Wörthersee Rundwanderweg – oder meine Odyssee am Wörthersee



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Der Wörthersee….

Ein See wie jeder andere, eigentlich. Aufmerksam bin ich durch den Wörthersee Trail geworden, der findet nächstes Wochenende statt. Da hab ich nur keine Zeit. Was tun also? Urlaub hatte ich dieses Jahr auch nicht wirklich, meinen Jahresurlaub habe ich damit verbracht mich auch die Prüfung einer Weiterbildung vorzubereiten.
Sehr erholsam….nicht!

Naja egal, vor gut 2,5 Monaten habe ich dann ein Zimmer in der Pension Krakolinig gebucht. Eine kleine Pension ca. 10 Minuten vom See entfernt und was viel wichtiger ist 5 Minuten vom Einstieg zum Wörthersee Rundwanderweg, einem Wanderweg der einmal um den See führt.Und das schöne daran, eben nicht über Asphalt sondern über wurzelige Waldwege. Mit ein paar Ausnahmen versteht sich, das „Problem“ kennen wir ja auch von unseren Wanderwegen. Ganz ohne Zuwegung über Asphalt geht es meistens nicht.

Thr33ky Stuff

Samstag morgen war es dann soweit, bereits Freitag hatte ich alles soweit zusammengepackt und auf meinem Zimmer bereit gelegt. Wetter war als „langstreckentauglich“ angekündigt und somit perfekt für die geplanten 55 km um den See rum.
Frühstück gab es ab 08:00 in der Pension so dass ich gegen 9:45 aufgebrochen bin. Erstmal einen guten Kilometer runter zur Touristeninformation auf deren Schild ich gestern die Öffnungszeiten abgelesen hatte. 07:30 – bis 12:00….Montag bis Freitag. Mist! Ich wollte doch die Wanderkarte zum Stempeln haben.

Also wieder den Berghoch quälen, gar nicht so einfach mit 3 Brötchen im Bauch. Gleich weiter an der Pension vorbei zum Einstieg des Wanderweges. Stöcke hatte ich bereits in der Hand. Der Kalenji hat zwar Schlaufen zum Befestigen der Dinger, aber da sie nicht teilbar sind schlagen sie mir immer gegen die Beine. Unangenehm. Also ab damit in die Hand. Gleich zu Beginn des Wanderweges der erste Stempelpunkt, um genauer zu sein Stempelpunkt Nr. 8 auf der Route. Ich stieg also mittendrin ein. Der Trail fing gleich sehr beeindruckend und charakteristisch an. Mit Wurzeln und Steigung.

Einstieg zum Rundweg in Sekull

Ganz wichtig, die blau-weiß-blaue Markierung! Das sollten die Farben sein nach denen ich die nächsten Stunden Ausschau halten muss. Teile des Rundweges um den Wörthersee überschneiden sich mit dem Fernwanderweg der rot-weiß markiert ist. Hier auch schon die erste Schwierigkeit die mir ein paar zusätzliche Kilometer bescheren sollte. Dazu aber später mehr…..
Gleich zu Beginn der erste Höhepunkt, also so rein gefühlsmässig. Ein schmaler Pfad durch junge Bäume und zwischen Felsen hindurch. Die Schautafel erzählt etwas von Mystik in der Luft… kann man so sagen. Und immer im Hintergrund die Karawanken. Leider geben die Bilder nur einen Teil der Szenerie und Atmosphäre wieder. Spätestens jetzt weiß ich wie schwer es ist wirklich gute Bilder zu machen. Schon am Anfang hätte ich mehr knipsen als Laufen können. Furchtbar 😉 Ich glaube was mir fehlt ist eine Kamera die ich immer griffbereit auf dem Kopf oder vor der Brust trage. Es gab so viele Situationen in denen ich zwar eine geile Aussicht hatte, aber einfach nicht (schon wieder) aufhören wollte zu laufen.

