Trail Römische Weinstraße – wo ich bin ist (schon wieder) hinten!



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Nachdem ich im letzten Jahr beim Trail Römische Weinstraße ungeplant als Schlussläufer zusammen mit Martin und Jessy unterwegs war, wurde ich gefragt ob ich das in diesem Jahr noch einmal machen würde. Weil das ganze eine echt lustige Aktion war mit den beiden habe ich ohne lange zu überlegen zu gesagt. Ich schrieb schon an anderer Stelle dass ich das als Chance gesehen habe der Laufszene im Allgemeinen und dem Verein des TRW im Speziellen etwas zurück zu geben. Unser Sport und vor allem neue und kleine Veranstaltungen leben von den freiwilligen Helfern an und auf der Strecke.

Wir wollten also wieder als Dreiergespann das Feld von hinten „antreiben“, leider fielen dann doch Martin und Jessy aus unterschiedlichen Gründen aus und ich stand also alleine da. Das trübte um ehrlich zu sein etwas die Vorfreude auf den Lauf, denn im schlimmsten Fall hätte das bedeutet die komplette Strecke alleine laufen und die Markierungen auch alleine einsammeln zu müssen.

Der Start fand dieses Jahr im Leiwen am Sportplatz statt, der 3 Austragungsort im dritten Jahr der Veranstaltung. Rein von der Infrastruktur konnte ich keine qualitativen Unterschiede zum letzten Jahr feststellen. Da ich schon sehr früh am Sonntag morgen mit Martin am Startort war und zudem auch noch auf dem Parkplatz der Orga parken durfte lief alles recht reibungslos für mich ab. Schon ein Vorteil wenn man mehr oder weniger zum erweiterten Kreis des Personals gehört. So lag meine Zieltasche dann auch direkt in der kleinen Halle am Ziel so dass ich nach dem Lauf den eh schon kurzen Weg zum Auto nicht auch erst laufen musste. Im letzten Jahr war mein Weg nach getrackten 94 km dann doch etwas beschwerlicher um zur Dusche und zurück zu kommen.

 

Bei einem kurzen Frühstück vor Ort (Brötchen und Kaffee für 3€) traf ich dann auch Dominik der mich 2013 durch meinen ersten Pfalz Trail gebracht hatte. Zusammen mit Jörg der die Kurzstrecke unter die Sohlen nehmen wollte aßen wir in Ruhe und unterhielten uns über einen Forenkollegen bzw. Laufleistungen im Allgemeinen.

Nach dem Briefing durch Martin ging es dann kurz vor 06:00 auch schon an die Startlinie wo ich mich an hinterster Stelle einsortierte. Wir liefen also langsam los, zumindest der hintere Teil des Feldes. Vorne gab es kein Halten mehr, ich bin immer wieder beeindruckt wie schnell selbst bei so kleinen Veranstaltungen da vorne gelaufen wird. Es sind ja in der Regel keine Profis sondern maximal halb profesionelle Amateure die dort antreten, weit ab von der Laufelite. Da bekommt man mal so ungefähr einen Eindruck wie flott dann die großen Trailläufer so Dinger angehen.

Wir laufen also los und befinden uns auf dem Weg raus aus Leiwen in die ersten Weinberge, da dreht plötzlich ein Läufer um und rennt Richtung Start. Ich höre nur etwas von „Chip…vergessen“ und bleibe stehen. Toll, warte ich jetzt hier, oder laufe ich zurück? Weiter laufen ist jedenfalls nicht drin sonst bin ich nicht mehr letzter Mann. Also zurück zum Start, als ich dort angekommen bin kommt ein weiterer Läufe zurück, verschwindet schnell irgendwo und flitzt dann wieder auf die Strecke. Ich stehe noch immer da rum, warte auf einen Läufer. Und warte… Das Gute daran ist dass ich so Zeit habe noch mal auf die Toilette zu gehen. Nach 20 Minuten entscheidet die Orga dass ich weiter laufen soll und sie den Guten dann aus der Wertung nehmen würden wenn er an ihnen vorbei will. Interessanterweise kam er aber nicht an ihnen vorbei, die Startnummer habe ich mir nicht gemerkt. Ging zu schnell.

Wer immer du also auch warst, melde dich doch 1. bitte beim Schlussläufer ab und bitte ihn auf dich zu warten und 2. melde dich bei der Orga damit diese nicht nach dir suchen muss.

So begannen meine 70 km also damit dass ich vor der Wahl stand möglichst schnell den Abstand zum Teilnehmerfeld zu verringern und mich wenn es doof läuft abzuschießen oder den Rest des Tages immer weit hinter dem Feld zu laufen. Letzte Möglichkeit hätte bedeutet dass es ein sehr langer und wohl auch einsamer Tag geworden wäre.

