Hundeläufer – warum das eben doch nicht immer so einfach ist.



Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten, 36 Sekunden



Ja ich höre oft Sprüche wie „der läßt sich ziehen…“ etc. Meist im Spaß und doch fühle ich mich meist genötigt darauf zu antworten. Hier tue ich es mal in Form eines kleinen Ratgebers „Wie laufe ich mit Hund? Warum das eben doch nicht so einfach ist!“ Zugegeben nicht immer ganz ernst gemeint bzw. mit einem kleinen Zwinkern.

1. „Der Hund macht dich schneller.“

Ja das stimmt so grundsätzlich. Ähnlich wie ein Pacemaker sorgt ein Hund (durch einen jederzeit vorhandenen leichten Zug an der Leine) dafür dass man in den entscheidenden Momenten eben nicht das Tempo raus nimmt wenn die Konzentration nachlässt. Was aber wenn der Hund mal plötzlich aus vollem Lauf meint schnuppern oder markieren zu müssen? Richtig, Zweibeiner läuft weiter und Vierbeiner bleibt stehen. Das Ergebnis dürfte klar sein. Ich weiß nicht wie oft ich mit Bonni an der Leine (für mich) unnötigerweise nach einer „Hundepause“ erneut anlaufen muss. Wie wir alle wissen kostet das Kraft.

2. „Der Hund zieht dich doch den Berg hoch, das kann ja dann jeder so schnell.“

Ja auch das stimmt. Bonni zieht mich immer und überall hoch, mit vier Beinen hat sie bergauf einfach mehr Grip und in Sachen Kondition ist sie mir haushoch überlegen. Das Problem an der Geschichte ist, dass sie bergauf auch deutlich schneller unterwegs ist als ich. Klar kann ich mich von ihr ziehen lassen und somit ein paar Sekunden (oder sogar Minuten) gut machen. Ich muss mir nur immer darüber bewusst sein dass Bonni / der Hund oben angekommen, eben nicht so außer Atem ist dass er eine Pause braucht. Nichts ist leichter als hinter einem Hund zu überpacen und dann nach 10 km kläglich einzugehen weil der Vierbeiner eben immer noch im 4er Schnitt laufen will / kann. Bedenke dass man die Beine trotzdem noch alleine so schnell bewegen muss, wir haben ja keine Rollen an den Schuhen.

3. Bergabläufe sind tückisch

Bergab kann man ja bekannterweise immer etwas schneller laufen als flach oder bergauf, solange das Gefälle bzw. Gelände nicht zu extrem ist. Wird es technisch, wird es meist problematisch mit dem Hund an der Leine. Dank der vier Beine und dem besseren Grip sind auch bergab schnellere Tempi möglich. Zwei- und Vierbeiner müssen hoch konzentriert sein um heil den Berg runter zu kommen, dabei ist kein Schritt gleich lang. Ständig sind Zwischenschritte, Sprünge und Slides nötig. Jetzt bekomm du die Bewegungen von 6 Füßen mal synchronisiert damit die Leinenlänge immer ausreichend ist. Zwischenschritte mit Hund an der Leine sind mitunter extrem gefährlich, nämlich immer dann wenn man unerwartet nach vorne gezogen wird weil der Vierbeiner mal wieder zum Sprung ansetzt, man selber aber grade erst auf dem Boden gelandet ist. Darum heißt es entweder Leinen los, also Hund läuft frei was ja nicht immer möglich / gewünscht ist oder man kann eben immer nur so schnell laufen dass man seinen Zughund jederzeit gebremst oder gelenkt bekommt. Gelenkt? Ja richtig, ab und an stehen Bäume im Weg und die Chance dass der Hund auf der selben Seite vorbei läuft liegt bei 50%. Nicht immer nimmt der Vierbeiner den für uns logischen weil sichereren Weg um ein Hindernis. Auch hier gilt, immer nur so schnell sein dass man noch gebremst bekommt und immer schon den nächsten Baum im Blick haben um reagieren zu können.

4. „Der arme Hund muss soweit laufen“

Ok, der Spruch kommt meist von unsportlichen Personen. Nein, Hunde leiden in der Regel nicht wenn sie weit laufen müssen. Selbstverständlich müssen auch Vierbeiner das trainieren und laufen nicht aus dem Stand mal eben 30 oder 40 km. Solange sie sich oft genug abkühlen können sind weite Distanzen für mittelgroße Hunde kein Problem. Klar ist auch dass man einen Dackel mit kurzen Beinen wohl eher nicht zum Marathon mitnehmen sollte, außer man will ihn tragen. Wozu haben wir denn immer diese schicken Rucksäcke auf dem Rücken?