 

Nach knapp einer halben Stunde Laufzeit begrüßt einen der Forstsee, ein See der zur Energieerzeugung genutzt wird und durch ein Fallrohr mit dem Wörthersee verbunden ist. Früher standen am Meterbach der vom See wegführt unzählige Mühlen und Sägewerke. Im Hintergrund des Forstsees sieht man die Karawanken welche den Wanderer / Läufer fast die ganze Tour begleiten.
Das könnte definitiv ein zukünftiges Reiseziel sein.
Am Forstsee entlang muss man sich mit schnödem Waldweg begnügen. Da mich der Wald aber ziemlich an zuhause erinnerte also den nördlichen Schwarzwald war das halb so wild. Der Wald um den Wörthersee besteht zum allergrößten Teil aus Nadelbäumen die herrlich dufteten. Der Waldboden war sehr weich und angenehm zu laufen, teilweise. Solange man nicht entweder über Wurzeln oder Steine steigen musste. Alles bestens also und ein absoutes Traumterritorium für die Speedcross an den Füßen. Wobei ich mir vorstellen könnte, dass die Strecke im Herbst wenn sie nass ist nicht mehr ganz so angenehm zu laufen ist. Dürfte ziemlich rutschig werden auf manchen Passagen. Dank der Stöcke die ich dabei hatte konnte ich mich immer ordentlich abstützen was die Gefahr des Umknickens ziemlich verringerte. War eine gute Entscheidung mit Stöcken zu laufen, das werde ich im Oktober in der Pfalz so beibehalten. Doro hatte mich ja noch an die Dinger erinnert, auch wenn sie eh immer im Auto liegen weil ich ein fauler Mensch bin und sie selten raus räume.


Kurz vor Velden dann der Eingang zur Römerschlucht.


Auch hier wieder Steine, Felsen und Wurzeln wo man nur hinsieht. Dort sollte man etwas vorsichtiger sein um sich nicht zu verletzen. Wäre schade denn die Runde hat noch soviel zu bieten.

 

Die Römerschlucht spuckt einen dann am Rande von Velden wieder aus. Asphalt….bäh. Muss aber wohl sein, also runter in den Ort und vor lauter Schildern total orientierungslos. Zum Glück hat der Garmin eine Wurmnavigation so dass ich wenigstens die grobe Richtung in die ich gehen musste erahnen konnte. Hier die ersten seltsamen Blicke, Velden ist ein recht typischer Toruistenort und mitten im Trubel mag ein Trailrunner mit Rucksack, Stöcken und Calfs schon komisch anzuschauen sein.


Am Samstag war in Velden die Hölle los, es war Weinfest. Da fahre ich von der Mosel über 9 Stunden nach Österreich und was findet da statt? Ein Weinfest, als gäb es hier nicht schon genug davon. Nach trinken war mir dann auch zu mute als ich durch die Gegen geirrt bin. Eine Karte hatte ich ja noch nicht da die Touristeninfo heute morgen noch zu hatte. Hier hatte ich schon keine Lust mehr, da wird man aus himmlichen Wurzeltrails in Nadelwald in ein Rentnertouristenkaff gespuckt und verläuft sich. Na toll.
Ich suchte mir also die Touristeninfo um in Erfahrung zu bringen wo genau dieser Wanderweg weiter gehen sollte. Die nette Dame verriet mir dass ich durch den Wochenmarkt müsse und das auch der Grund sei warum ich die Markierungen nicht finden würde. So so….
Auf dem „Seecorso“ in Velden, der Uferstraße die am Südufer entlang führt kamen mir dann erneute Zweifel. Hier waren auch keine Markierungen zu sehen. Ich kramte also die Karte raus die ich in der Touristeninfo abgegriffen hatte raus und vergewisserte mich dass ich richtig war. Die Karte war eine grobe Karte des Wörthersees, wenn man lange Zeit mit militärischen Karten navigiert hat dann kommt einem diese Karte eher wie die Zeichnung eines Kleinkindes vor…Egal, hat geklappt. Kaum aus Velden raus erkannte ich auch schon die gelben Schilder die ebenfalls Wanderwege markierten. Etwas verwirrend denn insgesamt gab es 3 oder 4 Arten wie der Wanderwegs markiert war. Die blau-weiß-blaue Markierung findet man überall, an Bäumen, auf Steinen, Holzpfählen, Häusern, links und rechts. Mitunter ganz schon anstrengend im Laufschritt immer die richtigen Markierungen ausfindig zu machen. Mehr als einmal habe ich entweder die Markierung verpasst oder bin fast auf die Schnauze gefallen beim Suchen. Hervorragend ist allerdings die Markierungsdichte, im Wald aber auch nur. Außerhalb, in der Zivilisation lässt sie eher zu wünschen übrig. Unsere Traumpfade sind alle 250 Meter markiert, der Wörtherseerundweg um einiges öfter. So weiß man aber dass wenn man nicht spätestens alle 50 Meter eine Markierung sieht dass man falsch ist. Das wiederum ist von Vorteil wenn man flotter als ein Wanderer unterwegs ist. Hat mich aber auch ein oder zwei Kilometer gekostet bis ich das kapiert hatte.