Ich nahm mir also vor das Tempo wann immer es ging angenehm hoch zu halten, mich aber eben nicht abzuschießen. Ich rechnete nicht damit das Feld vor dem ersten VP einzuholen, so schnell wollte ich nicht laufen. Da sich die Strecke der 70er und der 31er erst bei km 25 trennen würde, war ich bis dahin auch mehr oder weniger arbeitslos und konnte mich aufs Laufen konzentrieren.

Nach ca. 7 km lockerem Geplänkel ging es dann auch schon das erste Mal so richtig in den Weinberg; Die Thörnicher Ritsch. Bis zu 28% Steigung gab schon mal einen ersten Ausblick was uns Läufer an diesem Tag so erwarten sollte. Es geht meist nicht lange nach oben in den Weinbergen, dafür aber steil. Das lose Schiefergestein macht den Aufstieg nicht einfacher. Belohnt wird man aber immer mit einen klasse Blick auf die Mosel. An diesem Punkt lag ich ca. 20 Minuten zurück, dachte ich zumindest.

Nach gut einer Stunde lief ich dann auch schon auf das Ende des Feldes auf. Das war bei km 14,5, also noch vor dem ersten VP. So schnell wollte ich nicht unterwegs sein, aber die Temperaturen waren noch angenehm kühl und die Strecke gab das Tempo eben her. Mit einer Ø-Pace von knapp 7:35 min/km war ich aber tatsächlich nicht so schnell unterwegs, selbst in den Weinbergen fühlte sich das noch recht moderat an. Drei größere Ansteige hatten wir da schon hinter uns, einige mehr sollten noch folgen.

trail römische weinstraße weinberg wege

 

Ich traf dort auf Rene der im letzten Jahr auf Grund der Hitze vorzeitig aussteigen mussten. Diese Tatsache hielt ihn aber nicht davon ab sich in diesem Jahr dann gleich für die 104er Distanz zu melden und diese dann auch zu finishen. Jeder hat halt mal einen schlechten Tag oder eben einen an dem nicht alles passt.

Der erste VP lag wie auch im letzten Jahr bei Trittenheim an der „Trittenheimer Apotheke“, ihr ahnt es schon. Natürlich ein Weinberg, was auch sonst?! Im letzten Jahr kamen wir dort erst bei KM 60 an, in diesem Jahr sollten wir dort sogar zwei Mal vorbei kommen. Dank einer intelligenten Streckenführung genügten 2015 zwei VPs. Wir wurden einfach jeweils zweimal daran vorbei geführt, das bedeutete einiges weniger an logistischem Aufwand und uns Läufern ist das im Grunde egal. Der VP war wie auch im letzten Jahr erstklassig ausgestattet und sogar die Veganer kamen hier (und auch beim zweiten VP) auf ihre Kosten. Sie bekamen nach vorheriger Anmeldung ein eigenes Büffet.

Klettersteig…ich hab Spaß. Ich liebe diese Dinger!

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Das tolle am TRW ist dass die Strecke so enorm abwechslungsreich ist, mal kraxelt man wirklich in den Weinbergen umher um dann oben auf der freien Pläne zu stehen. Klar gibt es immer mal wieder ein paar Transferstücke über Asphalt, aber seien wir mal ehrlich. Die haben wir alle irgendwo auf unseren Laufstrecken, grade wenn wir länger laufen.

 

Wie gesagt, sehr abwechslungsreich die Strecke. Das Zuckerstücken in diesem Jahr war wohl die sog. Red Bull Wand kurz vor der Marathondistanz. Was habe ich geflucht über dieses Stück! Gleichzeitig hat es aber auch verdammt viel Spaß gemacht hier hoch zu klettern und ich war froh keine Stöcke dabei und somit die Hände frei gehabt zu haben. Zum Glück war es trocken denn dort wären wir bei Regen nie im Leben sicher hoch gekommen!

Spannend war auch der Blick von unterhalb der Autobahnbrücke bei Riol, sieht man ja nicht jeden Tag.

Bis zur Marathondistanz waren wir zeitlich noch ganz gut dran und lagen deutlich über einer Stunde über dem CuttOff. Da aber jeder Ultraläufer weiß dass ein Ultra erst hintenraus schwer wird war mir klar dass wir noch nicht durch sein würden. Ich hatte an dem Tag den Vorteil dass mir das angeschlagene Tempo und die Distanz überhaupt nicht schwer fielen, was mich zumindest was die Distanz anging doch etwas verwunderte. Mein letzter lange Lauf war gut einen Monat her, richtig…der Rheinburgenweglauf. Seitdem war ich nur noch einmal dazu gekommen über 30 km zu laufen, hatte das aber versucht mit über 7000 HM im Juli zu kompensieren. Das hat scheinbar ganz gut funktioniert. Meine beiden Mitstreiter, die Gruppe war mittlerweile etwas aufgebrochen und wir trafen die anderen immer nur noch kurz an den VPs taten sich an dem Tag etwas schwerer. Andreas hatte seit km 30 oder 40 Probleme zu trinken bzw. zu essen und musste jede Pfütze zur Abkühlung nutzen und Udo musste einfach der Strecke Tribut zollen denke ich. Beide sind jedenfalls keine Neulinge auf der Ultradistanz, aber die Strecke und das gute Wetter an der Mosel sind halt eine Sache für sich. Rund 70 Abbrecher an dem Tag sprechen eine deutliche Sprache. Interessanterweise musste ich als Schlußläufer aber niemanden aus dem Rennen nehmen da alle freiwillig aufgehört haben bevor ich sie einsammeln konnte.