5. Hund und Läufer sind ein Team.

In der Regel läuft alles glatt wenn Bonni und ich laufen, egal wie weit. Ab und an fällt mir das laufen aber schwer und ich muss gehen (weil ich mich zu sehr habe ziehen lassen 😉 ). Sei es weil ich einfach fertig bin oder weil es irgendwo zwickt. Kennen wir alle denke ich. Soweit so gut, Bonni trottet dann eben neben mir her, wird halt weiter spaziert. Was aber wenn Bonni ausfällt? Wenn Bonni sich 15 km vor dem Parkplatz auf dem unser Auto steht verletzt? Oder wenn sie sich wie beim Rhexchen noch vor dem Start der Veranstaltung eine Kralle abreißt? Ja dann heißt es DNS, für beide oder eben Zweibeiner trägt Vierbeiner. Wer mit Hund läuft hat immer einen Gesprächspartner oder zumindest Zuhörer dabei der einen aufbauen kann wenn es mal nicht so gut läuft, das selbe erwartet der Hund aber eben auch. Er erwartet dass der Zweibeiner auch immer einen Schluck Wasser für ihn dabei hat falls es mal zu warm ist im Sommer und der nächste Tümpel / Bach zu weit ist. Er erwartet auch dass der Zweibeiner auf den Hund achtet, seine Körpersprache kennt und weiß wenn die Gefahr besteht ihn zu überfordern. Bei meinem ersten Start beim Pfalz Trail 2013 hat mich Bonni (zusammen mit Dominik) ins Ziel gezogen, hat mich den ganzen Tag ohne zu murren begleitet. Abends lag sie dann fix und alle auf ihrem Kissen und hat sich nicht mehr gemuckst. Den Muskelkater die Tage danach hat man ihr angesehen. Hunde laufen also förmlich bis zum Umfallen mit uns Menschen und wir müssen sie oft davor beschützen.

 

Wer schon mal mit Bonni und mir gelaufen ist, weiß dass ich auf Sprüche wie „haha am nächsten Berg kannst du sie mir ruhig mal geben“ eigentlich immer damit reagiere dass ich das Laufgeschirr stumm übergebe. Bonni ist im Grunde eine kleine Zicke und auf Fremde nicht so gut zu sprechen, haben diese Fremden aber Laufklamotten an und riechen etwas streng macht ihr das nichts. Interessanterweise wird dieses Angebot dann immer gerne angenommen und wer dann oben am Berg noch Puste hat weil er von Bonni hochgezogen wurde gibt sie dann ganz schnell im anschließenden Downhill wieder ab. Merke, Hundelaufen will gelernt sein. 6 Pfoten bilden ein Team dass gut aufeinander eingespielt sein muss wenn es funktionieren will. Erste Hilfe Kits müssen im Grunde immer auch für den Vierbeiner ausgelegt sein. Wenn ich mich irgendwo an Dornen aufreise laufe ich weiter, laufe ich mir eine Blase beiße ich die Zähne zusammen und laufe trotzdem heim. Mit vier Pfoten ist man da leider etwas anfälliger.

In diesem Sinne,

Happy Trails, egal ob auf 2 oder 4 Pfoten.

 

 

 

 

 





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


14 Antworten auf „Hundeläufer – warum das eben doch nicht immer so einfach ist.“

  1. Hallo Sascha,
    klasse Zusammenfassung! Ich bin zwar mit Bayo nicht auf Trails unterwegs, sondern ein Strassen-/ Feldwegläufer, aber die Erfahrungen decken sich. Inkl. der Kommentare ‚…und wann trägst Du den Hund mal zum Dank‘. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie gut Madame das immer wegsteckt. Ich liebe es mit meiner Hündin zu laufen und sie liebt es, mich zu begleiten. Ist immer tödlich beleidigt, wenn ich aus welchen Gründen auch immer mal alleine auf die Piste gehe.

    Und wer nicht glaubt, das ein Hund beim Laufen nicht immer eine Unterstützung ist, dem gebe ich mal die Leine, wenn auf einmal aus vollem Lauf eine K***pause eingelegt wird und sich ein 30kg-Anker in den Boden gräbt…
    Also keep on running…

    1. Bonni ist auch immer ganz unruhig wenn ich mal alleine unterwegs bin, jault und heult unter der Treppe. 🙂
      Als ich einmal mit unserem Rüden unterwegs war meinte der auch plötzlich nach nichtmal 2 km die Bremse reinhausen zu müssen, Ergebnis war dass ich die knapp 50 kg nicht mehr bewegt bekam und doch tatsächlich die Laufleine gerissen ist. 🙂

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