Kaum wieder ein paar hundert Meter im Wald wartet dieser lustige Geselle auf den Läufer. Das Wörthersee Mandl, ich habe ja schon ein paar Worte über ihn verloren. Nettes Kerlchen!

Kaum war ich wieder im dunklen und duftenden Wald hob sich meine Laune wieder. Schon erstaunlich was Natur so mit einem anstellen kann. Nach knapp 2,5 Stunden und 15,5 km war ich also endlich wieder im Wald. Die schlechte Ausschilderung hatte mich eine gute halbe Stunde gekostet. Mittlerweile war es ca. 12:00. Das Wetter war noch immer perfekt.


Das nächste Ziel sollten der Trattnigteich sein, ein künstlicher Bade und Angelteich. Bis dahin waren es noch knapp 8 km und 200 hm. Als ich dort ankam war es kurz nach 13:00, perfekt für ein kleines Nickerchen. Ich nahm den Rucksack ab und setzte mich ans Wasser. Trank einen Schluck und genoss die Stille. Hier war wirklich außer dem Wind und ein paar Vögeln nichts zu hören. Nickerchen fiel aus und ich lief langsam weiter. Durchgangszeit für km 24 waren knapp 17 Minuten, ich saß also nicht so lange dort rum. Den Weg weiter in Richtung Pyramidenkogel folgend traf ich noch auf eine angelnde Familie die unzählige Angeln am Ufer aufgestellt hatte. Der Pyramidenkogel ist eine 851 m ü.A. Erhebung auf dem im Juni 2013 der neue Turm fertig gestellt wurde. Hässliches Ding finde ich, aber sehr gut zur Orientierung geeignet. Später diente mir das Ding auch als Motivationshilfe.


Hier war es auch ziemlich voll, haufenweise Touristen die alle mit den Auto bis kurz vor dem Turm gefahren waren. Ok, ein paar Wanderer hatte ich auf meinem Weg nach oben auch überholt. Vom Teich aus waren das noch mal gute 220 Hm auf 3 km Strecke. Das Stück bin ich dann mit hohem Puls hoch gewandert. Oben angekommen füllte ich eine meiner beiden Flaschen auf der Toilette auf, am Waschbecken versteht sich. Beide Flaschen waren mit jeweils einem Powerbar Gels gemischt. Kurz noch etwas Wasser ins Gesicht und ein paar Minuten in die Sonne gesetzt. Die Getränkeautomaten lachten mich an und ich wollte mir für 2€ eine Cola ziehen, hatte aber nur 1,90 € klein….so gab es nur ein Mineralwasser. Geld wechseln wollte ich nicht, das war mir zuviel Aufwand. Dürften so an die 20 Minuten gewesen sein. Die Zeit hatte ich rausgestoppt.
Richtung Spintikteiche ging es auf den nächsten 5 km gute 350 hm nach unten. Genau richtig um nach der langen Pause wieder in Fahrt zu kommen bevor ich bei km 33 wieder auf Asphalt gespuckt wurde. Ich stand in Reifnitz….mir kam der Name irgendwie bekannt vor. Um mich rum jede Menge Proletenkarren der Marke VW….ein Golfdenkmal am Ufer des Wörthersees. Achja….Reifnitz am Wörthersee. Da war ja was. Ich als alter Opelfahrer hab da natürlich ein wenig länger gebraucht. Hier findet doch das große VW-Treffen am Wörthersee statt und tausende Bekloppte pilgern da jedes Jahr hin. Zum Glück war grade kein Treffen. Die paar Proleten reichten mir.
Hier schon wieder Verwirrung meinerseits…klar ich war wieder auf Asphalt. Hier wurde eine Straße neu gebaut über den eigentlich der Wanderweg führen sollte, am Ende dieser Straße konnte ich gelbe Schilder erahnen. Lief dann aber lieber den Wegweisern nach. Bei km 35 und knappen 5,5 Stunden Laufzeit hatte ich keinen Bock mehr auf Experimente.
Hätte ich es mal lieber gewagt, wäre eine Abkürzung gewesen.
Also weiter zu den Spintikteichen, hier tummelten sich ein paar FKK Bader. Da wäre ich gerne mit rein gesprungen, nicht weil sie so ansehnlich waren sondern der Erfrischung wegen… Im Wald war es zwar recht frisch bzw angenehm, auf den Passagen die aus dem Wald raus führten und dort wo die Sonne stand wurde es trotzdem noch recht schnell warm. Alles aber im angenehmen Bereich. Spätsommer ist einfach eine super Jahreszeit.
Weiter ging es Richtung Goritschitzen, wer denkt sich solche Namen aus??
Die Passage ist relativ unspektakulär aber trotzdem nicht hässlich. Nach 3 km war ich dann im Ort. Mittlerweile habe ich nicht mehr so viele Fotos gemacht, die Kamera streikte immer öfter. Das Objektiv wollte nicht mehr rausfahren.

