher an, so wird man feststellen dass diese Läufer nicht deshalb 5 oder 6 Stunden brauchen weil sie langsam aber eben konstant durchlaufen. Nein, wer in dem Bereich einen Marathon beendet, der ist in den meisten Fällen einfach von der Distanz überfordert und untertrainiert. Einbrüche oft schon ab knapp der Hälfte der Distanz zeigen ganz eindeutig dass das Training nicht ausreichend war. Warum man sich 42 km antut und dabei auf mehr als der Hälfte der Strecke leidet werde ich wohl nie verstehen.

Ich persönlich wollte nicht medienwirksam (ob das beabsichtigt war sei jetzt mal im aktuellen Fall dahingestellt) durchs Ziel geschoben werden. Wenn ich es nicht aus eigener Kraft, meinetwegen auf den letzten Kilometer von einem Kumpel oder Leidensgenossen begleitet oder sogar gestützt ins Ziel schaffe dann ist das so. Dann gestehe ich mir das ein. Wäre ich nach der Behandlung durch die Sanitäter in der Lage die letzten 300 Meter ins Ziel zu kriechen würde ich das tun, falls nein steht es mir auch nicht zu die Ziellinie zu überqueren. Es gibt für mich nur einen Weg ins Ziel, auf den eigenen Beinen oder im Kriechgang. Jedenfalls werde ich nicht durchs Ziel geschoben. Das will ich nicht.

In unserer Spaßgesellschaft scheint das aber nicht mehr der Anspruch zu sein und Marathon läuft man oftmals nur noch wegen dem Event, der Freßorgie davor und der Sauferei danach. Schade eigentlich.

Was meint ihr dazu, bin ich zu extrem? Zu verbissen?





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14 Antworten to “Marathon – sportliche Herausforderung oder Event?

  • Ich habe nach dem ersten Abschnitt mit sonstwas gerechnet…
    Derbste Pöbeleien gegen Läuferinnen in bunten Tights oder so ;).
    Aber was du schreibst sehe ich auch so. Entweder man schafft etwas, oder eben nicht. Ist ja bei allem so. Und da muss man auch mal ehrlich zu sich selbst sein.
    Ich glaube nicht, dass die Läuferin auf der Trage den Marathon als gemeistert ansieht. Zumindest nicht, wenn sie ehrlich zu sich selbst ist. Es ist eine große Leistung, so weit zu laufen, wie sie gelaufen ist. Aber es hat eben ein leider, leider ein kleines bisschen gefehlt.
    Schade, aber dafür hat man ja den nächsten Marathon.

    • Sascha

      Wenn sie auch nur halbwegs vernünftig trainiert und sich auf diesen Marathon vorbereitet hat wird sie das nicht als Finish sehen, da bin ich mir sicher.

  • Ich stimme zwar prinzipiell mit vielen Punkten überein, frage mich aber bei solchen Kommentaren immer auch gleichzeitig, wieso das Problem als so groß angesehen wird, dass es einen offenbar so beschäftigt.

    Ich bin bisher zwei Marathons gelaufen: einen 4:25 (bei KM 30 Wadenkrämpfe bekommen) und den nächsten dann wie auch beim ersten schon geplant, knapp unter 4 Stunden (3:58:21). Und nein, ich war auf die 4:25 nicht besonders stolz. Trotzdem gehören solche Läufe, bzw. solche Läufe irgendwie dazu. Wenn Marathon leicht wäre, würden alle Teilnehmer frisch und fröhlich nach 3 Stunden oder schneller im Ziel ankommen. Sub 4 Stunden ist nur deshalb eine Leistung, weil inzwischen nicht mehr der Zielbereich abgebaut wird bevor man ankommt, weil ein paar Leute ihr Ziel knapp verfehlen (wie ich z.B., das Training war ungenügend), ihr Körper schlapp macht oder weil viele Läufe auch nie die Ambition hatten schneller als 5 Stunden zu laufen (ich glaube, dass es tatsächlich sehr viele Läufe gibt, die konstant langsam laufen). Man ist auf die eigene Leistung (bei mir halt die Sub 4 Stunden) dann deshalb stolz, weil man weiß (u.a. durch frühere negativere Erfahrungen), dass man nur mit einer guten Vorbereitung diese Leistung erbringen konnte.