Beim VP4 und km 51 wartet dann auch eine der guten Seelen der Ultralaufszene auf uns, Badwater Ultramarathonfinisher Bernhard Sesterheim empfing uns mit warmen Worten und einer Salztablette am reichlich bestückten VP. Mein Foto entstand als die Helfer bereits abgeräumt hatte 🙂

Hintenraus wurde es also immer zäher und dank meiner Extratour zu Beginn des Laufes konnte ich mich auch auf meine Kilometeranzeige nicht mehr so recht verlassen. Ich konnte also meinen Mitstreitern immer nur grobe Schätzungen über die verbleibenden Kilometer liefern. Zum Glück hatte ich das Navi von Martin dabei so dass ich auf der Karte ungefähr sehen konnte wie weit wir es noch haben würden. Hier fehlte uns, grade auf den letzten 30 km ganz klar zumindest eine grobe Kilometerangabe auf der Strecke. Außerdem herrschte Unklarheit über die tatsächliche Streckenlänge des TRW. Die Infos schwankten zwischen 68 und 74 km was eine zu große Spanne ist um sich auf den letzten Kilometern vernünftig zu motivieren.

Irgendwann legte ich mich dann auf 4 verbleibende Kilometer fest, egal ob es dann später 5 oder 6 Kilometer sein würden. Ich tat mich echt schwer damit und wollte die beiden nicht unnötig demotivieren.

noch 4 kilometer TRW

 

Als dann gegen Ende die Markierungen wechselten wussten wir dass wir auf der letzten Schleife unterwegs waren, was auf der einen Seite toll war aber auf der anderen Seite eben auch nicht. Wir liefen ziemlich direkt auf Leiwen zu nur um dann doch daran vorbei zu laufen. Das war gemein und macht aber auch genau den Reiz aus. Ultra läuft man bis zum Schluss und wenn du denkst du wärst gleich im Ziel sind es eben noch mal ungefähr 10 km. Aber hey, 10 km gehen doch immer oder?

 

Als dann zum Glück der Schriftzug „70 km Ziel“ auf dem Asphalt auftauchte bekam Andreas so etwas wie die zweite Luft und lies Udo und mich förmlich stehen. So ist das Leben als Schlussläufer, da treibt man jemanden fast den halben Lauf vor sich her nur um dann auf dem letzten Kilometer abgehängt zu werden. Schön wie die Aussicht auf das Ziel noch mal die letzten Reserven aktivieren kann.

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Schwer zu erkennen, aber uns hat es gereicht um uns aufs Ziel zu freuen. Zielfotos hab ich wie immer verpennt… Dafür hat Mel daran gedacht eines zu machen. Sie war als ich sie eingeholt habe fest davon überzeugt dass wir den Tag zusammen verbringen würden. Schön für sie dass sie dann doch vor mir im Ziel war. Das Foto hab ich mal von ihr gemopst.

mel_me_ziel

Was bleibt zu sagen? Auch meine 2. Teilnahme am Trail Römische Weinstraße hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Strecke war top, die Helfer freundlich und hilfsbereit. Am 1. VP wurde sogar Hochzeitstag gefeiert, der 40. nochmal Glückwunsch auf diesem Wege und Danke dafür dass ihr den Tag mit und für uns an der Strecke wart.

Komme ich 2016 wieder an die Mosel? Sehr gerne, gerne auch wieder als Besenläufer.

 

Noch ein paar Worte an die 70 Aussteiger, es ist absolut keine Schande beim diesjährigen TRW nicht die Ziellinie erreicht zu haben. Die Strecke war alles andere als einfach und die Temperaturen haben ihr übriges dazu beigetragen den Lauf nicht zu einem Spaziergang werden zu lassen.

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


15 Antworten auf „Trail Römische Weinstraße – wo ich bin ist (schon wieder) hinten!“

  1. Schöner Bericht Sascha. Dieses Jahr konnte ich doch schon wieder nicht dabei sein. Mal schauen was sich so entwickelt und wenn der Körper hält werde ich nächstes Jahr hoffentlich fit genug sein 🙂

  2. Klasse Bericht, warst auch guter Wegweiser auf der Strecke 🙂 Boh war nicht so einfach ohne Plan die Läufer zu finden, aber habe es doch noch geschafft viele Fotos von dem TRW zu machen. Am 2 Tag war es einfacher da kannte ich die guten Stellen ohne mich zu verfahren 🙂
    Da hoffe ich mal das wir uns 2016 wieder über den Weg laufen. LG aus Bekond

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