 

Nach Goritschitzen (Gesundheit!) ging es rein nach Klagenfurt. In Klagenfurt war vor kurzem noch der Ironman Austria zu Besuch was noch immer zu sehen war. Kurz bevor es allerdings nach Klagenfurt ging, ca. bei km 42 verspürte ich einen stechenden Schmerz in der Halsgegend. Ein Griff an die Stelle und ich hatte irgendwas in der Hand, ich schleuderte es zu Boden und es flog weg. Super, ein Stich in den Hals. Mir kam ganz kurz Michael Mittermeier und die Szene mit dem Auslandskrankenschein in den Sinn… Ich setzte den Rucksack ab, machte mir per Foto ein Bild vom Stich und hielt mit dem Eisspray aus meinem Rucksack drauf.
Blödes Vieh…Rucksack wieder auf und langsam weiter getrabt. Allergien habe ich keine, zumindest keine bekannten. Der letzte Bienen oder Wepsenstich war aber auch schon viele Jahre her. Ich beobachtet also meinen Atem und lief weiter. Der Schmerz bzw. das Brennen lies nach und ich verlor keinen Gedanken mehr daran.
Ich bog auf den Lorettoweg ein und lief den Kanal entlang. Hier kamen mir einige „Kurzstreckenmoppels“ entgegen, typische Freizeitläufer in stylischen Klamotten. Besser als fett und faul dachte ich mir als ich in die entspannten Gesichter und auf das Display meiner Uhr schaute. 43 km und 6,5 Stunden stand da…. Puh. Mittlerweile war ich ganz schön lange unterwegs. Die Müdigkeit hielt sich allerdings in Grenzen, das Tempo war ja auch recht langsam bisher.

Verpflegt hatte ich mich den Tag über mit dem Maltogebräu, den Gels in den Trinkflaschen und bisher 2 Isostar Energieriegeln. Ging ganz gut.
In Klagenfurt war es wieder soweit, ich hatte mich ja schon ewig nicht mehr verlaufen….
Ich überquerte den Kanal über den Loretto Steg und stand auf der anderen Seite. Geradeaus leuchtete die Markierung des Fernwanderweges in rot-weiß. Von Blau-weiß war nix zu sehen. Ein Kurzer Rundumblick offenbarte auch keine passende Markierung. Ich lief also dem Fernwanderweg nach, immerhim verlief dieser ja ein gutes Stück parallel zu „meinem“ Wanderweg. Der Garmin meckerte inzwischen etwas öfter wegen dem leeren Akku… Ich lief noch ein paar Freizeitjoggern hinterher und freute mich wieviele es hier doch scheinbar davon zu geben schien. Da war ein (mutmaßlicher) Taliban in Baumwollklamotten, eine Dame vom Thaiimbis, alte Menschen, junge Väter mit Kinderwagen, Dicke und Dünne. Ganz Klagenfurt joggt….und ich Blödmann hinterher. Immernoch keine passende Markierung, der See war mittlerweile auch nicht mehr zu sehen….Blöd wenn man sich auf einer Seeumrundung befindet…