    Aber in jedem Fall ist es doch so, dass man nur gegen sich selbst läuft, immer eine neue PB haben will. Ist es da nicht ein Widerspruch, wenn man auf die anderen, langsameren Läufer schaut und sich groß darüber Gedanken macht, ob sie man jetzt wirklich Finisher und Marathonis nennen darf? So what?

    • Sascha

      Hallo Mark,
      natürlich läuft man nur gegen sich selbst, zumindest in „unserer“ Leistungsklasse sprich abseits der Welt- oder Lokalelite. Ich möchte wie geschrieben nicht irgendjemanden seinen Marathoni aberkennen, nichts liegt mir ferner. Jeder der sich ins Ziel kämpft ist ein Finisher und genau hier setzt mein Beitrag an. Diese unbekannte Frau, der ich nichts böses will wurde durchs Ziel geschoben. Da war / ist nicht ihr Fehler, sie hat es sich vermutlich ja nicht ausgesucht.

  • Schwieriges Thema. Einerseits kämpft ja jeder gegen sich selbst und der eine schafft das eben in Sub 3 für 42 km während ein anderer dafür 5 Stunden benötigt. Dennoch denk ich wie Du: Wer den Zielschluss bis zum äußersten in Anspruch nimmt, der hat entweder nicht genug trainiert oder hat nicht die Konstitution, um diese Strecke zu laufen – und ist in 90% aller Fälle selbst daran schul. Aber die „Eventisierung“, die Du ansprichst, gibt es ja in allen Bereichen. Nicht nur beim Laufen, sondern auch z.B. beim Fußball. Dort gehen viele Fans mittlerweile lieber zu den Spielen der zweiten Mannschaften. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Trailrunning, mit seinen oft kleinen Veranstaltungen immer beliebter wird. „Back to basic“ ist vielen lieber als mit 40.000 anderen durch Berlin zu hetzen.

    • Sascha

      Richtig, wer bis kurz vor Schluß auf der Strecke bleibt, hat meistens Trainingsdefizite. Ausnahmen bestätigen hier definitiv die Regel. Ich finde die CutOff Regelung bei den meisten Trailveranstaltungen wunderbar, so ist ein gewisses Leistungsniveau immer gegeben. In der Praxis sind die meisten CutOffs allerdings zu locker finde ich, zumindest bei den Läufen bei denen ich bisher unterwegs war. Klar, wenn man relativ locker durchkommt kann man leicht einer Verschärfung „fordern“. Mache ich aber ja im Grunde nicht.
      Die Vermarkter und Veranstalter haben halt bemerkt dass man mit der Läuferszene Geld machen kann, solange das noch so ist wird die „Eventisierung“ voran schreiten. Dagegen kann man sich ja aber zum Glück aktiv wehren.

  • Jeder hat unterschiedliche Ziele und Ansprüche an sich selbst. Meine ersten 42 km war eigentlich auch ne Spinnerei … Hatte fleissig mit nem Kumpel auf einen Trail 21er trainiert. Der ist dann abgesprungen … und alleine hatte ich dann keine Ambition mehr für 21. Dachte dass ich dann auch die 42 laufen kann. Hatte ein wirklich starkes Trainingspensum mit viel Höhenmetern. bin vorher bis ca 36 km gelaufen. Ziel war so 4 Std 15 Min. Kam in in 3:45 ins Ziel. Blut geleckt … Mittlerweile laufe ich nur noch Trails zwischen 50 und 85 km … und plane nächstes Jahr einen alpinen 100 er … Ankommen ist da alles denk ich erstmal 😉 … Es war halt damals (letztes Jahr) schon cool zu sagen dass man mal einen Marathon gelaufen ist. Wenn man die längeren Distanzen ins Herz geschlossen hat kommen neue Ziele … 100 km z.B. Ist ja auch prinzipiell Irrsinn, die normalen Läufer halten uns auch für Spinner 😀

    • Sascha

      Na ein Marathondebüt von 3:45 ist ja schon ganz ordentlich, Glückwunsch. Da hast du mir definitiv was voraus, ich habe die Marathondistanz bisher übersprungen 🙂

  • Ich teile Deine Meinung, dass ein Lauf nur dann als gefinished gilt, wenn die Ziellinie aus eigener Kraft überschritten wurde. Schließlich ist es das Ziel eines Laufwettbewerbs, die jeweilige Strecke vom Start- bis zum Zielpunkt auf den eigenen Beinen zu bewältigen.