Ich kramte also wieder mal die Karte raus und orientierte mich. Packte sie wieder ein und drehte um. Hätte zu dem Zeitpunkt einer gesagt er hätte in Bier für mich und würde mich heimfahren, wäre ich wohl eingestiegen.
Wieder gute 5 km Umweg und keinen Schimmer wo die Markierungen waren. Dort wo sie hätten sein sollen, nämlich runter vom Lorette Steg und dann linker Hand waren sie nicht. Es war jetzt bereits 17:30 und die beiden Trinkflaschen waren nicht mehr wirklich gut gefüllt. Die Blase hielt ich mir als eiserne Reserve und trank nur ab und an daraus. Ich wollte die Blase allerdings auch nicht unterwegs irgendwo schon leer haben. Ich wusste nicht genau wann es dunkel werden würde und hatte seit km 45, also seit meinem erneuten Verlaufen keine Angaben mehr zur Entfernung da der Akku der Uhr jetzt endgültig leer war. Ich wusste also dass ich ca. 45 km gelaufen war, die Strecke sollte gesamt 55 km haben. Ich war aber erst in Klagenfurt und von dort bis zu Pension waren es niemals im Leben nur noch 10 km.
Ich lief an einer Bushaltestelle vorbei….sehr verlockend das Mistding. Aus dem Augenwinkel erblickte ich ein gelbes Schild in einiger Entfernung. Nichts wie hin und siehe da -> Wörthersee Rundwanderweg. Sehr geil. Blöd nur dass man nirgends erkennen konnte wie weit es noch war. Auf den Schildern standen wenn dann nur Minutenangaben bis zum nächsten sehenswerten Punkt. Mir das jetzt aber mit der einer Zeichnung eines Kleinkindes ähnelnden Karte zurecht zu rechnen hatte ich nach 7 Stunden keinen Bock mehr.
Hilft ja nix, muss ja irgendwie heimkommen. Ich hatte ja alles im Rucksack was man so braucht, Lampe, Jacke und Wechselklamotten.

kurz hinter Klagenfurt – gute 8 Stunden unterwegs

 

Ich lief also weiter Richtung Görtschach an der A2 entlang und dort wieder in den Wald. Kurzer Blick auf das Handy und dessen Akkustand verriet mir dass ich noch höchstens 3 Stunden Saft auf dem Handy haben würde. Meine gesamte technischen Ausstattung ist wohl eher nicht ultratauglich… Egal, Hauptsache die Beine sind es.
Als ich wieder im Wald war wurde es langsam kühler und dunkler. Ich kam an zwei österreichischen Polizisten vorbei die im Wald rum standen….ich lief grüssend weiter. Kein Risiko eingehen.
Ich zog meine Jacke über und setzte die Stirnlampe auf den Kopf, noch war es zwar hell genug aber ich wollte nicht nochmal anhalten und den Rucksack abziehen müssen. Ich lief ein Stück ohne Brille da ich nur die Filter für Sonneneinstrahlung dabei hatte. Ich hatte grade die Brille abgezogen und war noch etwas blind als plötzlich ein Reh neben mir stand.


Das Tier muckste sich nicht und machte nicht den Anschein Angst vor mir zu haben. Tollwut? Dachte ich. Ein etwas genauerer Blick zeigte aber dass es sich nur um ein Plastikreh handelte….toll. So blind bin ich also ohne Brille.
In dem Stück Wald waren noch mehr solcher Tiere versteckt, einige trugen auch Zielscheiben auf dem Körper. Der örtliche Jagdverein hatte da wohl irgendeine Veranstaltung geplant. Ich wurde nicht beschossen, zum Glück.
Ich füllte meine Trinkflasche an einer Quelle auf, probierte einen Schluck und befand das Wasser als trinkbar. Besser als nachher nix mehr zu haben, dachte ich mir. Schmeckte nur leicht sandig.
Der Weg führte mich vorbei am Schloss Drasing weiter Richtung Pirk. Dort gab es noch mal einen Aussichtspunkt an dem ich kurz rastete und etwas aß.
Nächster Halt sollte der Pirker Kogel sein, eine Erhebung mit einer Höhe von 666 Metern. Hell Yeah, wenn das mal nicht ein gutes Zeichen war.

 

Mittlerweile war es dämmrig und die wurzeligen Pfade konnte ich nur noch langsam runter laufen. Die Lampe schaltete ich nur sparsam ein, ich wollte das fehlende Licht und die steigende Geräuschkullise im Wald genießen.

Mit zunehmender Dunkelheit wurde ich immer schwerer die Markierungen zu finden und ich entschloss mich bei Pörtschach den Wald zu verlassen und dort auf Asphalt weiter zu laufen. Ich war am Freitag bereits im Ort um einzukaufen und wollte jetzt bekannte Wege laufen.
Das nächste Bild dass ich aufnahm stammt von km 57 und entstand kurz vor dem Ziel an einer Tankstelle. Dort hatte ich mir einen Redbull und ein Twix gekauft. Nervennahrung. Eigentlich wollte ich ein Bier, aber es scheint in Österreich kein Dosenbier zu geben…

Das der Kassierer nicht die Polizei gerufen hat kann ich bei dem Anblick nicht ganz verstehen 😉

Von hier ging es nur noch an der Straße lang Richtung Pension wo ich mir erstmal ein Weizenbier und einen großes Glas Orangensaft gegönnt habe.
Die verbliebenen Tennisdamen die noch da saßen fragten mich ganz verwundert wo ich her komme. Als ich dann antwortete “ I was on a eleven hour trip around the lake“ erntete ich erstaunte und ungläubige Blicke. Sie waren letztes Jahr auch hier wandern. Ganze 4 Kilometer „and that was enough“ – Recht hatten sie, reicht vollkommen.
Auf dem Zimmer gab es dann noch 3 große Teller Spaghetti und ein Telefonat mit der Frau zuhause. Die hatte sich nämlich Sorgen gemacht nach dem ich ihr geschrieben hatte dass ich mich verlaufen hätte.

 

Tja…das war sie also meine Wörtherseeumrundung. Was bleibt zu sagen, was war gut und was nicht?

Gut:

  • Die Landschaft war / ist spitze
  • Die Markierungen sind im Großen und Ganzen sehr gut, Ausnahme sind hier die Städte
  • Meine Entscheidung eben nicht nach dem GPS-Track des Trail Maniak sondern nach dem offiziellen Wanderweg zu laufen.
  • Maltogebräu und Energieriegel haben als Verpflegung gepasst
  • Die Unterkunft war sehr gut gewählt, eigene Küche für Verpflegung aber auch Restaurant vorhanden. Gut und günstig übernachtet
  • Definitiv die Unterstützung und blöden Sprüche per Facebook, danke das ist genau das was man so braucht wenn man langsam die Lust verliert und durch die Pampa marschiert 🙂
  • Meine sonstige Ausrüstung, also Rucksack, Schuhe und Klamotten von THR33KY hat wunderbar gepaßt. Kein Zwicken, kein Zwacken. So soll das sein

Schlecht:

  • An entscheidenden Punkte (Velden, Reifnitz und Klagenfurt) ist der Weg eben nicht so eindeutig markiert.
  • Sowohl Garmin als auch mein Handy nur bedingt tauglich für solche Entfernungen bzw. Tourenlängen
  • Der Zeitpunkt im Jahr war wohl etwas spät gewählt da es ja schon recht früh dunkel wird. Besser zwei oder drei Monate früher das nächste Mal.
  • Wenn sich Wanderwege trennen sollte das besser markiert werden.
  • Ich musste leider zwei „Gipfel“ auf Grund der Dunkelheit auslassen. Den Hohen Geißrücken (601 m) und eine Erhöhung in der nähe des Aussichtspunktes Karawankenblick mit 616 m.

Ausrüstung:

Gruß
Sascha

P.S. ich habe bestimmt noch einiges vergessen, aber 11 Stunden und 64 km on Trail kann man nicht so einfach in Worte fassen. Da war soviel Emotion dabei, Wut über die schlechte Markierung, Freude über die Landschaft und pure Entspannung, Erschöpfung, absolute Lustlosigkeit etc…. Ihr kennt das sicher 😉

Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.





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SaschaSascha

Vater, Läufer, Hundebesitzer. Ich laufe gerne weit und lange, am liebsten abseits der Straße oder breiter Wege. Ab und an teste ich Produkte, laufe Wettkämpfe oder sonstige Events und schreibe meine Eindrücke nieder. An Bestzeiten bin ich nicht interessiert.


5 Antworten auf „Wörthersee Rundwanderweg – oder meine Odyssee am Wörthersee“

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