    Ich kann Dir allerdings nicht zustimmen, dass ein Marathon in 4 Stunden geschafft werden muss. Jeder Läufer, der eine solche Distanz laufend bewältigt, ist m.M.n. ein würdiger Finisher, egal ob die Zielzeit bei 2, 4 oder 6 Stunden liegt.

    Ich bereite mich auf meinen ersten Marathon vor, Zielzeit zwischen 4,5 und 5 Stunden. Und ich werde, sollte ich das Ziel erreichen, definitiv mächtig stolz sein, auch wenn die Zeit höchstwahrscheinlich schlechter als das von Dir genannte Limit ausfallen wird.

    • Sascha

      Hallo Alex,

      da hast du mich wohl etwas missverstanden. Jeder der einen Marathon, egal in welcher Zeit beendet ist ein Finisher, ich hatte mir nur selber die 2 bzw. 4 Stunden als Bedingung gesetzt bevor ich mich selber angemeldet habe. Ob man für 42 km ganze 6 Stunden brauchen kann wenn man läuft ist eine andere Sache, faktisch ist dass dann bei einer Pace von achteinhalb Minuten eben kein Laufen mehr. Ich kenne keinen der bei dem Tempo noch eine Flugphase hin bekommt und das ist nunmal die Definition vom Laufen. Ich würde aber niemals einem Läufer der nach 6 Stunden ins Ziel kommt seinen Marathon aberkennen wollen, mein Anspruch (an mich) liegt allerdings etwas höher.

  • Ich bin da sehr ambivalent mit meiner Antwort:

    Ich möchte nicht über die Ziellinie geschoben werden und denke auch das Sanitäter sich in erster Linie um das Wohl des Patienten kümmern sollen. Da ist das durchs Ziel kommen nebensächlich. Das Leben ist wichtiger.

    Aber was ich nicht ganz so sehe wie du sind die Zeiten:
    Ich bin in der glücklichen Lage, das ich bei jedem meiner Wettkämpfe bisher immer deutlich unter den von dir genannten Zeiten lag, aber ich kenne Leute die für einen Halbmarathon länger als 4 Stunden brauchen und wenn diese irgendwann einen Marathon laufen, dann vermutlich in mehr als vier Stunden. Ist es deswegen weniger Wert? Nein. Denn sie schaffen es. Sie schaffen es aus eigenem Antrieb. Auch wenn sie länger brauchen als du und ich. Ich habe Respekt vor dieser Leistung. Beim Kemnader Burglauf habe ich trotz Hitze nach 1:37 meinen Halbmarathon gefinished und bin danach den anderen Läufern wieder entgegen gelaufen. Ich habe leider mitbekommen, das der Veranstalter für den heißen Tag zu wenig Wasser an den VPs eingeplant hatte und somit die Läufer die es am nötigsten hatten, an leeren VPs vorbei kamen. Das war mies.

    In meinen Augen ist jeder der es aus eigener Kraft ins Ziel schafft ein Finisher und verdient Respekt. Und wenn er/sie doppelt so lang dafür braucht wie ich, dann ist das halt so. Mit 4 Stunden Marathon ist man auch schon fast doppelt so lang unterwegs wie die Sieger.

    Die Grenze von meist 3 Stunden für den halbmarathon und meist 6 Stunden für den Marathon zieht der Veranstalter. Und diese Grenze ist organisatorisch notwendig, da die Absperrungen irgendwann weg geräumt, Strecken wieder frei gegeben werden müssen. Aber viele Veranstalter sagen auch, das man danach auf eigene Verantwortung weiter laufen kann.

    • Sascha

      Hallo Frederic,

      selbstverständlich verdient jeder Respekt der es aus eigener Kraft ins Ziel schafft. Sollte das anders rum gekommen sein, dann war das nicht meine Absicht. Die meisten die allerdings 5 oder 6 Stunden laufen tun sich mit dem Finish keinen Gefallen und leiden unnötig lange. Ein DNF und die Einsicht nicht ausreichend trainiert zu haben wäre da oft die bessere Option. Das bleibt aber ja jedem selber überlassen, die Entscheidung nimmt einem beim Stadtmarathon keiner ab. Ok, je nach Zielschlusszeiten dann eben doch.

      Gruß
      Sascha

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